„Trekking…“

Nach dem Elefantentag machten wir uns auf nach Pokhara. Dies ist die 2. groesste Stadt des Landes und liegt ca. 200 km westlich von Kathmandu. Das Land bevoelkern 26 Mio. Einwohner, doch nur gut 0.5 Mio. leben in der Hauptstadt. (Ist vielleicht auch gut so, denn sonst waere das Verkehrschaos noch schlimmer!). Pokhara liegt am Phewa Tal (See) und ist der ideale Ausgangspunkt fuer Treks.

Wir haben leider nicht so Wetterglueck und die Berge sind von Wolken verschleiert. Es regnet beinahe jeden Tag 1 Mal. Doch wir lassen uns die Laune nicht verderben und geniessen das Leben im Backpacker Paradies Pokhara.

Nach ein paar wunderschoenen gemeinsamen Tagen mit Geoff und Lonna trennten wir uns, da sie nach Thailand weiterreisen und wir uns fuer den Trek rund um den Annapurna bereit gemacht hatten. Fuer diesen Trek wird mit 16-21 Tagen gerechnet. Wir starteten frueh am Morgen und fuhren mit dem Bus 4 Stunden zum Startpunkt Besishar.Nach dieser Busfahrt war Katja auf der ganzen rechten Seite nass, da es waehrend der Fahrt regnete und die Busse nicht die neusten Modelle sind ;-), dass sollte jedoch nicht das letzte mal fuer heute sein…
In Besisahar wechselten wir den Bus um weitere 60 Minuten ins Tal hinauf fahren zu koennen. Es gab eine laengere Diskussion mit dem Kondukteur. Er wollte ploetzlich den doppelten Fahrpreis nach der Fahrt, obwohl wir vor der Abfahrt 3 Leute inkl. des Fahrers nach dem Preis gefragt hatten. Nach endlosen Diskussionen steckte ihm Stephan den offiziellen Fahrpreis einfach ins T-Shirt, wir drehten uns ab und machten uns zu Fuss auf den Weg. Viele Flussueberquerungen auf wackligen, halb vermoderten Haengebruecken erwarteten uns.

Die Landschaft ist wunderschoen, was wir sehen konnten, denn die Wolken wurden immer dunkler und gaben keine Bergspitze preis.

Da wir uns ein Tagesziel gesetzt hatten, wanderten wir in einem rasanten Tempo den Trail entlang. Uns kamen viele Sherpas (Traeger) und Maultiere entgegen.

An einer schmalen Passage kickte ein beladenes Maultier Katja einfach in das ca. 1 Meter darunterliegende Reisfeld! Ohne sich umzusehen und sich zu entschuldigen lief es weiter ;-). Da das Reisfeld natuerlich noch unter Wasser stand war sie nach dieser Bruchlandung heute zum zweiten Mal nass, diesmal aber klitschnass inklusive Rucksack! Im Nachhinein koennen wir darueber lachen, aber ihr haettet ihr Donnerwetter gegen den „dummen Esel“ hoeren sollen nachdem sie sich vom ersten Schock erholt hatte… Eigentlich hatte sie noch Glueck im Unglueck, denn da sie nur mit einem Bein einen Meter runterfiel haette sie sich locker einen Baenderriss auf den grossen glitschigen Steinen zuziehen koennen. Doch gluecklicherweise verletzte sie sich nicht und wir konnten nach Katjas Wutausbruch weiterlaufen. Sie hatte nun das Kriegsbeil (oder den Klappstuhl (fuer „Der Schuh des Manitu“-Kenner) gegenueber den Maultieren ausgegraben ;-).

Katja wollte nur noch weg von diesem Ungluecksfleck und so verschaerften wir das Tempo nochmals. Das war auch gut so, denn die Wolken zogen sich mittlerweile bedrohlich ueber uns zusammen und kurz nachdem wir unser erstes Nachtlager bezogen hatten, begann es wiedermal zu giessen. Nach einer kalten Dusche und einem Candlelight-Dinner (der Strom ging im ganzen Tal aus) legten wir uns muede schlafen. Leider konnte Katja nicht recht schlafen, die Warnung wegen Dieben und Ueberfaellen liessen ihr keine Ruhe und sie hoerte jedes Knacken und Geraeusch. Und wenn man so wach liegt hat man viel Zeit nachzudenken. Unsere ersten Hosen und T-Shirts waren bereits nass, bei Stephan einfach aus einem anderen Grund… (natuerlich schwitzen, die Volleybaelleler kennen das ja 😉 ) . Und in diesem feuchten Wetter hatten wir keine Chance die Sachen wieder trocken zu kriegen und da wir noch mind. 17 Tage vor uns hatten, aber nur das absolute Minimum an Kleidern dabei hatten, waeren uns diese bereits sehr frueh ausgegangen und wir sollten noch ueber einen Pass von ueber 5’000m ! (ja, ja, ich denke diese Passage war nun fuer die Maenner langweilig und unverstaendlich, aber die Frauen werden diese Ueberlegungen verstehen…). Zudem hatte Katja seit drei Wochen Durchfall und war in Kathmandu mit Fieber im Bett und somit geschwaecht, da fragte sie sich ausserdem, ob sie diesen Trek ueberhaupt schaffen kann, vorallem ohne guten, erholsamen Schlaf . Und dann noch das Wetter welches einfach nicht mitspielen wollte und uns den traumhaften Blick verwehrte.
Um Mitternacht (nachdem Stephan bereits friedlich 3 Stunden gebacken hatte) war dann Lagebesprechung und wir entschlossen uns, am naechsten Tag umzudrehen. Doch diese Enscheidung dann am Morgen durchzuziehen fiel uns schwer, denn man konnte einige Bergspitzen und etwas baluen Himmel sehen, einfach fabelhaft!

