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12. Mai 2006

Isla del sol, da muss ja die Sonne scheinen ;-)

Katja&Stephan, Position: º/º

Da wir einige kriminelle Geschichten aus der Umgebung von La Paz und vorallem der Copacabana gehoert hatten entschieden wir uns, diesen Ausflug mit einer organisierten Tour zu machen. Das Glueck wollte es dann, dass wir die einzigen Zwei waren, welche sich fuer die Dreitagestour entschieden hatten, und somit hatten wir einen privaten Reisefuehrer ganz fuer uns alleine. Die Fahrt Richtung Titicacasee war wunderschoen und als wir den See das erste Mal erblickten machte unser Herz Freudenspruenge. Der Titicacasee ist auf einer Hoehe von 3800m gelegen und somit der hoechste navigierbare See der Welt.

Und hier der Beweis, dass dieser See zu navigieren ist…

Mit einem besseren Floss hat dann auch unser Bus den See ueberquert. Copacabana liegt nicht auf einer Insel, der direkte Landweg wuerde aber ueber peruanisches Gebiet fuehren.

Nach gut 4 Stunden Fahrt erreichten wir das malerische Staedchen Copacabana.

Wir zogen in unsere Luxusresidenz ein und begannen unsere zwei Tage Ferien zu geniessen. 🙂

Copacabana ist ein sehr wichtige Pilgerstaette fuer die Bolivianer. Jeweils an Ostern pilgern unzaehlige Glaeubige von La Paz zu Fuss nach Copacabana! Aber auch sonst hat die Virgen de Candelaria eine sehr wichtige Bedeutung im Leben der Einheimischen. Fuer saemtliche Wuensche adressieren sie sich an die Virgen de Candelaria und das spielt sich folgendermassen ab. Zuerst wird vor der Kathedrale das entsprechende symbolische Geschenk gekauft (Z.B. Haus mit Garten, Auto (verschiedene Typen), Unizertifikat, Geld und vieles mehr) je nach Wunsch der in Erfuellung gehen soll. Damit begibt man sich in die Katherdrale zur Virgen de Candelaria und bittet sie um die Erfuellung des Wunsches. Sofern der Wunsch dann wirklich innerhalb von zwei Jahren eintritt wird dafuer meistens ein physisches Opfer in Form des Pilgermarsches erbracht. Falls der Wunsch ein Auto war, wird dieses vor die Kathedrale gefahren um es vom katholischen Priester (unentgeltlich) sowie dem Aymarapriester (diese sind selbsternannt und verlangen deshalb auch ein Entgeld fuer ihre Dienste) gesegnet. Dafuer werden die Autos wunderschoen mit Blumen geschmueckt und es entsteht eine lange Warteschlange (vorallem an Ostern).


Hier die Segnung des Buses und daneben die Einraeucheung des Autos durch den Aymarapriester


Kathedrale von Copacabana und…


… die Camarin de la Virgen de Candelaria, diese darf uebrigens nicht verschoben werden, denn sonst steigt der Pegel des Titicacasees an!

Wir schauten uns noch den Gemuese- und Fleischmarkt an und machten uns dann auf den Weg zum Mirador (Aussichtspunkt) von Copacabana. Wir quatschten viel mit unserem Fuehrer Ricky. Unter anderem erfuhren wir, dass die meisten in Bolivien den Fuehrerschein kaufen, da erstaunt uns nichts mehr. Doch ab und zu blieb uns beim Aufstieg fast der Atem weg, da Treppensteigen und reden auf dieser Hoehe wieder ganz viel Sauerstoff braucht 😉 Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, breitete sich doch der Titicacasee vor uns aus…

Katja hat sich einen Schluck Zaubertrank „Inca Kola“ verdient 🙂 (PS. schmeckt in etwa so wie es aussieht, hihi)

Am naechsten Morgen fuhren wir mit einem Boetli…

an der Isla de la Luna vorbei…

zur Isla del Sol. Dort besuchten wir ein kleines Museum mit Fundgegenstaenden aus der Pre- und Inkazeit. Zudem gibt es auch hier eine versunkene Stadt. Wenn jeweils der Wasserpegel tief ist, sieht man verschiedene Hausspitzen aus dem Wasser ragen. Auch sind Aussstellungsstuecke dieser Stadt zu betrachten.

Da wir zeitig unterwegs sind, koennen wir unsere heutige Wanderung richtig geniessen. Am noerdlichen Ende der Insel ist die Geburtstaette der Sonne und des Mondes. Unser Fuehrer Ricky demonstriert uns wie die Sonne hier im Felsen gelegen hat bevor sie sich entschloss in den Himmel hoch zu steigen.

Der untere kleinere Schlitz ist das Entstehungsbett des Mondes, ist ja auch viel kleiner. Sogar die letzten zwei Absprungspuren der Sonne sind hier ersichtlich bevor sie in den Himmel sprang…

Gleich daneben liegt eine Inkastaette. Heute wird es Inkalabyrinth genannt, da man locker in Sackgassen laufen kann. Frueher wurde dieser Ort nur fuer 1 Woche pro Jahr gebraucht, auch weil dies der einzige Ort war, wo die Herrscher zu Fuss gehen mussten, normalerweise wurden sie auf Sitzen getragen. Das heisst die Sklaven hatten waehrend dieser 1 Woche „Ferien“.

Das ist auch der einzige See der Welt bei dem die Wasseroberflaeche nicht horizontal ist und das Wasser trotzdem nicht auslaeuft! Hier der Beweis 😉

Danach liefen wir die ganze Insel auf der Krete ab und genossen die fantastische Aussicht.

Ein Knusperhaeusschen von unterwegs

Am suedlichen Ende gelangten wir dann nach Yumani, wo wir die Schoenheiten der Insel mit etlichen Ein- und Zweitagestouristen teilen muessen. Wir laufen zielstrebig weiter zur frueheren Inkaquelle. Dem Wasser dieser Quelle wird verjuengende Kraft zugesagt, da wir uns jedoch noch genug jung fuehlen, haben wir der Versuchung widerstanden, einen Schluck zu trinken;-). Das Wasser soll Bergwasser sein (nicht vom Titicacasee). Es wurde in drei Roehren gefasst, welche das Motto der Incas wiederspiegeln sollen. Die erste heisst „Ama sua“ (du sollst nicht stehlen), die zweite „Ama llulla“ (Du sollst nicht luegen) und die rechte Quelle ist „Ama khella (sei nicht faul).

Heute wird die Quelle von den Einheimischen jedoch als normaler Wasserspender verwendet. Die Abstieg von der Quelle fuehrt uns ueber eine alte Inkatreppe welche rechts und links von gruenen Terassen flankiert wird. Unten wartet bereits unser Boot, um uns zum Inkapalast zu fahren. Dieser war ebenfalls nur 1 Woche pro Jahr bewohnt und wie beim Labyrinth sind die Tueren extrem tief ausser beim Eingang der Koenigsgemaecher. Denn alle Helfer des Koenigs mussten immer in gebueckter Haltung gehen und durften nie aufschauen.

Danach tuckerten wir gemuetlich nach Copacabana zurueck und liessen den Tag gemuetlich ausklingen.
Am naechsten Tag hatten wir „frei“. Das hiess ausschlafen, das Fruehstuecksbuffet geniessen und dann noch etwas durch Copacabana schlendern.


Popcornverkaeuferin

Ein Tag nach unserer Rueckkehr nach La Paz hatten wir ein Ticket nach Chile, mit einer uns „altbekannten“ Busgesellschaft. Beim Ticketkauf liefen wir direkt an eine Parade der Unistudenten, welche den Einzug fuers neue Schuljahr mit einem Umzug feierten.

Der Bus war in gutem Zustand und der Chauffeur setzte sich auch sehr fuer unsere Sicherheit und gute Behandlung ein. Er war es dann auch , der eigenhaendig drei Bolivianer fast aus dem Bus geschmissen haette, da sie das Gefuehl hatten, sie koennten den Fahrpreis selber bestimmen…

Die Fahrt war sehr angenehm und nach der chilenischen Grenze kamen wir zum zweiten Mal auf unserer Reise in den Nationalpark von Lauca. Das erste Mal waren wir mit der Altiplanotour von Horiol hier. Doch diesmal zeigte sich der Park von seiner schoensten Seite bei strahlendem Sonnenschein. Einfach wunderbar diese Umgebung.

