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30. April 2006

Sucre, Hauptstadt-Tarabuco, Kulturdorf

Zuerst gilt es noch einen Nachtrag in Potosi zu machen. Denn der Besuch des „Casa de Moneda“ wo man die Geschichte des Silbers und ihrer Verwendung zu Muenzen erfahren kann ist sicher ein Besuch wert. Auch konnte man noch die alten Pressen begutachten, mit denen frueher die Muenzplatten gepresst wurden bevor aus ihnen Muenzen gestanzt wurden. Ein sehr interessanter Besuch in einem herrlichen Gebauede, welches sanft saniert aber nicht umgebaut wurde. Obwohl in der Schweiz wuerde man die Touristen sicher nicht mehr auf solch alten Balken rumlaufen lassen aus Angst vor einem Einsturz.


Innenhof des Casa de Moneda in Potosi


alte Muenzen, welche in Potosi gefertigt wurden


die alten Pressen fuer Silberplatten

Ebenfalls eine Bereicherung unseres Potosiaufenthaltes war die einmalige Unterhaltung in einem kleinen Restaurant. Nach dem Essen kam eine junge Gruppe Bolivianer (eine bekannte Gruppe in Potosi) und verschoenerte uns den Abend mit einer eineinhalb stuendigen Musikdarbietung. Die Jungs waren unglaublich bei der Sache und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie lange die „Schnauf“ hatten fuer die verschiedenen Floeten. Immer zwischen den Musikvortraegen wurde uns vom Besitzer des Restaurants die Geschichte des naechsten Liedes oder etwas ueber die Geschichte der Aymara oder Chechua (das sind die beiden urspruenglich einheimischen Gruppen von Bolivien) erzaehlt. Alles in allem war dieser Abend einfach sensationell!

In Sucre war die erste Unterkunft die wir hier bezogen haben war bettenmaessig bequem, aber sonst nicht das, was wir suchten. Da wir jedoch fuer 3 Naechte vorreserviert hatten (da wir gerade an Ostern da waren), hielten wir erst fuer danach Ausschau nach etwas Anderem. Wir kamen am Karfreitag in Sucre an und natuerlich war wie am Tag zuvor in Potosi alles geschlossen. So liefen wir zum ersten Mal die Stadt etwas ab und betrachteten alles von aussen. doch das Wetter war etwa wie in der Schweiz, kalt und regnerisch undda wir keine warme eigene Stube hatten suchten wir immer mal wieder ein im Reisefuehrer empfohlenes Restaurant auf ueber diese Tage. Das fuehrte uns einmal in ein deutsches , kleines Beizli mit herrlichem Apfelkuchen. Der war so gut, dass wir gleich nach dem Verzehr beide noch ein zweites Stueck bestellten (das war dann unser Mittagessen 😉 ). Obwohl Sucre, uebrigens die Hauptstadt von Bolivien, La Paz ist nur der Sitz der Regierung und „Finanz- und Wirtschaftshochburg“, sehr viel an schoenen Gebaeuden zu bieten hat konnten wir in diesen Ostertagen nicht viel besichtigen und photografieren, wie gesagt, das Wetter spielte uns einen maechtigen Streich und zudem war fast alles geschlossen. Wir suchten immer mal wieder ein warmes Plaetzchen und eines abends fanden wir ein „schweizer“ Restaurant und konnten uns beide an einem Teller Roesti herrlich erfreuen. Zudem wurde nebenan in einem Kulturkeller von einer Tanzgruppe eine Darbietung geboten. Somit hatten wir wieder musikalische Begleitung zu unserem feinen Essen.


Roesti mit Spiegelei


Roesti mit Rindfleisch

Am Ostersonntag machten wir uns dann auf den Weg zum beruehmten Markt von Tarabuco. Leider war das Wetter immer noch voellig verhangen und wir konnten die Umgebung auf der Fahrt nicht so geniessen. Wir kamen ziemlich frueh an und die meisten waren noch mit dem Aufbau beschaeftigt. Dieser Markt ist so bekannt, da viele Tarabucenos noch mit den uspruenglichen Ponchos und Trachten herumlaufen. Dies sind ganz farbenfrohe Gewaender und an diesem trostlosen grauen kalten Nebeltag waren sie fuer unsere Augen eine willkommene Abwechslung.


der typische maennliche Tarabuco Poncho


Tarabuco Umhang der Frauen


man beachte, die meisten Leute laufen bei diesen Temperaturen mit Sandalen herum, welche aus alten Pneus gefertigt werden, wir haben schon ein Luxusleben mit unseren Wanderschuhen, Socken und langen Hosen!

