weltreis.ch

5. Mai 2006

La Paz und Tihuanaco

Nach dem recht angehemen kurzen Flug ueber die Anden begannen wir von neuem eine Stadt zu entdecken. Schon der Anflug ueber die in einem Talkessel gebaute Stadt La Paz ist spektakulaer. Eigentlich wurde an solch einem Standort abgeraten etwas zu bauen, doch das versteckte Edelmetall, sprich Gold und Silber in den umliegenden Bergen und der Fluss der durch das Tal fliesst liess die Spanier die Stadt vom Hochplateau in diesen geschuetzteren Talkessel verlegen. Urspruenglich war das heutige Dorf Leja der Gruendungsort von La Paz.

Wir landeten auf dem hoechsten Flughafen der Welt, auf 4010 M.ue.M. Dieses Gebiet der Stadt nennt sich El Alto. Momentan leben dort ca. 700’000 Einwohner, vorallem Zuwanderer aus den Bergen, die sich hier das grosse Geld erhoffen. Dieser Stadtteil ist inzwischen schon so gross, dass die Bolivianer von einer zweiten Stadt neben La Paz sprechen. Auch wird vorhergesagt, dass in ein paar Jahren El Alto La Paz uebertreffen wird. Sie hat jetzt schon eine eigene Stadtverwaltung.
Wie wir schon oft gehoert hatten, ist es einfach eindruecklich, diese Stadt im Kessel von oben zu sehen. Auf unsere Taxifahrt ins Zentrum waren wir ebenfalls ueberwaeltigt.


Im Hintergrund ragt der imposante 6439 Meter hohe und besteigbare Illimani hervor.

An unserem ersten Tag waren wir auch erstaunt, wieviele traditionell gekleidete Frauen es in dieser Stadt gibt. Fuer unsere Augen ein wahrer Genuss 🙂


Das Gaesschen Jaen indem es 4 verschiedene Museum in unmittelbarer Naehe hat und…


…weiter unten eine schmucke Hausecke mit Erker.


Der Plaza Murillo mit dem Parlamentsgebaeude, die Hauptstadt ist jedoch Sucre


Cathedrale de San Francisco von aussen…


…und innen…


und hier das angegliederte Kloster der Kathedrale mit seinem sehenswerten Innenhof und Laubengang.

Der Witchmarket, hier findet man alles Eklige. Etliche Foeten, wie zum Beispiel von Lamas aber auch sonst alles was wir aus den Hexenmaerchen kennen… Die Frauen sind vorallem fuer den Verkauf der Hexenmitteli zustaendig, die Maenner sitzen auf dem Boden und lesen aus den Cocablaettern die Zukunft.

Dies ist eine Nussverkaeuferin, davon gibt es ebenfalls Unzaehlige in La Paz.

Es sind sowieso alle Trottoirs zu Laeden umfunktioniert. So richtige Supermercados, wie wir sie gewohnt sind gibt es nicht, hier kauft man alles auf der Strasse bei seiner „Haendlerin“ 🙂

Um nachts ebenfalls Geschaefte machen zu koennen, wurden kurzerhand die Strommasten angezapft und Steckdosen an den Masten installiert…