Da wir Euch bei unserem letzten Aufenthalt in Arica einiges der noerdlichsten Stadt Chiles vorenthalten haben werden wir dies nun beim zweiten Aufenthalt hier nachholen.

Zuerst gilt es man die Gedanken nach Paris schweiffen zu lassen und zwar zum beruehmten Eiffelturm. Nein, das ist keine Verarschung. Hier in Arica stehen naehmlich Gebaeude, genau gesagt eine Kirche und eine Treppe, welche von Gustav Eiffel eingehaendig geplant wurde und die Leute von Arica sind unglaublich stolz auf diese zwei Stuecke.
Jedenfalls artete unser Besuch des alten Zollhauses, in welchem die Eiffeltreppe steht zu einem sehr langen Besuch aus, indem wir die ganze Geschichte persoenlich erzaehlt bekamen. Da die Aufpasserin eine verkannte Geschichtslehrerin und Geschichtsinteressierte war wollte sie uns kaum mehr springen lassen :-).


die von Paris direkt importierte Metalltreppe


die Metallkirche nach G. Eiffels Plaenen

Zudem steht auch ein verlassener, alter Bahnhof der Strecke Arica – La Paz gerade in der Naehe, den hatten wir dann aber schnell gesehen, da wir uns an solche Relikien alter Zeiten eher gewoehnt sind in Europa.


Der Bahnhof…


…und eine alte Telefonzentrale

Arica ist vorallem auch fuer seine Straende und Strandferien bekannt, hier gibt es 365 Tage Sonnenschein. Das war auch einer der Gruende, weshalb wir auf dem Weg von Bolivien nach Peru nochmals einen Abstecher hier hin machten. Wir wollten nach den kalten Naechten in der Hoehe nochmals etwas Sonne tanken und einfach mal etwas ausruhen. Da wir hier ein sehr schoenes, angenehmes Hostal fanden bei unserem ersten Besuch fiel uns die Wahl nicht schwer.


Hostal Jardin del Sol

Hier geniessen wir ein Doppelzimmer mit Kabelfernseher und eigenem Bad. Sogar das Fruehstueck ist inklusive, es hat einen herrlichen Innenhof zum Ausspannen, das Internet ist gratis, die Verbindung toll und die Kueche zum selberkochen ist auch nicht ohne, obwohl der Kartoffelschaeler fehlt 🙁 …
Ihr seht, wir sind nochmals in ein kleines Paradies gefluechtet.

Die Straende sind zwar momentan ziemlich einsam und verlassen, denn der Winter kommt bald, doch bei Temperaturen ueber 20 Grad geniessen wir es trotzdem, uns mit einem Buch in der Sonne zu raekeln.

Stephan kann sich nochmals an den speziellen Hot Dogs von Chile erfreuen, die sind mit Tomaten und Avocado gefuellt…

Wir waren wieder mal am Monatsende in der Stadt und wir trauen unseren Augen nicht. Vor jeder Bank stehen unzaehlige Leute um ihr Bankgeschaeft zu verrichten… Na gut die Banken haben ja auch gerade nur kurz geoeffnet und ueber den Mittag mindestens zweit Stunden geschlossen. Und bei dieser Arbeitsmoral ist diese Schlange ueberhaupt nicht verwunderlich.

Doch diesmal ist fuer uns die Schlange keine Bedrohung, da wir nur noch kurz in Chile sind und kein Geld mehr abheben muessen. In Calama ist es uns doch tatsaechlich passiert, dass wir am 1. April (Samstag und kein Aprilscherz) Geld abheben wollten, doch nachdem wir sicher 14 Bankomaten abgeklappert hatten und keiner mehr Geld hatte (der Boden war auch mit Quittungen uebersaeht) gab auch Katja die Hoffnung auf Bargeld auf ;-). Es scheint so, dass am Monatsende alle auf die Bank stressen und wenn der Tag danach auf ein Wochenende faellt hat man Pech gehabt :-(.


5. Mai 2006

La Paz und Tihuanaco

Nach dem recht angehemen kurzen Flug ueber die Anden begannen wir von neuem eine Stadt zu entdecken. Schon der Anflug ueber die in einem Talkessel gebaute Stadt La Paz ist spektakulaer. Eigentlich wurde an solch einem Standort abgeraten etwas zu bauen, doch das versteckte Edelmetall, sprich Gold und Silber in den umliegenden Bergen und der Fluss der durch das Tal fliesst liess die Spanier die Stadt vom Hochplateau in diesen geschuetzteren Talkessel verlegen. Urspruenglich war das heutige Dorf Leja der Gruendungsort von La Paz.

Wir landeten auf dem hoechsten Flughafen der Welt, auf 4010 M.ue.M. Dieses Gebiet der Stadt nennt sich El Alto. Momentan leben dort ca. 700’000 Einwohner, vorallem Zuwanderer aus den Bergen, die sich hier das grosse Geld erhoffen. Dieser Stadtteil ist inzwischen schon so gross, dass die Bolivianer von einer zweiten Stadt neben La Paz sprechen. Auch wird vorhergesagt, dass in ein paar Jahren El Alto La Paz uebertreffen wird. Sie hat jetzt schon eine eigene Stadtverwaltung.
Wie wir schon oft gehoert hatten, ist es einfach eindruecklich, diese Stadt im Kessel von oben zu sehen. Auf unsere Taxifahrt ins Zentrum waren wir ebenfalls ueberwaeltigt.


Im Hintergrund ragt der imposante 6439 Meter hohe und besteigbare Illimani hervor.

An unserem ersten Tag waren wir auch erstaunt, wieviele traditionell gekleidete Frauen es in dieser Stadt gibt. Fuer unsere Augen ein wahrer Genuss 🙂


Das Gaesschen Jaen indem es 4 verschiedene Museum in unmittelbarer Naehe hat und…


…weiter unten eine schmucke Hausecke mit Erker.


Der Plaza Murillo mit dem Parlamentsgebaeude, die Hauptstadt ist jedoch Sucre


Cathedrale de San Francisco von aussen…


…und innen…


und hier das angegliederte Kloster der Kathedrale mit seinem sehenswerten Innenhof und Laubengang.

Der Witchmarket, hier findet man alles Eklige. Etliche Foeten, wie zum Beispiel von Lamas aber auch sonst alles was wir aus den Hexenmaerchen kennen… Die Frauen sind vorallem fuer den Verkauf der Hexenmitteli zustaendig, die Maenner sitzen auf dem Boden und lesen aus den Cocablaettern die Zukunft.

Dies ist eine Nussverkaeuferin, davon gibt es ebenfalls Unzaehlige in La Paz.

Es sind sowieso alle Trottoirs zu Laeden umfunktioniert. So richtige Supermercados, wie wir sie gewohnt sind gibt es nicht, hier kauft man alles auf der Strasse bei seiner „Haendlerin“ 🙂

Um nachts ebenfalls Geschaefte machen zu koennen, wurden kurzerhand die Strommasten angezapft und Steckdosen an den Masten installiert…