Obwohl es sehr kalt war schlichen wir uns unter die Markt“fahrer“ bevor die riesigen Touristenstroeme mit Kameras behangen den Weg nach Tarabuco fanden und konnten dme Geschehen relativ ungestoert zusehen. als dann die meisten Touristen mit Bussen angekarrt wurden verzogen wir uns fuer ein warmes Fruehstueck in ein Restaurant. Leider liess dieses mehr als eine Stunde auf sich warten und die Temperaturen im Restaurant war auch nicht ueber 10 Grad, so war es leider kein gemuetliches Aufwaermen, aber wenigstens vom Wind waren wir geschuetzt 🙂

Danach machten wir uns wieder auf ins Getuemmel und konnten unter den vielen schoenen, farbenfrohen „Handarbeiten“ das eine oder andere schoene Souvenir erstehen.

Ein kurzer Besuch in der Kirche (es war ja Ostersonntag) durfte natuerlich auch nicht fehlen, doch diese war ziemlich leer, die meisten waren am Markt beschaeftigt, konnten aber die Messe trotzdem verfolgen, da sie ueber Lautsprecher auf den Dorfplatz uebertragen wurde.
Am meisten Zeit verbrachten wir damit, die Strassen immer wieder entlang zu schlendern und uns an den traditonell gekleideten Leuten zu freuen.

Was uns wieder beeindruckten, war das Gemuese- und Fruechteangebot hier. Aber in die Naehe der Fleischstaende begaben wir uns nicht allzu oft, denn diese Gerueche sind nicht so fuer unsere Nasen bestimmt.
Hier ein Photo aus der Weite:


ihr koennt Euch selber ausdenken, was das weisse „Tuch“ sein koennte…

Als wir genug gesehen hatten (und kurz vor dem Einfrieren waren 😉 ) traten wir mit dem gecharterten Taxifahrer den Rueckweg an. Danach musste wieder ein Besuch bei einem Restaurant folgen, um uns aufzuwaermen.

Auch sonst hat Sucre noch Einiges zu bieten, zum Einen sind da noch die wunderschoenen Gebaeude in der Stadt, welche ebenfalls die Geschichte von frueherem Reichtum erzaehlen. Denn Sucre hat ebenfalls Berge mit Gold und Silber, da der Untergrund jedoch viel zu viel Wasser enthaelt, musste mit dem Abbau gestoppt werden.


das Gebaeude der Armada de Chile


Kathedrale „La Merced“ das zu Hause der mit Juwelen behangenen Jungfrau


Casa de la Libertad


Plaza Anzures beim Mirador Recoleta

An einem Tag suchten wir das Textilmuseum auf. Dies ist ein Projekt, welches aufgebaut wurde, um die traditionelle Webkunst der verschiedenen Voelkergruppen in Bolivien zu erhalten oder wieder zu beleben. Mittlerweile haben sie beim Projekt schon zwei Voelkergruppen auf ihrer Seite, die beim Projekt mitarbeiten. Doch es fehlen noch mindestens 4 andere Gruppen. Fuer das Projekt ist es sehr wichtig, dass alle Gruppen mitmachen, da jede dieser Gruppen voellig unterschiedliche Webstile- und Motive haben, welche nur in diesen bestimmten Regionen gefunden werden koennen. Dank des Projektes haben auch die Maenner wieder weben gelernt und lassen die Kultur wieder aufleben. Die beiden Gruppen welche zur Zeit mit ASUR mitarbeiten sind die Ethnie von Tarabuco und von J’alqa. Die Tarabucenos haben eine ganz farbenfrohe Webkunst wogegen die J’alqas nur mit den Farben rot , schwarz, gruen und blau arbeiten. Und was wir auch nicht wussten, die Maenner aus Bolivien haben den Webstil, den wir in Europa kennen, dabei wird das Muster des Gewobenen mit den Querfaeden bestimmt, bei der Webart der Frauen wird das Muster hauptsaechlich mit den Laengsfaeden erstellt, eine Webart die uns bis anhin fremd war aber viel vielschichtigere und manchmal sogar dreidimensional erscheinende Produkte erzeugt. Was zudem erstaunlich ist, dass alle Motive auf dem Kopf gewoben werden und ohne Mustervorlage. Das kommt den Weber/innen ganz intuitiv waehrend der Arbeit in den Sinn. Das Projekt ASUR baut Raeume und Haeuser wo die am Projekt beteiligten arbeiten koennen und besorgt auch das ganze Material. Wenn ein Produkt fertiggestellt wurde wird es von der Chefin, sie ist Antropologin auf seine „Echtheit“ geprueft. D.h. es duerfen keine Symbole und Geschichten auf den Webstuecken sein, welche nicht schon seit jeher zu dieser Kultur gepasst haben.