Ebenfalls ein sehr empfehlenswerter Besuch ist das Kokamuseum. Das Kokakauen hat ja in der Andenregion lange Tradition. In diesem Museum erfuhren wir aber nicht nur viel ueber den Gebrauch und die Wichtigkeit der Cocablaetter aus Sicht von Bolivien und den anderen Andenregionen sondern auch die gesamte Geschichte und Realitaet im Verhaeltnis zur westlichen Welt. Das war sehr aufschlussreich. Z.B. weigerten sich die Minenarbeiter ohne Cocablaetter in die Minen zu gehen und es wurde spaeter wissenschaftlich belegt, dass das Kauen der Cocablaetter nicht die Intensitaet der Arbeit steigert, jedoch der Erschoepfungszeitpunkt spaeter einsetzt. Wenn man bedenkt, dass die Minenarbeiter oft die 12 Stundengrenze der Arbeit ueberschreiten mussten, ist es verstaendlich, dass die zur Arbeitsverrichtung Cocablaetter brauchten. Pro Monat wurden so in den Minen von Potosi pro Monat soviel Cocablaetter verbraucht welches einen Gegenwert von 450kg Gold darstellte ! Dies fuehrte dazu, dass Coca so wertvoll wurde und die Spanier es als Zahlungsmittel einfuehrten.
1863 begann der Cocaboom, damals noch legal. Wusstet Ihr, dass z.b. das beruehmte Coca Cola zur Zeit seiner Erfindung und bis 1914 auf Kokabasis hergestellt wurde und die USA bis dahin pro Jahr 204t Cocablaetter importierten fuer die Herstellung von Coca Cola? Dies war 1/4 der Gesamtproduktion des Jahres! Durch die Erfindung des synthetischen Kokas in Deutschland erfuhr die Cocaindustrie der Anden einen herben Einschnitt. Im Jahre 1914 wurde Koka durch Harrison (USA) verboten und er meinte,der Stoff sei Schuld an der Armut der Suedamerikaner, da er sagte, das Kauen von Koka verursache mentale Stoerungen. Das ist der Untergang des legalen Exports der Cocablaetter und ein extremer Rueckschritt in die Wirtschaftsstaerke der Andenregionen. Doch auch heute noch, trotz strengen Gesetzen und Kampf gegen den Cocaanbau werden hier immer noch tagtaeglich Cocablaetter gekaut und gehandelt, doch die grossen Gewinne beim illegalen Drogengeschaeft werden in den industrialisierten Laendern eingestrichen…

Nein nein, da wird nicht ein Gangster verhaftet, das ist ein Schuhputzer von La Paz und von jenen gibt es Tausende! Praktisch an jeder Ecke spricht dich ein Maskierter an und versucht deine Schuhe zu putzen und das fuer nur 1 Boliviano, sind ungefaehr 15 Rappen!

Nach den 2 eindruecklichen Tagen in der groessten Stadt Boliviens, uebrigens ist La Paz auch die Stadt mit dem groessten Bevoelkerungswachstums in Suedamerika und das spuehrt und sieht man, liessen wir uns die Welt der Tiwanku(Tihuanaco) etwas naeher bringen. Die Tiahuanacos besiedelten das Gebiet nahe La Paz und bis nach Peru und Chile bis zu 2700 Jahren. Mit einer gefuehrten Tour fuhren wir zu den besten erhaltenen Ausgrabungsstaedten von Bolivien. Die Fahrt war wunderschoen, wir hatten eine super Sicht auf die Cordillera Real.

Zuerst gab es im lokalen Museum eine sehr interessante Fuehrung, wo wir das erste Mal mit der eindruecklichen, exakten Steinverarbeitung an verschiedenen Objekten konfrontiert wurden. Noch heute stehen die Wissenschaftler vor einem Raetsel, wie es den Tihuanacos moeglich war, die harten Steine wie Granit und schwarzer Basalt in solcher Exaktheit zu verarbeiten. Bis anhin ist erst 20% des Gebietes ausgegraben und man erhofft sich Hinweise im restlichen Teil des Gebietes indem man die Werkstaetten udn somit Ueberbleibsel der Werkzeuge vermutet. Denn diese beiden Gesteinsarten sind so hart, dass man sie nur mit Diamanten gut bearbeiten kann, aber Diamanten gab es in der Umgebung nicht.
Nach dem Museum ging es dann aufs „Feld“ in die bereits ausgegrabenen Ruinen und Ueberbleibsel der Pyramide. Davon blieb leider nicht viel uebrig.