Ebenfalls ein sehr empfehlenswerter Besuch ist das Kokamuseum. Das Kokakauen hat ja in der Andenregion lange Tradition. In diesem Museum erfuhren wir aber nicht nur viel ueber den Gebrauch und die Wichtigkeit der Cocablaetter aus Sicht von Bolivien und den anderen Andenregionen sondern auch die gesamte Geschichte und Realitaet im Verhaeltnis zur westlichen Welt. Das war sehr aufschlussreich. Z.B. weigerten sich die Minenarbeiter ohne Cocablaetter in die Minen zu gehen und es wurde spaeter wissenschaftlich belegt, dass das Kauen der Cocablaetter nicht die Intensitaet der Arbeit steigert, jedoch der Erschoepfungszeitpunkt spaeter einsetzt. Wenn man bedenkt, dass die Minenarbeiter oft die 12 Stundengrenze der Arbeit ueberschreiten mussten, ist es verstaendlich, dass die zur Arbeitsverrichtung Cocablaetter brauchten. Pro Monat wurden so in den Minen von Potosi pro Monat soviel Cocablaetter verbraucht welches einen Gegenwert von 450kg Gold darstellte ! Dies fuehrte dazu, dass Coca so wertvoll wurde und die Spanier es als Zahlungsmittel einfuehrten.
1863 begann der Cocaboom, damals noch legal. Wusstet Ihr, dass z.b. das beruehmte Coca Cola zur Zeit seiner Erfindung und bis 1914 auf Kokabasis hergestellt wurde und die USA bis dahin pro Jahr 204t Cocablaetter importierten fuer die Herstellung von Coca Cola? Dies war 1/4 der Gesamtproduktion des Jahres! Durch die Erfindung des synthetischen Kokas in Deutschland erfuhr die Cocaindustrie der Anden einen herben Einschnitt. Im Jahre 1914 wurde Koka durch Harrison (USA) verboten und er meinte,der Stoff sei Schuld an der Armut der Suedamerikaner, da er sagte, das Kauen von Koka verursache mentale Stoerungen. Das ist der Untergang des legalen Exports der Cocablaetter und ein extremer Rueckschritt in die Wirtschaftsstaerke der Andenregionen. Doch auch heute noch, trotz strengen Gesetzen und Kampf gegen den Cocaanbau werden hier immer noch tagtaeglich Cocablaetter gekaut und gehandelt, doch die grossen Gewinne beim illegalen Drogengeschaeft werden in den industrialisierten Laendern eingestrichen…

Nein nein, da wird nicht ein Gangster verhaftet, das ist ein Schuhputzer von La Paz und von jenen gibt es Tausende! Praktisch an jeder Ecke spricht dich ein Maskierter an und versucht deine Schuhe zu putzen und das fuer nur 1 Boliviano, sind ungefaehr 15 Rappen!

Nach den 2 eindruecklichen Tagen in der groessten Stadt Boliviens, uebrigens ist La Paz auch die Stadt mit dem groessten Bevoelkerungswachstums in Suedamerika und das spuehrt und sieht man, liessen wir uns die Welt der Tiwanku(Tihuanaco) etwas naeher bringen. Die Tiahuanacos besiedelten das Gebiet nahe La Paz und bis nach Peru und Chile bis zu 2700 Jahren. Mit einer gefuehrten Tour fuhren wir zu den besten erhaltenen Ausgrabungsstaedten von Bolivien. Die Fahrt war wunderschoen, wir hatten eine super Sicht auf die Cordillera Real.

Zuerst gab es im lokalen Museum eine sehr interessante Fuehrung, wo wir das erste Mal mit der eindruecklichen, exakten Steinverarbeitung an verschiedenen Objekten konfrontiert wurden. Noch heute stehen die Wissenschaftler vor einem Raetsel, wie es den Tihuanacos moeglich war, die harten Steine wie Granit und schwarzer Basalt in solcher Exaktheit zu verarbeiten. Bis anhin ist erst 20% des Gebietes ausgegraben und man erhofft sich Hinweise im restlichen Teil des Gebietes indem man die Werkstaetten udn somit Ueberbleibsel der Werkzeuge vermutet. Denn diese beiden Gesteinsarten sind so hart, dass man sie nur mit Diamanten gut bearbeiten kann, aber Diamanten gab es in der Umgebung nicht.
Nach dem Museum ging es dann aufs „Feld“ in die bereits ausgegrabenen Ruinen und Ueberbleibsel der Pyramide. Davon blieb leider nicht viel uebrig.

Die Spanier und auch noch andere Arbeiter haben die abtransportierbaren Steine fuer neue Bauwerke wie die danebenliegende Kirche, die Franciskuskirche in La Paz und den Schienenbau verwendet! Auch hat es in der Mitte ein riesen Loch. Die Spanier vermuteten dort Goldschaetze und „schaufelten“ deshalb diese Grube. Ob sie jedoch etwas gefunden haben ist nicht bekannt. Der Tempel nebenan war so exakt auf die Astronomie ausgerichtet und erbaut worden, dass jeweils zur Sonnenwende die Sonnenstrahlen ganz speziell fielen und wichtige Gegenstaende beleuchtete.


der ausgekluegelte Tempel, teilweise immer noch von Gras ueberwachsen

Sehr beruehmt ist das Sonnentor welches ihr hier seht…

Urspruenglich war das Tor aus einem Stein gehauen und verziert worden. Mit Gold und Silber war es wie auch vieles andere geschmueckt, jedoch von den spanischen Eroberern gebrandschatzt. Dieser 4m breite und 3m hohe „Granitmocken“ ist 36 Tonnen schwer und wurde von der peruanischen Seite vom Titicacsee hierher gebracht. Wie ist wiederum ein Raetsel… Im Sonnentor ist zudem der heutige gebraeuchliche 365 Tage Kalender eingeritzt.


In einem „Seitenaltar“ ragen aus den Waenden verschiedenste Koepfe heraus, vermutlich wichtige Persoenlichkeiten…


Eine Statue, welche nicht enthauptet wurde, die meisten sind teilweise zerstoert da von den Spaniern im Innern Schaetze vermutet wurden.

Das Faszinierendste und heute noch ein Raetsel der Tihuanaco-Kultur ist ihre Bearbeitung des Gesteins. Sie vermochten Sandstein, Granit und sogar schwarzen Basalt so zu bearbeiten wie wir heute nur dank Computertechnik im Stande sind! Raetselhaft ist auch wie sie eine innenliegende, geometrisch exakte 90 Grad Ecke herausschleifen konnten. Fuer uns sieht es aus wie gegossener Beton 🙂 ist aber tatsaechlich Granit ! ! ! Seht selbst…

Die Tihuanaco lebten von ca. 1500 Jahren v. Chr. bis 1200 n. Chr. Man sagt, dass eine 90 jaehrige Duerre die Menschen aussterben liess und nicht wie von vielen behauptet von den Inkas ueberrant. Die Tihuanacos wendeten an dieser Fundstelle Erdbebensicherungen in ihre Gebaeude, d.h. sie verbanden die Steine mit Kupferschlaufen, um sie vor Erosionen zu schuetzen. Doch in diesem Gebiet gibt es absolut keine Erdbebenaktivitaet, deshalb wird vermutet, dass die Bauweise hier von einem anderen Tihuanacogebiet, in welchem es Erdbeben gab importiert wurde.


Beide Steinbrocken enthalten einen solchen Einschnitt, um sie mit Kupfer zu verbinden

Die Inkas profitierten spaeter vom Know-How in der Baukunst der Tiwanakus, denn in den zweihundert Jahren in welchen die Inkas „regierten“ waeren sie nicht faehig gewesen all ihr Know-How zu entwickeln. All dies sind jedoch nur Vermutungen, da bis jetzt keine Schriften gefunden wurden.
Doch falls jemand von Euch mal nach Bolivien faehrt, darf ein Besuch der Tihuanaco Fundstaette auf keinen Fall fehlen, wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus!
Zurueck in La Paz kriegten wir gerade noch eine Fuehrung in das Valle de la Luna. Dieses liegt am unteren Ende der Stadt, sage und schreibe 1100 Meter tiefer als El Alto…

Die Regenzeit von Januar bis April veraendert jeweils die natuerlichen „Skulpturen“ von Tag zu Tag.


30. April 2006

Sucre, Hauptstadt-Tarabuco, Kulturdorf

Zuerst gilt es noch einen Nachtrag in Potosi zu machen. Denn der Besuch des „Casa de Moneda“ wo man die Geschichte des Silbers und ihrer Verwendung zu Muenzen erfahren kann ist sicher ein Besuch wert. Auch konnte man noch die alten Pressen begutachten, mit denen frueher die Muenzplatten gepresst wurden bevor aus ihnen Muenzen gestanzt wurden. Ein sehr interessanter Besuch in einem herrlichen Gebauede, welches sanft saniert aber nicht umgebaut wurde. Obwohl in der Schweiz wuerde man die Touristen sicher nicht mehr auf solch alten Balken rumlaufen lassen aus Angst vor einem Einsturz.


