Rapa Nui- So wuerden wir unser Schiff taufen, wenn wir eins haetten ;-)

Nach dem Abenteuer Franzoesisch Polynesien, welches fuer das Backpackerleben nicht ganz einfach war, waren wir gespannt auf die naechste Insel, die Osterinsel. Wie Nepal war das eine Destination, die wir unbedingt auf unserer Reise besuchen wollten. Von der Ernaehrung her stellte dieser Stopp zwar keine wesentliche Aenderung zu Neuseeland und Tahiti dar, doch ansonsten war es vollstaendig verschieden von den letzten zwei Vulkaninseln. Alle haben vulkanischen Ursprung, ansonsten sind sie sehr verschieden voneinander. Ausser vielleicht, dass die ersten Entdecker der Osterinseln von Polynesien kamen und somit einige „Staemme“ der Rapa Nuis den Polynesiern sehr aehnlich sehen.
Die Ankunftstage auf der Insel war sehr streng, in den ersten 3 Tagen zogen wir 2 mal um, bis wir unsere perfekte Bleibe gefunden hatten.

Auf diesem Zeltplatz wurde uns wieder mal bewusst, wie schoen wir es zu Hause haben, wenn wir uns in unserer eigenen Wohnung befinden. Denn unsere Gastfamilie auf dem Zeltplat teilte sogar ihr Wohnzimmer, Kueche und Dusche mit allen Zeltplatzbewohnern und schliefen im heissesten und schlechtesten Raum aller!
Aber wir haben diese Familie richtig ins Herz geschlossen, wir hatten schon lange nicht mehr so herzliche Gastgeber.


Marta, Roger und Mihinoa

Wir hatten uns ja gewuenscht, dass wir Glueck haben und einen Teil des Festivals miterleben duerfen. Und gleich am Ankunftstag waren bereits Kanurennen angesagt.

Obwohl auch dies interessant war, war es das Einzige, welches am wenigsten traditionellen Charakter hatte und so verliessen wir den Schauplatz bald, um uns noch einen allgemeinen Ueberblich ueber Hanga Roa (das einzige richtige Dorf auf der Insel) zu verschaffen. Natuerlich durften die ersten Fotos von Moais nicht fehlen.


Moai im Sonnenuntergang.

Leider ist es auch auf den Osterinseln so, dass die urspruengliche Sprache, das Rapa Nui vergessen geht. Nur noch die aelteren koennen fliessend und perfekt Rapa Nui untereinander sprechen. Umso schoener finden wir es, dass waehrend des ganzen Festivals die offizielle Sprache Rapa Nui ist. So kann sie trotztdem noch weitergegeben werden.
Waehrend unseres ganzen Aufenthalts wurden unsere Tage durch das Festival gepraegt. Wir legten die Inselbesichtigungen udn Wanderungen so aus, dass wir alle Aktivitaeten des Festivals miterleben konnten.
Das gab dann eine recht strenge Zeit, denn fast jeden Tag war was los, aber es hat sich 100% gelohnt.
Waehrend des Tanzfestivals wurde unser Sitzleder aber arg getestet. Von viertel nach neun an sassen wir auf einem runden Baumstamm. Um zehn Uhr ging der Wettbewerb los, doch zuerst gab es fast 3 Stunden spezielle Tanzwettkaempfe, die fuer uns nicht allzusehr an Tanzen erinnerten sondern mehr an Vortraege, udn da alles in Rapa Nui war, verstanden wir kein Wort. Und auch der Tattoowettbewerb haette interessant sein koennen, wenn man was verstanden haette. Um halb zwei (!!) kamen wir dann aber auf unsere Kosten und die grossen, farbenfrohen Tanzgruppen zeigten ihr koennen. Wunderschoen.


Tattoo

Das ganze Festival dreht sich darum, dass zwei Kanditatinnen mit Ihren Mitstreitern um die Gunst der Jury kaempfen und am Schluss des Festivals wir eine der Beiden fuer ein Jahr zur Miss Tapati (Name des Festivals) gekroent. Jede der beiden Kanditatinnen stammt aus einem Teil von Hanga Roa. Eigentlich eine aus Hanga Roa und eine aus Moe’Roa. In Moe’Roa befinden sich mehr die eingewanderten Inselbewohner (suedamerikanischen Ursprungs) mit mehr Umschwung ums Haus und meist auch etwas reicher, in Hanga Roa eher die „Polynesier“. So besteht das Festival aus einem Dorfkampf, aber so friedlich, da koennte noch einige Gruempibesucher was lernen ;-).
Hier einige Bilder der verschiedenen Wettkaempfe, die wir beobachten konnten, und wir koennen Euch sagen, einige Disziplinen sind so hart, wir trauten unseren Augen kaum.