Webkunst einer Frau von Tarabuco


J’alqa Webkunst

Auch sonst war das Museum sehr sehenswert und lehrte uns viel ueber die Webkunst, aber auch den Zusammenhang der Stoffe und der Kultur und Braeuche. Danach verbrachten wir noch mehr als eineinhalb Stunden im angegliederten Shop. Einerseits, weil wir uns ein Andenken besorgen wollten in diesem Fairtradeladen und somit das Superprojekt unterstuetzen wollten, andereseits, weil die Shopverantwortliche eine ausgewanderte Schweizerin war und wir uns sehr lange und angeregt mit Ihr unterhalten konnten. Sie gab uns noch viel mehr interessante Informationen ueber das Projekt und konnten uns schlussendlich auch gleich noch die vielen Symbole und Bedeutungen unseres erstandenen Webstuecks erklaeren. Das wird ein ganz besonderes Andenken in unsere Wohnung sein…

Nach diesem Besuch waren wir mit unserem Tag und dem Erlebten vollends zufrieden.
Am naechsten Tag war dann Dienstag nach Ostern. Und wie in Schweiz, war es auch hier so, sobald die Ostern vorbei sind, darf sich die Sonne wieder zeigen. Das stimmte uns gut, da wir heute einen Ausflug zu dem groessten palaeontologischen Fundort der Welt unternehmen wollten. Ca. eine halbe Stunde ausserhalb von Sucre wurde in einem Steinbruch die laengsten versteinerten Fussspuren von Dinosaurieren gefunden. Diese wurden 1992 entdeckt. Der Fundort ist zwischen 65 und 105 Mio. Jahre alt. Leider wird durch die immer noch taetige Zementfabrik in diesem Steinbruch, aber auch durch die Witterung immer noch jeden Tag viel dieses einmaligen Fundorts zerstoert. Doch seit einigen Jahren ist nun die Unesco vor Ort und versucht eine Loesung zu finden, wie dieser Fundort am Besten erhalten werden kann. Denn urspruenglich war die „Mauer“ 2.5 km lang und 120m hoch, doch mittlerweile ist sie nur noch 85m hoch und etliche Spuren gingen schon verloren.
Urspruenglich waren diese Fussabdrucke natuerlich auf dem Boden, doch durch die Erosion des Untergrundes findet man die Spuren nun auf einer 70Grad steilen Mauer. Ein wissenschaftliches Team aus der Schweiz und Italien haben die Limestonewand 1994 unter die Lupe genommen und mehr als 5’000 Spuren von mehr als 150 verschiedenen Arten entdeckt!
Ist schon eindruecklich, dies mit eigenen Augen zu sehen.
Die Abdrucke sind so gut sichtbar, da die eine Schicht aus Pflanzenabfall, Algen und Faekalien gedrueckt wurden, welches eine sehr weiche Schicht ist und somit dort erhalten blieben.

Was man zudem auf den Strassen von Bolivien sehr oft sieht sind Handwerker die ihr Geschaeft direkt auf der Strasse aufgebaut haben.


Schuhmacher

Oder ganze Reihen von kleinen Pulten mit einer Schreibmaschine und dahinter Maennern, welche mitten auf dem Trottoir den Passanten ihre Administration abnehmen.

Unseren letzten Tag in Sucre liessen wir auf dem Aussichtspunkt bei einem herrlichen Fruchtsaft ausklingen

Am naechsten Tag holte uns unser Sucre- Taxichauffeur Eulogio zum letzten Mal ab und brachte uns auf den Flughafen (nach diesen zwei Busfahrten wollten wir mal wieder ein anderes Verkehrsmittel ausprobieren 😉 )
Eulogio trafen wir am ersten Tag zufaellig am Busbahnhof und er war so unglaublich zuverlaessig, dass wir ihn immer wieder buchten fuer unsere Fahrten…

Mit dem Abflug wurde dann aber vorerst gewartet, da irgendetwas mit dem linken Triebwerk nicht in Ordnung schien. Mit der Passagiertreppe verschafften sich die Mechniker Zugang zum Triebwerk, auch nicht gerade aufmunternd, so kurz vor dem Abflug alles live mitansehen zu koennen. Schlussendlich wurden einige Tropfen Oel reingesprueht und alles wieder geschlossen, wenn das nur gut geht ! ! !


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