Innenhof des Casa de Moneda in Potosi


alte Muenzen, welche in Potosi gefertigt wurden


die alten Pressen fuer Silberplatten

Ebenfalls eine Bereicherung unseres Potosiaufenthaltes war die einmalige Unterhaltung in einem kleinen Restaurant. Nach dem Essen kam eine junge Gruppe Bolivianer (eine bekannte Gruppe in Potosi) und verschoenerte uns den Abend mit einer eineinhalb stuendigen Musikdarbietung. Die Jungs waren unglaublich bei der Sache und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie lange die „Schnauf“ hatten fuer die verschiedenen Floeten. Immer zwischen den Musikvortraegen wurde uns vom Besitzer des Restaurants die Geschichte des naechsten Liedes oder etwas ueber die Geschichte der Aymara oder Chechua (das sind die beiden urspruenglich einheimischen Gruppen von Bolivien) erzaehlt. Alles in allem war dieser Abend einfach sensationell!

In Sucre war die erste Unterkunft die wir hier bezogen haben war bettenmaessig bequem, aber sonst nicht das, was wir suchten. Da wir jedoch fuer 3 Naechte vorreserviert hatten (da wir gerade an Ostern da waren), hielten wir erst fuer danach Ausschau nach etwas Anderem. Wir kamen am Karfreitag in Sucre an und natuerlich war wie am Tag zuvor in Potosi alles geschlossen. So liefen wir zum ersten Mal die Stadt etwas ab und betrachteten alles von aussen. doch das Wetter war etwa wie in der Schweiz, kalt und regnerisch undda wir keine warme eigene Stube hatten suchten wir immer mal wieder ein im Reisefuehrer empfohlenes Restaurant auf ueber diese Tage. Das fuehrte uns einmal in ein deutsches , kleines Beizli mit herrlichem Apfelkuchen. Der war so gut, dass wir gleich nach dem Verzehr beide noch ein zweites Stueck bestellten (das war dann unser Mittagessen 😉 ). Obwohl Sucre, uebrigens die Hauptstadt von Bolivien, La Paz ist nur der Sitz der Regierung und „Finanz- und Wirtschaftshochburg“, sehr viel an schoenen Gebaeuden zu bieten hat konnten wir in diesen Ostertagen nicht viel besichtigen und photografieren, wie gesagt, das Wetter spielte uns einen maechtigen Streich und zudem war fast alles geschlossen. Wir suchten immer mal wieder ein warmes Plaetzchen und eines abends fanden wir ein „schweizer“ Restaurant und konnten uns beide an einem Teller Roesti herrlich erfreuen. Zudem wurde nebenan in einem Kulturkeller von einer Tanzgruppe eine Darbietung geboten. Somit hatten wir wieder musikalische Begleitung zu unserem feinen Essen.


Roesti mit Spiegelei


Roesti mit Rindfleisch

Am Ostersonntag machten wir uns dann auf den Weg zum beruehmten Markt von Tarabuco. Leider war das Wetter immer noch voellig verhangen und wir konnten die Umgebung auf der Fahrt nicht so geniessen. Wir kamen ziemlich frueh an und die meisten waren noch mit dem Aufbau beschaeftigt. Dieser Markt ist so bekannt, da viele Tarabucenos noch mit den uspruenglichen Ponchos und Trachten herumlaufen. Dies sind ganz farbenfrohe Gewaender und an diesem trostlosen grauen kalten Nebeltag waren sie fuer unsere Augen eine willkommene Abwechslung.


der typische maennliche Tarabuco Poncho


Tarabuco Umhang der Frauen


man beachte, die meisten Leute laufen bei diesen Temperaturen mit Sandalen herum, welche aus alten Pneus gefertigt werden, wir haben schon ein Luxusleben mit unseren Wanderschuhen, Socken und langen Hosen!

Obwohl es sehr kalt war schlichen wir uns unter die Markt“fahrer“ bevor die riesigen Touristenstroeme mit Kameras behangen den Weg nach Tarabuco fanden und konnten dme Geschehen relativ ungestoert zusehen. als dann die meisten Touristen mit Bussen angekarrt wurden verzogen wir uns fuer ein warmes Fruehstueck in ein Restaurant. Leider liess dieses mehr als eine Stunde auf sich warten und die Temperaturen im Restaurant war auch nicht ueber 10 Grad, so war es leider kein gemuetliches Aufwaermen, aber wenigstens vom Wind waren wir geschuetzt 🙂

Danach machten wir uns wieder auf ins Getuemmel und konnten unter den vielen schoenen, farbenfrohen „Handarbeiten“ das eine oder andere schoene Souvenir erstehen.

Ein kurzer Besuch in der Kirche (es war ja Ostersonntag) durfte natuerlich auch nicht fehlen, doch diese war ziemlich leer, die meisten waren am Markt beschaeftigt, konnten aber die Messe trotzdem verfolgen, da sie ueber Lautsprecher auf den Dorfplatz uebertragen wurde.
Am meisten Zeit verbrachten wir damit, die Strassen immer wieder entlang zu schlendern und uns an den traditonell gekleideten Leuten zu freuen.

Was uns wieder beeindruckten, war das Gemuese- und Fruechteangebot hier. Aber in die Naehe der Fleischstaende begaben wir uns nicht allzu oft, denn diese Gerueche sind nicht so fuer unsere Nasen bestimmt.
Hier ein Photo aus der Weite:


ihr koennt Euch selber ausdenken, was das weisse „Tuch“ sein koennte…

Als wir genug gesehen hatten (und kurz vor dem Einfrieren waren 😉 ) traten wir mit dem gecharterten Taxifahrer den Rueckweg an. Danach musste wieder ein Besuch bei einem Restaurant folgen, um uns aufzuwaermen.

Auch sonst hat Sucre noch Einiges zu bieten, zum Einen sind da noch die wunderschoenen Gebaeude in der Stadt, welche ebenfalls die Geschichte von frueherem Reichtum erzaehlen. Denn Sucre hat ebenfalls Berge mit Gold und Silber, da der Untergrund jedoch viel zu viel Wasser enthaelt, musste mit dem Abbau gestoppt werden.


das Gebaeude der Armada de Chile


Kathedrale „La Merced“ das zu Hause der mit Juwelen behangenen Jungfrau


Casa de la Libertad


Plaza Anzures beim Mirador Recoleta

An einem Tag suchten wir das Textilmuseum auf. Dies ist ein Projekt, welches aufgebaut wurde, um die traditionelle Webkunst der verschiedenen Voelkergruppen in Bolivien zu erhalten oder wieder zu beleben. Mittlerweile haben sie beim Projekt schon zwei Voelkergruppen auf ihrer Seite, die beim Projekt mitarbeiten. Doch es fehlen noch mindestens 4 andere Gruppen. Fuer das Projekt ist es sehr wichtig, dass alle Gruppen mitmachen, da jede dieser Gruppen voellig unterschiedliche Webstile- und Motive haben, welche nur in diesen bestimmten Regionen gefunden werden koennen. Dank des Projektes haben auch die Maenner wieder weben gelernt und lassen die Kultur wieder aufleben. Die beiden Gruppen welche zur Zeit mit ASUR mitarbeiten sind die Ethnie von Tarabuco und von J’alqa. Die Tarabucenos haben eine ganz farbenfrohe Webkunst wogegen die J’alqas nur mit den Farben rot , schwarz, gruen und blau arbeiten. Und was wir auch nicht wussten, die Maenner aus Bolivien haben den Webstil, den wir in Europa kennen, dabei wird das Muster des Gewobenen mit den Querfaeden bestimmt, bei der Webart der Frauen wird das Muster hauptsaechlich mit den Laengsfaeden erstellt, eine Webart die uns bis anhin fremd war aber viel vielschichtigere und manchmal sogar dreidimensional erscheinende Produkte erzeugt. Was zudem erstaunlich ist, dass alle Motive auf dem Kopf gewoben werden und ohne Mustervorlage. Das kommt den Weber/innen ganz intuitiv waehrend der Arbeit in den Sinn. Das Projekt ASUR baut Raeume und Haeuser wo die am Projekt beteiligten arbeiten koennen und besorgt auch das ganze Material. Wenn ein Produkt fertiggestellt wurde wird es von der Chefin, sie ist Antropologin auf seine „Echtheit“ geprueft. D.h. es duerfen keine Symbole und Geschichten auf den Webstuecken sein, welche nicht schon seit jeher zu dieser Kultur gepasst haben.