Schilfbootpaddeln


Bananenmarathon


diese Speere werden aus spitzigen Steinen selber gebastelt, wie frueher

An einem Tag des Festivals, gibt es einen Umzug durch die Strassen, bei dem auch die Touristen teilnehmen koennen. Wir haben uns an diesem Tag aufgeteilt, Katja uebernahm die „Wertschriftenbewachung“ und Photoarbeit, Stephan stuerzte sich ins „Kostuem“ des Umzugs, um moeglichst viele Punkte fuer die Kanditatin zu ergattern (d.h. je weniger man anhat, desto mehr Punkte gibt es;-) ).

Waehrend dieses Tages hatten wir somit ein weiteres Mal die Moeglichkeit, beim Drumherum tiefer die Gepflogenheiten der Inselbewohner kennen zu lernen. Und vorallem ihre ungewohnten Kochkuenste zu bestaunen und vorallem zu geniessen 🙂 (aendlich wieder mol oeppis raechts und warms!)

Katja aergerte sich zuerst darueber, warum die nun mitten in den Festvorbereitungen einen Dreckhaufen wegschaufeln muessen, dass koennte doch auch bis morgen warten…

Ach so, da ist ja Essen darunter versteckt, das seit Stunden gegart hat…


unsere „Teller“, mmmhhhhhh, das war ein Leckerbissen

Natuerlich wird es dann auch hier mit den Zeitangaben nicht so genau genommen. Nach mehr als 3 stuendiger Wartezeit (um 17 Uhr sollten der Umzug kommen, um 20.15 Uhr war es dann so weit) wurden dann die beiden Kandidatinnen auf ihren Wagen und allen Begleitern mit Musik und Tanz durch die Strassen gefahren. Ein riesiges Fest, dass auf dem Fussballplatz mit weiteren Taenzen und Darbietungen den Ausklang erst spaet in der Nacht fand.

Irgendwann fanden Stephan und ich uns im Getuemmel dann wieder und er nahm zuerst mal ein Bad im Meer, um wenigstens das Groebste seiner Bemalung loszuwerden. Sehr erfolgreich war er damit nicht, auch nach dreimaligem Einseifen unter der Dusche nicht. Und noch Tage danach fand ich immer wieder Stellen, an denen noch Spuren seines Kostuems zu finden waren :-). Doch der Tag war ein voller Erfolg.
Nach einem Freitag, an dem alle Punkte gezaehlt werden, wird am Samstag, am Abschlusstag des Festivals dann im Finale die neue Koenigin gekroent. Natuerlich ist auch an diesem Abend nochmals Gesang, Tanz und Feststimmung angesagt. Dass wir sowas miterleben durften, ist einfach der Hammer.


Die Kroenung der neuen Koenigin

Natuerlich, wie bereits oben erwaehnt, erkundeten wir die Insel auch sonst noch. Zu Fuss, per Jeep und per Taxi.

Auf unserer Wanderung hatten wir natuerlich wieder mal Wetterpech. Schon kurz nach dem Start wurden wir das erste Mal nass, und da das Impragiermittel von Australien seinen Zweck nicht zum Geringsten erfuellte und unsere Regenjacken nun in Kuerze durchnaesst werden, liefen wir zu einem Baum zurueck, den wir auf dem Weg gesehen hatten, um nicht schon nach einer halben Stunde voellig durchnaesst zu sein.
Auch waehrend den restlichen 6-7 Stunden schluepften wir unzaehlige Male in und wieder aus den Regenjacken. Trotzdem konnten wir einige schoene Photos schiessen.

