Blick in die Sterne

Valparaiso, dieser Name verspricht doch Einiges. Wirklich das Paradies ist es nicht, aber doch sehr Sehenswert. Mit dem Bus sind wir in knapp 2 Stunden von Santiago nach Valparaiso gefahren.

Schon kurz nach dem Hostelbezug bei einer netten Familie zog es uns auf die Strasse, um die vielen Gaesschen und vorallem Funiculairs anzuschauen. Valparaiso erstreckt sich ueber einen Huegelzug und schlaengelt sich diesen Huegeln empor.

Vor 100 Jahren erlebte diese Stadt einen richtigen Funiculaire-Boom. Diese billigen Aufzuege werden auch im Zeitalter der Autos noch ganz rege benutzt und sie machen das Stadtbild ganz interessant.

Das daneben gelegene Viña del Mar ist die erste Strandferien Adresse fuer die Staedter aus Santiago. Dort hat es einen Strand mit Hotelbauten wie in Mallorca und das Wasser ist nichts fuer Warmduscher, zu welchen wir inzwischen nicht mehr gehoeren:-) . Dieses Staedchen ist etwas neuer und hat deshalb auch keinen richtigen Charme. Bekannt ist es auch fuer die vielen Gruenflaechen mitten in der Stadt, deshalb auch der Name „Ciudad de Jardin“, und tatsaechlich kann man dort etwas von den Abgasen Abschied nehmen.


Vina del Mar, la ciudad de jardin

Im groessten Park der Stadt liegt ein riesiges, neu angelegtes Amphitheater, waehrend einer Woche pro Jahr zieht hier dieses die ganze Aufmerksamkeit von Chile auf sich.

Hier findet jeweils im Februar ein Musikwettbewerb wie bei uns der Concours Eurovision statt und die ganze „Cervelatprominenz“, oder hier wohl eher „Empanadaprominenz“, tummelt sich herum.

Aber auch neben den Funiculaire hat es sehr schoene alte Gebaeude in Valparaiso, welche etwas an Zuerich oder auch Wien erinnern.


Denkmalschutz auf chilenisch 😉

Und meistens beim einfach so durch die Strassen schlendern erlebt man die verruecktesten Dinge. Hier wieder mal eine Anekdote: Wir geniessen gerade die Architekur der Gebaeude und Katja laeuft wiedermal ohne Blick nach rechts oder links ueber die Strasse. Stephan ruft Ihr nach, „Achtung da kommt ein Auto von rechts!“ Katja denkt sich, der wird mich schon sehen… schaut aber trotzdem nach rechts. Und da sehen wir es Beide zur gleichen Zeit, da kommt zwar ein Auto, aber ohne Fahrer! Beim zweiten Blick schauen wir uns Beide an lassen den Blick dorthin schweifen, wo es den Huegel herunterollen wuerde. Direkt auf eine Kreuzung zu. Koennen wir zu zweit ein solches rollendes Auto bremsen ohne uns zu verletzen? Wie lange koennen wir es halten, denn der Besitzer scheint nicht in der Naehe? Was passiert wenn wir es einfach rollen lassen, ist da jemand im Weg? Doch dann sehen wir beide, dass auf dem Hintersitz im Auto ein Baby im Kindersitz sitzt und alle Fragen sind verflogen. Wir versuchen die beiden Tueren links und rechts zu oeffnen, alles abgeschlossen! Stephan packt zuerst an und stemmt sich gegen das Auto, und kann es schon beachtlich stoppen, Katja packt auf der anderen Seite an und zusammen bringen wir das Auto in der Schraege zum Stillstand. Zuerst schreit Katja, in gebrochenem Spanisch (sie hat ebenfalls die Sprache vergessen mit diesem Adrenalinkick) nach dem Besitzer, niemand regt sich. Danach schreit sie: “ Esta una guagua (das chilenische Wort fuer Baby) en el coche!“ Und sofort sprintet ein alter Mann um die Besitzerin des Autos zu suchen. Mittlerweile haben sich noch 3 junge Maenner zu uns gesellt, um uns beim Auto halten zu helfen. Die Besitzerin kommt gemuetlich aus dem Laden, schliesst die Tuere des Autos auf, sagt kurz „gracias“, schlaegt die Tuere zu und startet den Motor. Da bleiben uns die Maeuler offen… Der alte Mann versucht ihr zwar noch, den ernst der Lage zu erklaeren, sie scheint aber kein grosses Musikgehoer zu haben. Wir wenden uns ab und unterhalten uns in der Folge noch lange ueber das Erlebte. Ist Wahnsinn, was einem in Sekundenschnelle so alles durch den Kopf schiesst und wir hatten beide etwa die gleichen Gedanken. Nach einer guten halben Stunde hatten wir uns vom Schrecken erholt, waren aber ganz zufrieden mit unserer Reaktion.


ein richtiger Trolleybus


Valparaiso by night


und auch hier wieder eine farbenfrohe suedamerikanische Strasse 🙂

Nach ein paar angenehmen Tagen in Valparaiso fahren wir weiter nordwaerts nach La Serena. Dieses Staedchen hat viele ein- bis zweigeschossige Gebaeude und ist wie jede Stadt auch von den Spaniern mit einem schachbrettartigen Strassennetz aufgebaut worden. Zudem hat jede Stadt einen Plaza des Armas fuer das gesellige Zusammensein. Die Ausfuehrung in La Serena ist unserer Meinung nach ganz gut gelungen. Und diese Plazas werden auch immer ganz rege benuetzt.