Webkunst einer Frau von Tarabuco


J’alqa Webkunst

Auch sonst war das Museum sehr sehenswert und lehrte uns viel ueber die Webkunst, aber auch den Zusammenhang der Stoffe und der Kultur und Braeuche. Danach verbrachten wir noch mehr als eineinhalb Stunden im angegliederten Shop. Einerseits, weil wir uns ein Andenken besorgen wollten in diesem Fairtradeladen und somit das Superprojekt unterstuetzen wollten, andereseits, weil die Shopverantwortliche eine ausgewanderte Schweizerin war und wir uns sehr lange und angeregt mit Ihr unterhalten konnten. Sie gab uns noch viel mehr interessante Informationen ueber das Projekt und konnten uns schlussendlich auch gleich noch die vielen Symbole und Bedeutungen unseres erstandenen Webstuecks erklaeren. Das wird ein ganz besonderes Andenken in unsere Wohnung sein…

Nach diesem Besuch waren wir mit unserem Tag und dem Erlebten vollends zufrieden.
Am naechsten Tag war dann Dienstag nach Ostern. Und wie in Schweiz, war es auch hier so, sobald die Ostern vorbei sind, darf sich die Sonne wieder zeigen. Das stimmte uns gut, da wir heute einen Ausflug zu dem groessten palaeontologischen Fundort der Welt unternehmen wollten. Ca. eine halbe Stunde ausserhalb von Sucre wurde in einem Steinbruch die laengsten versteinerten Fussspuren von Dinosaurieren gefunden. Diese wurden 1992 entdeckt. Der Fundort ist zwischen 65 und 105 Mio. Jahre alt. Leider wird durch die immer noch taetige Zementfabrik in diesem Steinbruch, aber auch durch die Witterung immer noch jeden Tag viel dieses einmaligen Fundorts zerstoert. Doch seit einigen Jahren ist nun die Unesco vor Ort und versucht eine Loesung zu finden, wie dieser Fundort am Besten erhalten werden kann. Denn urspruenglich war die „Mauer“ 2.5 km lang und 120m hoch, doch mittlerweile ist sie nur noch 85m hoch und etliche Spuren gingen schon verloren.
Urspruenglich waren diese Fussabdrucke natuerlich auf dem Boden, doch durch die Erosion des Untergrundes findet man die Spuren nun auf einer 70Grad steilen Mauer. Ein wissenschaftliches Team aus der Schweiz und Italien haben die Limestonewand 1994 unter die Lupe genommen und mehr als 5’000 Spuren von mehr als 150 verschiedenen Arten entdeckt!
Ist schon eindruecklich, dies mit eigenen Augen zu sehen.
Die Abdrucke sind so gut sichtbar, da die eine Schicht aus Pflanzenabfall, Algen und Faekalien gedrueckt wurden, welches eine sehr weiche Schicht ist und somit dort erhalten blieben.

Was man zudem auf den Strassen von Bolivien sehr oft sieht sind Handwerker die ihr Geschaeft direkt auf der Strasse aufgebaut haben.


Schuhmacher

Oder ganze Reihen von kleinen Pulten mit einer Schreibmaschine und dahinter Maennern, welche mitten auf dem Trottoir den Passanten ihre Administration abnehmen.

Unseren letzten Tag in Sucre liessen wir auf dem Aussichtspunkt bei einem herrlichen Fruchtsaft ausklingen

Am naechsten Tag holte uns unser Sucre- Taxichauffeur Eulogio zum letzten Mal ab und brachte uns auf den Flughafen (nach diesen zwei Busfahrten wollten wir mal wieder ein anderes Verkehrsmittel ausprobieren 😉 )
Eulogio trafen wir am ersten Tag zufaellig am Busbahnhof und er war so unglaublich zuverlaessig, dass wir ihn immer wieder buchten fuer unsere Fahrten…

Mit dem Abflug wurde dann aber vorerst gewartet, da irgendetwas mit dem linken Triebwerk nicht in Ordnung schien. Mit der Passagiertreppe verschafften sich die Mechniker Zugang zum Triebwerk, auch nicht gerade aufmunternd, so kurz vor dem Abflug alles live mitansehen zu koennen. Schlussendlich wurden einige Tropfen Oel reingesprueht und alles wieder geschlossen, wenn das nur gut geht ! ! !


23. April 2006

Bolivien, herrliche Landschaft, typische Strassenbilder

Nach unserer Ankunft in Uyuni hiess es zuerst mal ein Hostel zu finden. Unser neuer Bolivenfuehrer war uns dabei wieder eine gute Hilfe. Wir haben eine verhaeltnismaessig gute Unterkunft gefunden, welche auch einmal pro Tag eine warme Dusche im Preis enthielt. Die Dusche stellte sich jedoch eher als so heiss heraus, dass man nicht richtig darunter stehen konnte und einen Kaltwasserhahn gab es nicht. . .
Abends wurde es dann empfindlich kalt in unserem Zimmer, sodass es extreme Ueberwindung brauchte, um sich fuers Bett bereit zu machen und morgends wieder unter den 4 Wolldecken hervor zu kriechen. Doch wir waren uns dies ja bereits gewoehnt und es kann uns auch nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Uyuni selber hat nicht sehr viel zu bieten, doch ein Besuch auf dem Markt lohnt sich trotzdem. Das Gemuese- und Fruechteangebot ist hier wieder viel groesser als im Altiplano von Chile, das hat uns sehr erstaunt. Wir befinden uns doch hier auf 3’600m Hoehe.
Die Tagen verbrachten wir wieder einmal mit internettlen, herumspazieren, Waesche waschen und lesen. Abends machten wir uns dann selber ein Essen mit frischem Gemuese vom Markt, obwohl wir hier in Bolivien eigentlich in den Restaurants wie die Fuersten essen koennen und es uns kaum was kostet. Das Mueslifruehstueck hat uns jedenfalls sehr gemundet :-).

Am naechsten Tag hatten wir uns fuer das beste Busunternehmen (es wurde uns von drei verschiedenen Seiten diese Firma empfohlen) ein Ticket gesichert, um nach Potosi zu fahren. Nachdem all unser Gepaeck auf dem Dach verstaut war konnte es los gehen. Ein letzter Blick zuerueck in die Salzwueste und schon bald ging es in die Berge von Bolivien. Doch bereits nach 40 Minuten Fahrt hatten wir einen platten Reifen. Das kann ja heiter werden. Ohne dass wir aussteigen mussten, wurde der Bus aufgebockt und der Reifen gewechselt. Nach 25 Minuten konnte die Fahrt weitergehen (das war super effizient, fuer suedamerikanische Verhaeltnisse). Was uns dann weniger gefiel, dass keiner der beiden Angestellten je Anstalten machte, nach einer Weile die Schrauben zu kontrollieren und nachzuziehen, obwohl die Strasse nur eine Schotterstrasse war und sich die Schrauben leicht loesen koennten… Und vorallem befanden wir uns auf einer sehr kurvigen Bergstrasse meist mit steilen Abhaengen. So wurden diese restlichen 6 Stunden nicht sehr erholsam, obwohl sich allueberall herrliche Landschaften zeigten und im Vordergrund meist die bolivianischen Frauen in ihrer typischen Kleidung am Strassenrand standen oder auf den Feldern arbeiteten, mit ihren Tuchrucksaecken auf dem Ruecken (aguayo) doch wir kamen ohne weiteren Zwischenfall an.

Nachdem wir uns gleich beim Busbahnhof ueber die weiteren Verbindundgen ueber Ostern erkundigt hatten nahmen wir mit den Belgiern vom Uyuni Tripp ein Taxi, da wir uns fuer dieselbe Unterkunft entschieden hatten. Wir hatten uns geschworen, nur offizielle Taxis zu nehmen, doch da sie sich der Sache annahmen, mussten wir schon das erste Mal in ein inoffizielles steigen. Doch alles ging gut. Wir bekamen die letzten zwei Zimmer! Das dies gar nicht so Glueck war, stellten wir erst abends fest, denn die Betten liessen zu wuenschen uebrig. Katjas Matratze war so schraeg, dass sie in der Nacht fast dreimal vom Bett geflogen waere, bis sie entdeckt hat, dass sie dies verhindern kann, indem sie diagonal auf die Matratze liegt ;-).