An einem Tag liessen wir uns mit dem Taxi zum kulturellen Mittelpunkt des frueheren Lebens auf Rapa Nui, zum Dorf Orongo fahren.
Dort fanden alle Zeremonien und Wettkaempfe statt, um die Vorherrschaft fuer das naechste Regierungsjahr unter den verschiedenen Sippen zu bestimmen.
Von dem 410m hohe gelegenen Dorf mussten die jungen tapferen Maenner eine steile Klippe hinunter spurten, mit einem Schilfboot zu der entfernten Vogelinsel rauspaddeln (das war sehr gefaehrlich, wegen Haien, der Brandung und der Stroemung) und wer das erste Vogelei unversehrt dem versammelten Volk auf dem Huegel praesentierte, sicherte sich und seiner Sippe die Vorherrschaft auf der Insel fuer das naechste Jahr.


Zu dieser Insel mussten sie paddeln und alles wieder zurueck und die Klippe wieder hoch nach Orongo


Das Dorf Orongo


Das Dorf Orongo liegt auf dem Kraterrand des Vulkans Rano Kau, ganz im Westen der Insel

Und hier noch eine Sammlung von verschiedenen Staetten von Moaisammlungen

Rano Raraku

In Rano Raraku war der Herstellungsort aller Moais. Dort wurden sie zuerst auf den Felsen gezeichnet, dann herausgemeisselt. Wie sie dann schlussendlich zu den vielen Standorten auf der Insel kamen, welche viele Kilometer von diesem Vulkanberg entfernt sind, sind sich die Wissenschafter immer noch nicht einig, deshalb lassen wir dieses Thema. Klar ist nur, dass fuer den Transport fast die ganze Insel abgeholzt wurde (Palmen). Viele der Moais fanden jedoch ihren Weg nie zum Endziel. Entweder sie liegen irgendo auf dem Weg zum Ziel am „Strassenrand“ oder blieben ganz einfach an ihrem Herstellungsort, am Fusse des Rano Raraku und wurden dort Opfer der Erosion. Doch das gibt dem Ort einen sehr mystischen Charakter.

Insgesamt gibt es auf der Insel 887 Moais, die durchschnittlich 4,05m hoch und 12,5t schwer sind. Der groesste von Ihnen war 21,6m hoch und 160-180t schwer. In spaeteren Jahren wurden diese Moais auch noch mit Hueten oder mit der dazumal ueblichen Haarpracht versehen. Diese haben eine andere Farbe (roetlich) und kommen von einem anderen Vulkankrater und wurden direkt an den Bestimmungsort des Moais transportiert und dort auf den bereits stehenden Moai gehievt. Auch ueber diese Technik ist man sich jedoch nicht einig, denn auch die Huete haben je nach Groesse mehrere Tonnen gewogen!


Ahus Tongariki


Ahu Akivi (die einzigen die aufs Meer raus schauen)

Abschliessen bleibt noch zu sagen, dass als die Insel entdeckt wurde, alle Moais umgestuerzt waren. Denn diese Moais waren die Schutzgoetter der verschiedenen Sippen. Die Sippen bekaempften sich immer heftig und um die Moral des Gegners schon vor dem Kampf zu brechen, wurden in einem ersten Akt immer die Moais umgestuerzt.
Diejenigen, welche heute wieder stehen, wurden von vielen verschiedenen Wissenschaftlern und teilweise von der Regierung wieder „geflickt“ und aufgerichtet.
Viele dieser interessanten Informationen haben wir im kleinsten uns bekannten Museum „Museo Antropologico Sebastian Englert“ in Hanga Roa erhalten. Dieser Besuch und der Film „Rapa Nui“ geben einen sehr guten Einblick in das Leben und die Geschichte der Osterinsel und wir koennen sie jedem Besucher von Rapa Nui waermstens empfehlen.
Diese 9 Tage waren sensationell. Jeder der von Suedamerika nach Neuseeland oder Australien uebersetzt und die Osterinsel nicht besucht, begeht in unseren Augen eine Suende ;-).

2 Antworten auf „Rapa Nui- So wuerden wir unser Schiff taufen, wenn wir eins haetten ;-)“

  1. Wow, ihr gebt da Vollgaswerbung für die Osterinseln!!! Da muss ich auch mal hin.
    Also Stefs „Knackhösi“ könnte der Renner (oder Heuler) fürs Tenue des H1 werden!!!

    Gruess, Iwan

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