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23. April 2006

Bolivien, herrliche Landschaft, typische Strassenbilder

Nach unserer Ankunft in Uyuni hiess es zuerst mal ein Hostel zu finden. Unser neuer Bolivenfuehrer war uns dabei wieder eine gute Hilfe. Wir haben eine verhaeltnismaessig gute Unterkunft gefunden, welche auch einmal pro Tag eine warme Dusche im Preis enthielt. Die Dusche stellte sich jedoch eher als so heiss heraus, dass man nicht richtig darunter stehen konnte und einen Kaltwasserhahn gab es nicht. . .
Abends wurde es dann empfindlich kalt in unserem Zimmer, sodass es extreme Ueberwindung brauchte, um sich fuers Bett bereit zu machen und morgends wieder unter den 4 Wolldecken hervor zu kriechen. Doch wir waren uns dies ja bereits gewoehnt und es kann uns auch nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Uyuni selber hat nicht sehr viel zu bieten, doch ein Besuch auf dem Markt lohnt sich trotzdem. Das Gemuese- und Fruechteangebot ist hier wieder viel groesser als im Altiplano von Chile, das hat uns sehr erstaunt. Wir befinden uns doch hier auf 3’600m Hoehe.
Die Tagen verbrachten wir wieder einmal mit internettlen, herumspazieren, Waesche waschen und lesen. Abends machten wir uns dann selber ein Essen mit frischem Gemuese vom Markt, obwohl wir hier in Bolivien eigentlich in den Restaurants wie die Fuersten essen koennen und es uns kaum was kostet. Das Mueslifruehstueck hat uns jedenfalls sehr gemundet :-).

Am naechsten Tag hatten wir uns fuer das beste Busunternehmen (es wurde uns von drei verschiedenen Seiten diese Firma empfohlen) ein Ticket gesichert, um nach Potosi zu fahren. Nachdem all unser Gepaeck auf dem Dach verstaut war konnte es los gehen. Ein letzter Blick zuerueck in die Salzwueste und schon bald ging es in die Berge von Bolivien. Doch bereits nach 40 Minuten Fahrt hatten wir einen platten Reifen. Das kann ja heiter werden. Ohne dass wir aussteigen mussten, wurde der Bus aufgebockt und der Reifen gewechselt. Nach 25 Minuten konnte die Fahrt weitergehen (das war super effizient, fuer suedamerikanische Verhaeltnisse). Was uns dann weniger gefiel, dass keiner der beiden Angestellten je Anstalten machte, nach einer Weile die Schrauben zu kontrollieren und nachzuziehen, obwohl die Strasse nur eine Schotterstrasse war und sich die Schrauben leicht loesen koennten… Und vorallem befanden wir uns auf einer sehr kurvigen Bergstrasse meist mit steilen Abhaengen. So wurden diese restlichen 6 Stunden nicht sehr erholsam, obwohl sich allueberall herrliche Landschaften zeigten und im Vordergrund meist die bolivianischen Frauen in ihrer typischen Kleidung am Strassenrand standen oder auf den Feldern arbeiteten, mit ihren Tuchrucksaecken auf dem Ruecken (aguayo) doch wir kamen ohne weiteren Zwischenfall an.

Nachdem wir uns gleich beim Busbahnhof ueber die weiteren Verbindundgen ueber Ostern erkundigt hatten nahmen wir mit den Belgiern vom Uyuni Tripp ein Taxi, da wir uns fuer dieselbe Unterkunft entschieden hatten. Wir hatten uns geschworen, nur offizielle Taxis zu nehmen, doch da sie sich der Sache annahmen, mussten wir schon das erste Mal in ein inoffizielles steigen. Doch alles ging gut. Wir bekamen die letzten zwei Zimmer! Das dies gar nicht so Glueck war, stellten wir erst abends fest, denn die Betten liessen zu wuenschen uebrig. Katjas Matratze war so schraeg, dass sie in der Nacht fast dreimal vom Bett geflogen waere, bis sie entdeckt hat, dass sie dies verhindern kann, indem sie diagonal auf die Matratze liegt ;-).

Potosi war vor langer Zeit mal die reichste Stadt der Welt und in ihrer Groesse vergleichbar mit Paris oder New York vor ca. 300 Jahren, da dort grosse Vorkommen von Silber gefunden wurden. Die spanischen Besetzer hatten den Braten gleich gerochen und haben den Berg mit Hilfe von einheimischen Sklaven ausgebeutet. Haupttouristenattraktion ist auch heute noch ein Besuch in den Silberminen, wo Silber wie vor 300 Jahren abgebaut wird. Fuer Katja stand dieser Besuch sowieso ausser Frage und als wir einige Tourbueros abgeklappert hatten, und sogar diese uns bestaetigten, dass ein solcher Besuch gefaehrlich ist, als wir sie direkt darauf ansprachen, entschieden wir uns, darauf zu verzichten und lieber mehr Zeit in die Erkundung der vielen imposanten Gebaeude zu stecken. Was sich ebenfalls sehr gelohnt hat.


Der „Silberberg“ von Potosi

Die Gebaeude sind recht imposant, man merkt einen extremen Einfluss von den Spaniern hier. Zudem hat Potosi mehr als 300 Kirchen, aber wir waren zu faul um alle unter die Lupe zu nehmen, wir machten nur ca. die Haelfte 😉
Dafuer genossen wir die Annehmlichkeiten einer „Grosstadt“ im kulinarischen Bereich. Wir haben zweimal ein Luxusrestaurant besucht und je 2 Gaenge geschlemmert und am Schluss nicht mal 15 Franken bezahlt, das macht Spass :-).

Nach einigen Tagen in Potosi, ging es weiter nach Sucre. Auch diese Busfahrt sollte uns in Erinnerung bleiben. Diesmal hatten wir zwar keine Panne, aber der blutjunge, verantwortungslose Chauffeur sah die 3,5 stuendige Fahrt als Autorennen mit einem anderen Bus. Leider war dieser aufwaerts immer schneller als unserer, sodass der Unsrige abwaerts immer versuchte wieder aufzuholen. Wir haben uns einige Male im Strassengraben (oder besser gesagt im Abhang) gesehen. Ca. Mitte der Fahrt wurden wir dann aber abgelenkt von der Arrogantheit der reicheren Bolivianer gegenueber den Aermeren, was uns sehr zu denken gab.
Vor uns sass eine Familie mit einem Baby, welche auch fuer ihr Baby einen Sitz gekauft hatten. Als dann eine schwangere Tochter mit ihrer gebrechlichen Mutter (die sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte) einstieg, erlaubt ihr der „Reiche“ nicht mal, die andere Haelfte des Sitzes seines Babies zu benutzen, das sei fuer sein Baby. Die alte Frau setzte sich somit ruecklings im Gang auf ihr Buendeli und musste sich an Stephans und Pascales Beinen festhalten, da der Chauffeur ja wie ein verrueckter fuhr. Wir trauten unseren Augen kaum. Und nachdem wir eine viertel Stunde gelaestert hatten und unsere Blicke immer wieder auf den halbleeren Sitz warfen, gab der Reiche nach, und offerierte seinen Sitz der alten Dame und setzte sich neben seine Frau und nahm das Baby auf den Arm. Mit Hilfe von Stephan, Pascale und ihrer eigenen Tochter konnte die alte Frau (waehrend der Fahrt) wacklig aufstehen und sich in den Sitz hieven.


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