Potosi war vor langer Zeit mal die reichste Stadt der Welt und in ihrer Groesse vergleichbar mit Paris oder New York vor ca. 300 Jahren, da dort grosse Vorkommen von Silber gefunden wurden. Die spanischen Besetzer hatten den Braten gleich gerochen und haben den Berg mit Hilfe von einheimischen Sklaven ausgebeutet. Haupttouristenattraktion ist auch heute noch ein Besuch in den Silberminen, wo Silber wie vor 300 Jahren abgebaut wird. Fuer Katja stand dieser Besuch sowieso ausser Frage und als wir einige Tourbueros abgeklappert hatten, und sogar diese uns bestaetigten, dass ein solcher Besuch gefaehrlich ist, als wir sie direkt darauf ansprachen, entschieden wir uns, darauf zu verzichten und lieber mehr Zeit in die Erkundung der vielen imposanten Gebaeude zu stecken. Was sich ebenfalls sehr gelohnt hat.


Der „Silberberg“ von Potosi

Die Gebaeude sind recht imposant, man merkt einen extremen Einfluss von den Spaniern hier. Zudem hat Potosi mehr als 300 Kirchen, aber wir waren zu faul um alle unter die Lupe zu nehmen, wir machten nur ca. die Haelfte 😉
Dafuer genossen wir die Annehmlichkeiten einer „Grosstadt“ im kulinarischen Bereich. Wir haben zweimal ein Luxusrestaurant besucht und je 2 Gaenge geschlemmert und am Schluss nicht mal 15 Franken bezahlt, das macht Spass :-).

Nach einigen Tagen in Potosi, ging es weiter nach Sucre. Auch diese Busfahrt sollte uns in Erinnerung bleiben. Diesmal hatten wir zwar keine Panne, aber der blutjunge, verantwortungslose Chauffeur sah die 3,5 stuendige Fahrt als Autorennen mit einem anderen Bus. Leider war dieser aufwaerts immer schneller als unserer, sodass der Unsrige abwaerts immer versuchte wieder aufzuholen. Wir haben uns einige Male im Strassengraben (oder besser gesagt im Abhang) gesehen. Ca. Mitte der Fahrt wurden wir dann aber abgelenkt von der Arrogantheit der reicheren Bolivianer gegenueber den Aermeren, was uns sehr zu denken gab.
Vor uns sass eine Familie mit einem Baby, welche auch fuer ihr Baby einen Sitz gekauft hatten. Als dann eine schwangere Tochter mit ihrer gebrechlichen Mutter (die sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte) einstieg, erlaubt ihr der „Reiche“ nicht mal, die andere Haelfte des Sitzes seines Babies zu benutzen, das sei fuer sein Baby. Die alte Frau setzte sich somit ruecklings im Gang auf ihr Buendeli und musste sich an Stephans und Pascales Beinen festhalten, da der Chauffeur ja wie ein verrueckter fuhr. Wir trauten unseren Augen kaum. Und nachdem wir eine viertel Stunde gelaestert hatten und unsere Blicke immer wieder auf den halbleeren Sitz warfen, gab der Reiche nach, und offerierte seinen Sitz der alten Dame und setzte sich neben seine Frau und nahm das Baby auf den Arm. Mit Hilfe von Stephan, Pascale und ihrer eigenen Tochter konnte die alte Frau (waehrend der Fahrt) wacklig aufstehen und sich in den Sitz hieven.


18. April 2006

Ein weiterer Traum wird wahr…

Je naeher wir dem Ende unserer Reise kommen, desto mehr gehen fuer uns langersehnte Traeume in Erfuellung. Die Reise durch die groesste Salzwueste der Erde den „Salar de Uyuni“ war ein Weiterer.

Die Nervositaet von Katja war unnoetig, wir hatten ja gute Instruktionen bekommen, dass wir uns einfach an den roten Jeep haengen sollen, das sei der von Valerio, dem anscheinend besten Fahrer, Koch und Fuehrer und da diese Tour eine unserer langersehnten Ziele war, war es uns sehr wichtig, einen guten Fuehrer zu haben.

Doch zuerst kam der Grenzuebertritt nach Bolivien, welchen wir mit vielen anderen Tourgruppen von San Pedro, welche alle diesselbe Tour machen wollten, zu bewaeltigen hatten. Wiedereinmal wurde uns hier in Suedamerika gezeigt, dass die Touristen als Geldablieferer sehr gerufen kommen, man aber sonst meistens letzte Prioritaet hat. Wir standen in der Schlange zum Grenzuebertritt. Nebenan bildete sich eine zweite Schlange mit Suedamerikanern (nein sie stellten sich nicht hinten an). Doch dass liessen wir uns nicht gefallen und alle ca. 40 Personen der Tourgruppen standen ganz eng in der Schlange, damit sie sich nicht reindruecken konnten. Als wir nach ca. einer halben Stunde anstehen endlich das Fenster des Beamten erreicht hatten wurden wir alle (d.h. die nicht Suedamerikaner) kurzerhand ans andere Fenster verwiesen, wo aber niemand drin sass und nebenan konnten sich die Suedamerikaschlange den Grenzuebertritt sichern. Als dann alle 50 aus diesem Suedamerikanerbus fertig waren, durften wir zurueck ans Fenster wo wir vor 20 Minuten schon mal standen! Da muss man sich manchmal schon zusammen nehmen…

Als wir den Grenzuebertritt geschafft hatten wurden wir recht rasant mit dem Minibus zur Bolivianischen Grenze gefahren wo uns die Jeeps erwarteten. Die Einreiseformalitaeten waren relativ schnell erledigt doch die schweizerische Diplomatie hatte hier nicht so gute Arbeit geleistet wie der Rest von Europa. Wir bekamen als Einzige nur 30 Tage Aufenthaltserlaubnis in Bolivien, alle anderen 90 Tage. Was eigentlich nicht so schlimm ist, denn wenn alles wie geplant verlaeuft, sind wir nur 3 Wochen in Bolivien.

Danach schmissen wir unserer Rucksaecke sofort hinter den roten Jeep und hofften das unsere Informationen stimmen und tatsaechlich, wir haben es geschafft und sind bei Valerio im Jeep gelandet. Und er machte einen sehr sympatischen Eindruck. Zusammen mit Louise und Phil von England und Pasquale und Guy von Belgien ging unsere Reise los.
Schon bald nach der Grenze kamen wir zur weissen Lagune (Laguna blanca) in welcher sich die Berge herrlich spiegelten.


Laguna Blanca

Und kurz darauf die gruene Lagune, welche ihre Farbe von den Algen hat. Valerio meinte wir haetten Glueck, dass der Wind so fest blaest, denn dann sei die Laguna am gruensten (dafuer war es bitterkalt ;-( ).


Laguna Verde

Da wir die naechste Nacht in einer Unterkunft verbringen werden, in welcher es weder fliessend Wasser noch Heizung etc. gibt, werden wir von unseren Fahrern zu einer heissen Quelle gefahren, um die abendliche Dusche hier bereits vorzuholen. Da bei den ersten Quellen jedoch ein eisiger Wind blies, hatten sie erbarmen und fuhren uns zu einem anderen Ort wo wir dann ein heisses Bad geniessen konnten waehrend ein vorzuegliches Mittagessen durch unseren Fahrer vorbereitet wurde.


Sandwichgelage (sogar die Tomaten hatte er geschaelt, das ist ein Service!)

Danach ging es weiter durch die wunderschoene Landschaft. Wir sahen wieder viele Lamas und Vicuñas.
Auch auf diesem Weg gab es wieder Untergrund mit vulkanischer Aktivitaeten welche wir besuchten. Valerio meinte, solange diese Kraefte langsam und stetig hier durch die Erdoberflaeche austreten koennen, bestehe keine Gefahr eines vulkanischen Ausbruchs, erst wenn die Kraefte gestaut werden, wird’s gefaehrlich. Es war wieder sehr eindruecklich die kochende und spruehenden Massen zu sehen.