Katja wollte es doch versuchen, doch wenn sie dann die naechste Nacht wieder nicht haette schlafen koennen, haetten wir 2 Tage denselben Weg zuruecklaufen muessen statt nur einen Tag. So gaben wir uns schweren Herzens der Vernunftsentscheidung hin und traten den Rueckweg an. Im Nachhinein muessen wir sagen, dass es die richtige Entscheidung war, die Kraft haette auch mit tieferem Tempo gefehlt, im Endeffekt brauchte Katja sogar eine Antibiotika-Kur um den Magen wieder auf Vordermann zu bringen.

Beim Zuruecklaufen waren wir erstaunt, wieviele Kilometer und Hoehenmeter wir am Vortag in aufsteigender Richtung gemeistert hatten, wir hatten fuer den Abstieg fast gleich“kurz“.

Auf dem Rueckweg kreuzten wir noch eine Gruppe Drahtesel, „im wahrsten Sinne des Wortes“ 🙂

Unten nahmen wir wieder den Lokalbus das Tal hinunter, doch diesmal war es ein ziemliches Erlebnis. Stephan zuhinterst im Bus war eingeklemmt zwischen 2 sabbernden Ziegen (lebendigen), den Sitzen und einem kleinen Jungen der immer auf seinen Schoss krabbeln wollte und ich sass zuvorderts ruecklings auf der Gangschaltungserhoehung beim Chauffeur und rundherum waren alle Sitze drei oder gar vierfach! belegt. Blickkontakt konnten wir zwei nicht herstellen, denn auch der Korridor war doppelt belegt, die Haelfte stand, die andere Haelfte sass auf dem Boden, ausserhalb der offenen Tuere hingen 5 Leute und das Dach war ebenfalls randvoll.


Sorry fuer das schlechte Bild, aber eben, der Bus war uebervoll! Mit dem beigen Hut ganz hinten ist Stephan zu erahnen und gerade davor die Ziegen…

So was hatten wir noch nie erlebt! So fuhren wir mit einem vollstaendig 3-fach ueberladenen Klapperbus in rasantem Tempo das Tal hinunter, durch Fluesse, ueber Gestein und andere Hindernisse und waren froh, als wir heil unten ankamen (…fuer unsere Eltern: wir versuchen solche gefaehrlichen Sachen wirklich zu vermeiden, aber manchmal gibt es nur die Eine Moeglichkeit…).
Leider hatten wir unten angekommen natuerlich gerade den letzten Bus zurueck nach Pokhara um 5 min. verpasst (der letzte fuhr um halb eins am Mittag, obwohl die Fahrt nur 2 Stunden dauert). Doch da wir uns in den Kopf gesetzt hatten Pokhara heute noch zu erreichen charterten wir kurzerhand einen klapprigen Jeep der uns nach Dumre fahren sollte, da dort noch spaeter Busse nach Pokhara abfuhren. Wie koennte es anders sein, der Jeep machte kurz ausserhalb des Dorfes bereits schlapp, nach ca. 4 von den 45km. Kein Wank mehr, auch der Reservekanister und anstossen half nichts. So stoppten wir einen anderen vorbeifahrenden Jeep und fragten, ob er uns nach Dumre faehrt. Dem anderen Fahrer gaben wir nur einen Bruchteil des abgemachten Preises und luden um. Dann gings rasant vorwaerts und wir erreichten Dumre gerade im Moment, als der Bus nach Pokhara startete.

In 10 Sekunden stiegen wir um und liessen uns erschoepft in die Sitze fallen. Die Sitze waren fuer unsere breiten Fuedlis natuerlich wieder zu schmal, und einer konnte nur halb auf dem Sitz Platz nehmen, doch diesmal war uns alles egal, hauptsache wir kamen an. Auf dem Weg vom Busbahnhof in unsere Lodge konnten wir in all diesen Tagen zum ersten Mal die Spitze des Annapurna sehen, auf dessen Umrundung wir nun eigentliche haetten sein muessen, einfach gigantisch diese Berge, aber auch dieser Anblick war nur von kurzer Dauer bevor die Wolken alles wieder in grau huellten.

Nach einem sehr langen und anstrengenden zweiten Tag waren wir enttaeuscht wieder zurueck in der Butterfly Lodge in Pokhara (welche wir uebrigens sehr empfehlen koennen). Wir genossen noch einen Tag das dolce far niente in Pokhara bevor wir frueher als geplant wieder zurueck nach Kathmandu fuhren.

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