Von La Serena wollten wir einen Abstecher ins Valle del Elqui machen. Ein Tal das beruehmt ist fuer seine Pisco Herstellung (Pisco Sour ist ein Nationalgetraenk) und die Observatorien von Chile. Vor unserer Abfahrt wollten wir zuerst noch eine etwas guenstigere Unterkunft fuer die Rueckkehr nach La Serena suchen, und da wurden wir wieder mal Augenzeugen von etwas Unglaublichem. Eine alte Dame, warscheinlich eine Obdachlose, hat sich gerade neben dem Trottoir direkt vor unserer Augen den Rock gehoben, streckte uns den Hintern entgegen und entledigte sich ihrem Verdauten. Manchmal kann es einem auch ganz unerwartet erwischen und umso geschockter ist man danach…
Obwohl der Himmel ganz bedeckt war und wir uns nicht vorstellen konnten, dass dies in Vicuña, nur eine Busstunde entfernt besser sein sollte, liefen wir mit unserem Kram zum Busbahnhof und liessen uns nach Vicuna fahren. Bereits nach 10 Minten Fahrt klarte der Himmel auf und wir hatten wieder Hoffnung fuer unseren Observatoriumsbesuch. Die Busfahrt ins Tal war sehr schoen. Die Rebfelder heben sich in sattem gruen von der kargen Landschaft ab und mit den dazwischen spiressenden grossen Kakteen (wie in Mexico) gibt es ein sehr schoenes Bild.


Vicuña, Torre de reloj

Nachdem wir eine Bleibe gefunden hatten kraxelten wir auch schon wieder zum ersten Aussichtspunkt hoch, von wo wir den Blick ueber das Tal und auf den Huegeln zu den Observatorien schweifen lassen konnten.

Ein „Aufstieg“ der sich gelohnt hat. Wir erwarteten eine laengere Wanderung, da in unserem Fuehrer stand, man soll genuegend Snacks und Wasser mitnehmen, doch in 30 Minuten waren wir schon oben und der Satz von wegen Verpflegung stand wohl nur da, weil es auf dem Huegel keinen Kiosk gab 😉 Vor dem Tourstart ins Observatorium staerkten wir uns in dem angegliederten Restaurant des Unterkunft mit einer Casuela (Suppe mit Kartoffelstuecken, Stueck Fleisch und Gemuese) und einem Teller Poulet mir Reis. Das hat vielleicht gut geschmeckt und dann fuer sagenhafte 2.50CHF pro Person und das in Chile!
Als wir nach dem Essen noch kurz auf unser Zimmer wollten, stellte sich heraus, dass Katjas Uebersetzungsarbeit heute versagt hatte. Sie wurde von der Gastgeberin eingefuehrt, dass wir fuers Zimmer nur einen Schluessel fuers Vorhaengeschloss haben, nicht aber fuer das richtige Tuerschloss. Der zweite Schluessel sei nur fuer den Haupteingang. Infolge eines Missverstaendnisses schloss Stephan auch die Zimmertuere. So hatten wir uns ausgeschlossen! Katja erklaerte dies unserer Gastgeberin, sie meinte, das haette sie mir doch erklaert… Dann rief sie ihren Mann und beide kamen zu unserem Zimmer um sich dem Problem anzunehmen. Katja witzelte noch auf der Treppe, das sie nun vielleicht einfach mit einem Taschenmesser das Schloss aufwuergen wuerden. Als sich der Gastgeber mit ruetteln am Fenster versichert hatte, dass wir auch wirklich Schweizer Perfektionsarbeit geleistet hatten (natuerlich haben wir das Fenster fein saeuberlich von innen verschlossen) zueckte die Dame ein 30cm langes Kuechenmesser und ihr Mann machte sich daran die Fensterverriegelung zu knacken. Das ging keine 10 Sekunden! Mit der Bemerkung „Somos bien ladrones“ (Wir sind gute Diebe/Einbrecher) oeffneten sie durch das offene Fenster von innen die Tuere zum Zimmer und zogen von dannen. Soviel zu Sicherheit mit geschlossenen Raeumen…
Danach versammelten wir uns mit anderen Touristen fuer die Tour zum Observatorium Mamalluca. Das ist eines der einzigen, welches nicht fuer Forschungszwecke benoetigt wird und somit in der Nacht besucht werden kann. Bei allen Anderen kann man nur tagsueber hinein und dann die Bilder auf Computer anschauen, was natuerlich lange nicht so eindruecklich ist. Voller Spannung erwarteten wir die Tour und wir wurden nicht enttaeuscht. Ganze drei Stunden ging die Fuehrung. 1 Stunde Theorie und Bilder zu den verschiedenen Formationen am Himmel und die weiteren 2 Stunden verbrachten wir mit Beobachtungen durch verschiedene Teleskope am Nachthimmel.