Geysirs „sol de manana“

Danach ging es zuegig Richtung Unterkunft. Valerio hat es immer geschafft ohne zu stressen oder zu rasen als Erster an fast jedem Ziel zu sein. Vorallem in den Unterkuenften wollte er uns so immer die besten Zimmer sichern. Einen kleinen Daempfer gab es nur, als wir unsere Rucksaecke vom Dach luden. Die von den Englaendern und unsere waren triefend nass. Leider nicht von Wasser (das waere ja nicht der Rede wert) sondern von einer verplatzten Fantaflasche. So hiess es zuerst einmal das klebrige Zeug wegputzen. Danach fuhren wir weiter zur Laguna Colorada. Da Valerio mittlerweile rausgefunden hat, dass sein Jeep voller Tiernarren ist, fuhr er uns zuerst zur Nebenlagune, wo wir von ganz nahem Flamingos beobachten konnten. Einfach wunderbar.


Flamencos Andinos (die mit den schwarzen Federnspitzen)

Danach fuhren wir auf eine Anhoehe fuer die Laguna Colorada, welche sich immer abends ganz rot verfaerbt. Herrlicher Anblick und auch hier hatte es Hunderte von Flamingos.


Laguna Colorada

Bald wurde es uns zu kalt und wir genossen den herrlichen Ausblick und den Sonnenuntergang aus dem Jeep bevor wir in die kalte Unterkunft zurueckfuhren.
Mit allen warmen Sachen die wir hatten begaben wir uns zum Abendessen. Die superfeine und heisse Gemuesesuppe war bei allen heissbegehrt. Die Spaghettis danach fuellten zwar den Magen auch etwas aber da freuen wir uns schon eher wieder auf die selbst gekochten Pastas! Da es wegen der Kaelte nicht so gemuetlich war verzogen sich alle bald unter den Bettdecken und gluecklich waren die, welche seit ueber 8 Monaten die warmen Schlafsaecke mitschleppen und fast nie brauchen koennen 😉 (aber fuer dieses Mal hat es sich wieder extrem gelohnt).

Da wir ja wieder viele Hoehenmeter hinter uns legten tranken wir den ganzen Tag sehr viel, um uns vor der Hoehenkrankheit und Kopfschmerzen zu schuetzen. Das hat zwar gewirkt, doch leider musste Katja mitten in der Nacht in dieser Affenkaelte aus dem warmen Schlafsack kriechen und die Toilette aufsuchen. Was sie dort erwartete war nicht besonders appetitlich. Da die Wassertonne, aus der man mit einem Eimer Wasser schoepft um zu spuelen, leer war und niemand die zweite Wassertonne entdeckte, waren alle Toiletten mit Ueberresten von anderen Gaesten gefuellt und der Geruch war aetzend. Nur eine Toilette war noch einigermassen benutzbar. Die mit der Glasscheibe.


Dieses Foto wurde jedoch vor dem Einbruch der Dunkelheit gemacht und sieht daher noch ganz ordentlich aus.

Da Katja um diese Zeit niemanden anderen auf der Toilette erwartete und das Taschenlampenlicht sowieso nicht so viel hergab entschied sie sich kurzerhand fuer diese um sich dann schnurstracks wieder in den warmen Schlafsack zu kuscheln und den Rest der Nacht den Luxus zu geniessen. Am naechsten Morgen hatte es Katja dann gar nicht eilig auf die Toilette zu kommen, denn sie wusste, was sie erwartet… Und aus dem warmen Schlafsack zu kriechen war sowieso sehr hart. Nach dem Toilettengang, inzwischen hatten doch Einige den zweiten Wassertank gefunden und es war nicht mehr so schlimm wie mitten in der Nacht, setzten wir uns an den Fruehstueckstisch. Natuerlich wieder mit der Vollmontur ;-). Doch auch das Kondenswasser, welches sich im Innern der Bude bildete, vermieste uns das gemuetliche Schlemmern, denn bereits nach 10 Minuten war der Tisch und alle darum herum nass von tropfendem Kondenswasser, wir sassen sozusagen im Regen. So dauerte das Fruehstuecken nicht so lange. Bald packten wir alles wieder aufs Dach des Toyotas und fuhren in die Morgenstimmung hinaus.


Unsere Schlafstaette in klarer, kalter Morgenluft

Vorbei an der Laguna Colorada (welche zu dieser Tageszeit tatsaechlich nicht so rot war wir am Abend zuvor) in die Wueste Siloli wo ganze Bergformationen mit vielen verschiedenen Farben unsere Augen entzueckten und wir bald schon zu den durch Erosion geformte Steinen kamen. Der wohl beruehmteste ist der Arbol de Piedra (Steinbaum).

Doch auch rundherum gab es herrliche Photomotive. Wir genossen unsere freie Zeit (wir waren wiederum die Ersten die hier waren und somit hatten wir laengere Zeit fuer Spaziergaenge zur Verfuegung) und wanderten durch die schoene Landschaft bis die naechsten ankommenden Jeeps die herrliche Ruhe stoerten, indem sie auf jede Steinformation steigen mussten und herumschriehen.


Da fuehlt man sich wie in einem Bild von „Salvador Dali“

Dann ging es weiter um den Berg mit den sieben Farben von weitem zu bestaunen. Fuer uns schienen zwar die zuvor gesehenen Berge genauso schoen, aber anscheinend hat dieser Berg eine spezielle Bedeutung, dass er mit diesem Namen versehen wurde.

Danach fuhren wir durch die Regionen der verschiedenen Altiplanoseen. Jeder hat auf seine eigene Art seinen Reiz. Einer hat eine spezielle Form (wie eine Steinschleuder) und sollte deshalb an die Legende von David und Goliath erinnern, uns faszinierten dort jedoch wieder eher die schoenen Spiegelungen, ein Anderer war wieder Lebensraum fuer wunderschoene Flamingos. An mehreren Stellen durften wir dem Seeufer entlangschlendern, waehrend Valerio am andern Ende auf uns wartete.

Am letzten See war dann gleich noch das Mittagessen bereit und wir konnten uns direkt an den Tisch setzen. Der Service war so gut und immer genuegend, dass wir unsere mitgebrachten Snacks noch nie antasten mussten. Ein weiterer Beweis, dass wir die richtige Entscheidung unter den vielen Tourenanbietern getroffen hatten :-).
Waehrend dem Essen naeherte sich unserem Piknickplatz ein wilder Fuchs (zorro andino). Voellig aufgeregt entfernten wir uns vom Essen, um ein weiteres Tier kennenzulernen.


zorro andino

Leider schmaelerte sich unsere Freude, als wir andere Touristen sahen, wie sie sich dem Fuchs naeherten und ihn fuetterten, um die besten Fotos zu machen. Somit war es fuer uns kein Wunder mehr, dass sich dieser Fuchs hier zeigte (Fuechse sind ja schlau). Waere ja auch was Anderes gewesen, wenn er in die Naehe geschlichen waere, um nach unserer Abreise irgendwelche Ueberreste zusammen zu suchen, aber dieser hatte keine „Beruehrungsaengste“ mehr, da er wusste, dass er nur gefuettert wird, ihm aber nichts passiert. Stephan machte sich dann wiedermal einige Feinde, da er den Fuetternden beibringen wollte, dass dies absolut unnatuerlich sei und sie es lassen sollten, natuerlich erntete er nur fragende und missbilligende Blicke, aber vielleicht hilfts ja fuers naechste mal. Wir hoffen es jedenfalls!

Weiter ging es dann wieder durch schoene Landschaften. Auch auf diesem Tripp bewegten wir uns immer etwas ueber 4’000 Meter Hoehe. Schon bald durften wir einen willkommenen Verdauungsspaziergang einlegen, da die „Strasse“ in einem schlechten Zustand war. Wir stiegen aus und wanderten dem Weg, welcher eher an ein Bachbeet erinnerte entlang waehrend unsere drei Fahrer sich als Strassenunterhaltsarbeiter betaetigten und Steine entfernten oder dazu hinlegten ,um den Abschnitt wieder passierbar zu machen. Wir wollten eigentlich auch Hand anlegen, dass wurde uns jedoch nicht erlaubt. So genossen wir wieder einen gemuetlichen Spaziergang der diesmal fast eine Stunde dauerte und uns erlaubte, die schoene Umgebung noch intensiver zu geniessen. Als wir wieder aufgeladen wurde erklaerte uns Valerio, dass diese Strassen nie von der Regierung unterhalten wuerden und dies somit immer von den Chauffeuren gemacht wuerde, welche am meisten um ihre Autos besorgt waren.