Die Spanier und auch noch andere Arbeiter haben die abtransportierbaren Steine fuer neue Bauwerke wie die danebenliegende Kirche, die Franciskuskirche in La Paz und den Schienenbau verwendet! Auch hat es in der Mitte ein riesen Loch. Die Spanier vermuteten dort Goldschaetze und „schaufelten“ deshalb diese Grube. Ob sie jedoch etwas gefunden haben ist nicht bekannt. Der Tempel nebenan war so exakt auf die Astronomie ausgerichtet und erbaut worden, dass jeweils zur Sonnenwende die Sonnenstrahlen ganz speziell fielen und wichtige Gegenstaende beleuchtete.


der ausgekluegelte Tempel, teilweise immer noch von Gras ueberwachsen

Sehr beruehmt ist das Sonnentor welches ihr hier seht…

Urspruenglich war das Tor aus einem Stein gehauen und verziert worden. Mit Gold und Silber war es wie auch vieles andere geschmueckt, jedoch von den spanischen Eroberern gebrandschatzt. Dieser 4m breite und 3m hohe „Granitmocken“ ist 36 Tonnen schwer und wurde von der peruanischen Seite vom Titicacsee hierher gebracht. Wie ist wiederum ein Raetsel… Im Sonnentor ist zudem der heutige gebraeuchliche 365 Tage Kalender eingeritzt.


In einem „Seitenaltar“ ragen aus den Waenden verschiedenste Koepfe heraus, vermutlich wichtige Persoenlichkeiten…


Eine Statue, welche nicht enthauptet wurde, die meisten sind teilweise zerstoert da von den Spaniern im Innern Schaetze vermutet wurden.

Das Faszinierendste und heute noch ein Raetsel der Tihuanaco-Kultur ist ihre Bearbeitung des Gesteins. Sie vermochten Sandstein, Granit und sogar schwarzen Basalt so zu bearbeiten wie wir heute nur dank Computertechnik im Stande sind! Raetselhaft ist auch wie sie eine innenliegende, geometrisch exakte 90 Grad Ecke herausschleifen konnten. Fuer uns sieht es aus wie gegossener Beton 🙂 ist aber tatsaechlich Granit ! ! ! Seht selbst…

Die Tihuanaco lebten von ca. 1500 Jahren v. Chr. bis 1200 n. Chr. Man sagt, dass eine 90 jaehrige Duerre die Menschen aussterben liess und nicht wie von vielen behauptet von den Inkas ueberrant. Die Tihuanacos wendeten an dieser Fundstelle Erdbebensicherungen in ihre Gebaeude, d.h. sie verbanden die Steine mit Kupferschlaufen, um sie vor Erosionen zu schuetzen. Doch in diesem Gebiet gibt es absolut keine Erdbebenaktivitaet, deshalb wird vermutet, dass die Bauweise hier von einem anderen Tihuanacogebiet, in welchem es Erdbeben gab importiert wurde.


Beide Steinbrocken enthalten einen solchen Einschnitt, um sie mit Kupfer zu verbinden

Die Inkas profitierten spaeter vom Know-How in der Baukunst der Tiwanakus, denn in den zweihundert Jahren in welchen die Inkas „regierten“ waeren sie nicht faehig gewesen all ihr Know-How zu entwickeln. All dies sind jedoch nur Vermutungen, da bis jetzt keine Schriften gefunden wurden.
Doch falls jemand von Euch mal nach Bolivien faehrt, darf ein Besuch der Tihuanaco Fundstaette auf keinen Fall fehlen, wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus!
Zurueck in La Paz kriegten wir gerade noch eine Fuehrung in das Valle de la Luna. Dieses liegt am unteren Ende der Stadt, sage und schreibe 1100 Meter tiefer als El Alto…

Die Regenzeit von Januar bis April veraendert jeweils die natuerlichen „Skulpturen“ von Tag zu Tag.


Ein Kommentar zu ' La Paz und Tihuanaco '

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  1. lisa sagte:

    so ihr weltenbummler!
    eure reiseberichte sind immer noch top – keine spur von reisemüdigkeit- kommt ihr wirklich wieder? es hat uns gleich angemacht auch unsere tour in bolivien fortzusetzen.
    geniesst es noch und wir freuen uns auf die live-erzählungen
    liebe grüsse lisa und david

    10. Mai 2006 um 22:11

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