das computergesteuerte Teleskop

Die Hoehepunkte aus unserer Sicht waren die Beobachtungen der Planeten Mars (der etwas roetliche) Saturn mit seinem Schweif und Jupiter mit seinen Monden. Einfach sensationell! ! !
In der Umgebung von Vicuna befinden sich soviele Observatorien, da sie dort gut 300 Tage Sonnenschein im Jahresdurchschnitt haben.
Am naechsten Tag kaempften wir uns relativ frueh aus den Federn, da es hiess, bei der Piscofabrik seien die Touren morgends weniger stark besucht wie nachmittags. So waren wir die Ersten und erhielten eine Privatfuehrung.

Wir hatten schon viel von dem Piscokult gehoert, und dachten uns, das uns das warscheinlich nicht so schmecken wuerde. Jedenfalls hatten wir Glueck und die Ernte hat vor wenigen Tagen begonnen, sodass wir den ganzen Prozess beobachten konnten. Eigentlich laeuft es nicht viel anders ab als bei der Weinherstellung und wir waren vorallem auf das Ergebnis im Deugustierraum gespannt. Und zu unserer Verblueffung, fanden wir alle 4 Arten von Pisco sehr gut. Pisco sour war etwas ganz Spezielles und mit nichts zu vergleichen, davon kauften wir uns gleich eine kleine Flasche. Die anderen Braende schmeckten entweder wie Portwein oder Baileys.

Nach dem prozentigen Einstieg in den Tag wollten wir noch etwas weiter ins Tal hinein fahren. So liefen wir abermals zum Busbahnhof und jeder wollte uns in seinen Bus lotsen, doch wir wussten immer genau wo wir hinwollten und liefen zielstrebig zum Ziel. Wieder genossen wir die schoene Aussicht des Tales bis wir im verschlafenen Bergdorf von Pisco del Elqui ankamen.

Dort genossen wir ein Mittagessen an einem lauschigen Plaetzchen und besuchten das „Museum“ der Piscoherstellung, eine Freilichtausstellung einiger alter Maschinen, die wir jedoch sehr schnell gesehen hatten.

so stiegen wir wieder in den Bus und verliessen das Dorf talabwaerts.

In Vicuna holten wir unser Reisegepaeck in der Unterkunft und wurden dann am Busbahnhof gleich wieder erkannt. Der eine Agent ,welcher uns heute schon dreimal ein Ticket nach La Serena verkaufen wollte, kam nun endlich zum Zug und strahlte danach ueber beide Backen 🙂
Zurueck in La Serena war dann auch hier das Wetter besser und wir genossen es wieder, etwas durch die Strassen zu schlendern.
Zusaetlich war auch hier wieder ein administratives Zentrum um vor unserer laengeren Tour in den Norden die Waesche wieder mal zu waschen und das Internet auf Vordermann zu bringen. Natuerlich kann es nicht anders sein, wenn man endlich wieder mal eine Waschmaschine findet, dass sie dann mitten im Waschen kaputt geht. Nachdem unsere Waesche mehr als eine Stunde im Wasser lag und nichts mehr geschah, entschloss sich Katja fuer die harte Methode, zog den Stecker aus und beendete den Waschvorgang. So werden wir in den naechsten Tagen wohl etwas mehr stinken, doch das verschafft uns vielleicht im Bus etwas mehr Platz ;-).

Nach zwei mehr oder weniger administrativen Tagen goennten wir uns einen Luxus fuer die fas 18 stuendige Fahrt von La Serena nach Iquique. Wir buchten die hoehere Klasse im Bus, genannt Salon Cama. Der Sitz ist bis 65 Grad in die horizontale zu verstellen und es gibt pro Reihe nur 3 Sitze, somit sind die Sitze viel breiter als normal.


unsere Luxuskarosse

So konnten wir die Marathonfahrt (mittlerweile nennen wir solche laengeren Busfahrten „Fuedliwehtage“) gelassen angehen und die Landschaft nochmals so richtig geniessen.

Sorry, dass schon wieder ein Bericht folgt, aber ihr habt ja eh nichts zu tun beim „schaffen“… 😉 und so sind wir nun wieder voll aktuell vor unserer speziellen Tour von Iquique nach Arica (ganz im Norden von Chile).
und was wir so alles auf uns nehmen, um Euch auf unserer Homepage auf dem aktuellen Stand zu halten! 😉

Und hier noch etwas Spezielles zum Schmunzeln. In Chile wird bei jeder Aufforderung immer gleich der Artikel des Gesetzes oder der Verordnung mit angegeben. Unglaublich, was hier alles in Verordnungen und Gesetzen Platz findet. Diese Buecher muessen Tonnen wiegen…


Das Radio darf in moderater Lautstaerke eingestellt sein, solange sich kein Passagier beklagt (Bild aus einem Lokalbus) 🙂

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