In Emei erwarteten uns anstrengende Tage. Hatten wir doch vor in drei Tagen auf den 3077m hohen Berg Emei Shan zu klettern.
Nach der genialen Unterkunft bei Teddy Bear’s Guest House starteten wir Tags darauf mit David, dem Briten den wir im Mix Backpackers in Chengdu kennengelernt haben, unsere Wanderung. Am Anfang witzelten wir noch wo denn die Treppenstufen bleiben, doch bald fehlte uns der Atem um weiter zu bloedeln.
Dieser heilige Berg der Buddhisten zaehlt heute gerade noch 20 Kloester in welchen man essen, trinken und teilweise auch naechtigen kann. Unsere erste grosse Pause legten wir nach gut drei Stunden kurz vor der „Affen-Zone“ ein. Nach dieser Staerkung kaempften wir uns durch hunderte von chinesischen Touristen, welche alle ein Foto mit einem „wilden“ Affen zu schiessen versuchten.
Ein paar Treppen hoeher waren wir wieder alleine unterwegs ausser, dass ab und zu diese Affen auf dem Gelaender oder auf dem Weg sassen. Wir mussten alle unsere Sachen, welche wir ausserhalb an unsere Rucksaecke befestigt hatten verstauen, denn sonst waeren wir von Affen angefallen und beraubt worden. Auf Anraten haben wir Holzstoecke mitgenommen womit wir die „Viecher“ im Griff halten konnten. Da fauchten und fleschten sie nur noch die Zaehne, liessen uns aber in Ruhe.
Um 13 Uhr erreichten wir schon jenes Kloster in welchem wir zu uebernachten gedachten. Da wir uns jedoch noch ziemlich fit fuehlten und auch nicht so recht wussten was wir in diesem Kloster bis am naechsten Morgen machen sollten, stiegen wir weiter die Treppen zum nachsten Kloster hinauf. Auf der Karte waren das gerade mal 1.5 cm. Sind wir doch in den letzten 4 Stunden ueber 8 cm gewandert. Doch dieses Stueck entpuppte sich als 3 Stunden Zwischenstueck mit endlos langen und extrem steilen Natursteintreppen. Wir hatten 900 Hoehenmeter zu bewaeltigen, hatten aber schon einige 100 in den Beinen!
Der Berg huellte sich immer mehr in Wolken. Zum Dunst und Nebel kamen nun die Wolken, doch die Temperatur blieb ueber 30 C, sodass wir den ganzen Tag durch und durch nassgeschwitzt waren. Wir fuehlten uns wie in den Tropen. Ihr koennt das gerne bei Euch zu hause im Fitnesscenter nachmachen. Reserviert Euch einen Stepper, stellt die Anzahl Stufen auf 30’000 ein (!), stellt den Stepper in die Sauna oder besser noch ins Dampfbad, schraubt das Thermometer auf 33 C und die Luftfeuchtigkeit auf 98%. Dann viel Vergnuegen und nach 2 Tagen einfach nicht vergessen zu dehnen 😉
Erleichtert trafen wir dann kurz vor dem Eindunkeln beim Kloster ein. Kein Mensch war zu sehen, nur Nebel und der Geruch von Raeucherstaebchen lag in der Luft. Kaum hatten wir dann eine „Box“ gegen den Innehof gerichtet bezogen, begann es extrem zu regnen. Das war Glueck… Wir schauten uns etwas um, sahen ein paar Moenche und inspizierten das Wasch- und WC-Haus. Wir kamen uns vor wie im Mittlelalter oder im Film „Der Name der Rose“. Wir schauten dann noch den Moenchen beim Beten zu und konnten es kaum fassen wieviel Glueck wir hatten nicht in diesen Wolkenbruch gekommen zu sein.