Schon bald kamen wir in die Salar de Chiguana (ebenfalls eine Salzwueste) und dort mussten wir mit dem Jeep die einzige Eisenbahnstrecke des Landes ueberqueren, natuerlich ohne Schranke oder Spur, es hiess einfach, den steilen Hang hinauf, ueber die Gleise und hinten wieder runter, aber wir haben ja 4 WD’s :-). Dies war jedoch nicht sonderlich gefaehrlich, denn es faehrt nur ein Zug pro Woche diese Strecke von Antofogasta (Chile) nach Uyuni/Oruro (Bolivien). Diese Zugstrecke war die Gegenleistung der Chilenen an die Bolivianer nachdem sie ihnen den Meeranstoss „gestohlen“ hatten. So konnten die Bolivianer auf dieser Strecke trotzdem noch ihre Gueter zur Verschiffung an die Kueste bringen.

Danach gab es noch eine lange Fahrt, welche unser Sitzleder forderte bis wir beim Eindunkeln im Salzhotel ankamen (natuerlich wieder als Erste!). Auf der Fahrt hatten wir ein weiteres mal einen Jeep einer anderen Agentur gesehen, welcher uns durch seinen unverantwortlichen und rasenden Stil schon mehrmals auffiel. Und diesmal steckte er mitten im Schlamm fest. Er wollte die Abkuerzung nehmen anstatt die offizielle Strasse zu befahren. Sie trafen dann ca. 2 Stunden nach uns im Hotel ein.

Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das ganze Hotel, inklusive Tisch und Hocker, wie auch Bett und Nachttischen waren aus Salz hergestellt. Und die Kerzen, welche zur Beleuchtung dienten, verbreiteten eine super Atmosphaere. Doch zuerst war duschen angesagt (diese waren uebrigens nicht aus Salz 😉 ). Die Angestellt meinte, wir sollten uns beeilen, bevor die anderen Jeeps ankommen. Wir zahlten gerne den Aufpreis von 0.75 CHF pro Person um uns eine herrliche, warme Dusche zu goennen. Danach erkundeten wir das interessante Hotel mit sehr viel Flair.


unser salziges Schlafgemach

Das Essen wurde in Tontoepfen serviert und auch unsere Teller und Becher waren aus Ton. Es schmeckte wieder herrlich. Es gab eine Quinoasuppe (dies ist ein Getreide, das u.a. sehr viele Mineralstoffe enhaelt und sehr gesund sein soll. Danach gab’s Poulet, Pommes Frites und wieder Quinoa. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch lange mit Louise und Phil (die beiden Englaender aus unserem Jeep). Das war sehr gemuetlich und wir verstanden uns sehr gut. Sie haben etwa die gleichen Ansichten vom Reisen wie wir und die Zeit verging im Fluge. Doch um halb elf machten auch wir uns dann auf ins Bett, da wir am naechsten Morgen frueh aufstehen mussten, um den Sonnenaufgang mitten in der Salzwueste im Wasser zu erleben.
Obwohl es wieder einige Ueberwindung kostete hielten wir den Zeitplan von Valerio genau ein und fuhren punkt 5.45 Uhr vom Salzhotel ab. Nach einer halben Stunde standen wir in der Salar de Uyuni im Wasser und warteten gespannt auf den magischen Augenblick. Im Jeep wurde es ganz ruhig, nur ab und zu hoerte man einen Photoapparat knippsen.

Als wir unsere Photos geschossen hatten fuhren wir mitten in die Salzwueste hinein, zur Insel Pescadores. Diejenigen, welche etwas spanisch verstehen werden sich wundern, wieso diese Insel Fischerinsel genannt werden kann, denn mit diesem salzigen Untergrund ist es doch nicht moeglich, dass es hier Fische gibt. Doch der Name stammt von der Form der Insel, wenn man sie von weitem betrachtet. Als wir unseren Eintritt auf die Insel bezahlt hatten durften wir die Insel ablaufen, waehrend uns Valerio das Fruehstueck vorbereitete. Imposant, was fuer Sujets sich uns zeigten. Die ganze Insel ist voller Kakteen und rundherum zeigten sich uns Spiegelungen der Berge in der Salzwueste welche leicht mit Wasser bedeckt war (dies ist nur 4 Monate im Jahr der Fall).
Wir waren so fasziniert, dass wir fast das sensationellen Fruehstueck verpasst haetten, welches uns von Valerio aufgetischt wurde.

Die drei Fahrer hatten doch tatsaechlich waehrend der letzten 3 Tage auf diesen Holperpisten ca. 36 Eier dabei gehabt, um uns hier mit feinen, frischen selber gebackenen Pancakes zu verwoehnen. Einfach der Hammer.


und das mit einer solchen Aussicht!

Danach hatten wir nochmals etwas Zeit, um die Umgebung zu erkunden und weitere Photoversuche zu starten bevor es weiterging.
Schon bald liess uns Valerio an einem Ort raus, wo das Wasser nur ca. 5cm tief war und wir die herrlichen Spiegelungen der Umgebung und von uns ins Bild fassen konnten. Immer wieder kamen neue Ideen fuer Photos, das machte richtig Spass. An dieser Stelle soll das Salz ungefaehr 6 Meter dick sein, unglaublich. Und eigentlich fuehlte es sich an wie auf einem gefrorenen See, die Farbe ist ja diesselbe. Dieses Problem hatte jedenfalls Louis, sie sprach immer wieder von Eis und musste mehrmals das Salz mit der Zunge spueren, bis es in ihrem Kopf endlich Salz war 🙂

Auf der weiteren Fahrt befanden wir uns mit dem Jeep immer leicht im Wasser, sodass sich darin der Himmel spiegelte und wir das Gefuehlt hatten, als wuerden wir mit dem Jeep durch den Himmel schweben, einfach fantastisch!
Der naechste Stopp diente dazu uns die Lebensadern der Salzwueste, wie sie Valerio nannte, zu zeigen. Das sind tiefe Loecher mit kalter Stroemung, welche fuer eine Fahrt sehr gefaehrlich werden koennen ,wenn man die Augen nicht offen haelt, denn ab und zu sind die richtig gross. Doch darin sieht man die Salzkristalle wunderschoen.
Valerio hat uns diese Exaktheit der Natur von Nahem gezeigt.


Salzkristall

Danach wollte er uns auch noch die speziellen Oktagons zeigen, welche sich im trockenen Teil der Salzwueste bilden, diese konnten wir jedoch an dieser Stelle nur schwach erkennen, da sich das Wasser noch nicht sehr lange zurueckgezogen hatte.

Kurz bevor wir die Salzwueste verlassen mussten (was uns sehr schwer fiel, wir haetten noch tagelang hier verbringen koennen) kamen wir zu den Salzminen. Hier wird das Salz zu groesseren und kleineren Haufen zusammengeschaufelt, damit es vor der Verarbeitung austrockenen kann. Das war ebenfalls ein willkommenes Photosujet.

Am Rande der Salzwueste im kleinen Doerfchen Colchani durften wir uns dann mit „Windowshopping“ verweilen waehrend das Mittagessen zubereitet wurde. Viel gab es hier nicht zu sehen, so verbrachten wir die Zeit damit, Sonne zu tanken. Nach dem Essen fuhren wir noch zur letzten Sehenswuerdigkeit, dem Zugfriedhof von Uyuni. Auf dem Weg dorthin, ging es Katja wieder mal schlecht in der Magengegend, als die Kraempfe immer staerker wurden, wussten wir, dass sie nun dringend eine Toilette haben muss. Natuerlich gab es diese nicht auf dem Zugfriedhof, aber man wird ja mit der Zeit erfinderisch…
Auf dem Friedhof befinden sich alle alten Zuege und Lokomotiven, welche mal auf der Strecke Uyuni – Antofogasta eingesetzt wurden. Jetzt sind sie der Witterung ueberlassen und vegetieren vor sich hin. Doch eigentlich gab dies noch ganz spezielle Motive.

Danach war unser Tripp mit Valerio vorbei :-(. Wir waren alle ueberzeugt, dass wir sehr viel Glueck hatten, dass wir diese wunderbare Umgebung mit Valerio erkunden durften und wuerden es jedem empfehlen und auch sofort selber wieder machen.


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