Ziemlich hungrig nach so vielen Hoehenmetern assen wir gemeinsam mit den Moenchen und Bauarbeitern unser Nachtessen. Das Bestellen war dieses Mal recht einfach, da wir etwas zu spaet eintrafen und nun auf den Tischen der Moenche die Gerichte zeigen konnten welche wir wollten. Lusteigerweise halfen uns die Moenche gerade noch bei der Auswahl der Gerichte, indem sie auf die am Besten schmeckenden zeigten. 🙂
Richtig gestaerkt zogen wir uns in unser kaltes, feuchtes Zimmer zurueck um noch etwas Karten zu spielen. Es ist schon interessant wieviele verschiedene Spielregeln das gleiche Kartenspiel haben kann. Wir spielten das britische Asshole. Kurz darauf schliefen wir mit dem Geraeusch des prasselnden Regens auf das Blechdach ein.
Wir wollten am naechsten Morgen gar nicht erst aufstehen, denn es hat die ganze Nacht unvermindert geregnet. Aber nach gut 12 Stunden Schlaf konnten wir nicht mehr anders und wagten uns nach draussen um zu sehen ob es etwas zu fruehstuecken gibt. Leider aber verpassten wir dieses Essen, morgens um 5 Uhr hatten wir den Gong fuers Fruehstueck gehoert, waren dann aber nicht in der Stimmung um etwas zu essen. Wir assen noch unsere restlichen Krackers und packten dann unsere Sachen alle in Plastiksaecke, da es immer noch regnete, fuer den Weitermarsch. Doch waehrend dem Packen ueberraschte uns ein wilder, erwachsener Affe und kam in unser Schlafgemach. Stephan begann wie ein wilder (Affe) zu schreien, dass Katja zuerst vom Laerm des Geschreis und dann noch vom Anblick des Affen in ihrem Ruecken erschrak! Wohl selbst etwas verbluefft von dem Laerm in diesem Raum verliess das Affenmaennchen das Zimmer wieder fluchtartig. Uffhh…
Gluecklicherweise hellte sich der Himmel etwas auf und wir wurden kaum mehr nass. Zuerst gings wieder 150 m hinunter 🙁 und diese waren echt glitschig. Dann hiess es wiederum Treppensteigen. Wir waren froh hatten wir am Voraben unsere Beine noch etwas gestretcht.
An einer Weggabelung auf 1’900 m mussten wir uns entscheiden, ob wir bis auf den Gipfel steigen wollten. Uns war aber die Lust nach der Gipfelbesteigung erst einmal vergangen. Wir wuenschten uns nur noch eine warme Dusche und trockene Kleider und da das Wetter sowieso kein schoenes Panorama versprach entschieden wir uns fuer den Abstieg. Auf dem Dach der Verpflegungsstaette bei dieser Gabelung sass ein bissiger Affe und fletschte seine Zaehne. Wir kauften uns dort noch etwas Wasser, zeigten dem Affen unsere Wanderstoecke und machten uns an den Abstieg.
Das Wetter war zum Glueck viel besser als erwartet und so kamen wir ganz flott voran. Wir passierten verschiedene Tempel, einige werden zur Zeit renoviert. Einer davon wird mit neuen Natursteinplatten belegt, welche von Maultieren muehsam auf diese Hoehe die Treppen hinauf getragen werden muessen… unfair und fuer uns Tiermisshandlung wie die Maultiere diese steilen Treppen hinaufgetrieben werden!
Den allerletzten Abstieg machten wir dann mit der Gondelbahn (made by TWA), wir hatten nun genug Treppen gesehen… Erschoepft erreichten wir unsere Unterkunft, nahmen eine Dusche und vergassen unsere Beine etwas zu dehnen. Diese Tage blieben unseren Waden noch lange in Erinnerung.
waehrend ihr noch taufrisch die welt erkundet, befinde ich mich sozusagen auf der zielgeraden. in zehn tagen geht mein abenteuer lateinamerika zu ende 😥
geniesst eure auszeit in vollen zuegen! ich habs auch getan 😉
riche.li
Gibt es einen guten Reiseführer für diese GEgend?
Gruß und Dank Rita K.