weltreis.ch

31. Mai 2006

Der Weg war das Ziel

Heute in zwanzig Jahren wirst du mehr enttaeuscht sein ΓΌber Dinge, die Du versaeumt hast, als ueber die, die Du getan hast. Also mach die Leinen los, verlass den sicheren Hafen, fang den Fahrtwind in Deinen Segeln. Forsche. Traeume. Entdecke.
(Mark Twain)

Wenn alle Deine Schuhe stinken, und Du nicht mehr weisst, was Du anstellen sollst, damit der Geruch wieder ertragbar wird, dann ist es Zeit, nach Hause zu gehen. Dies ist nun nach 42’529 Flugkilometern (welche wir selbstverstaendlich ueber www.myclimate.ch kompensieren), etlichen Bahnkilometern, vielen abenteuerlichen Busfahrten (und unzaehligen Reisetabletten), verschiedenen Mofas und Fahrraedern als Fortbewegungsmittel und durchgelaufenen Schuhsohlen der Fall. Der Weg war unser Ziel und wir haben das Ziel erreicht. Viele Aspekte der grossen weiten Welt haben wir neu erfahren, gelebt und genossen.
Wir haben auch viel ueber uns gelernt und koennen das Zuhause wieder viel intensiver schaetzen und geniessen. Neben den vielen Eindruecken die wir von unserer Reise mitnehmen und von denen ihr auf unserer Homepage den einen oder anderen miterleben konntet freuen wir uns auch wieder auf das alltaegliche Zuhause in der Schweiz und natuerlich darauf unsere Familien und alle unsere Freunde wieder zu sehen und ein Zuhause zu haben πŸ™‚
Hier einige Dinge, die fuer uns in der Schweiz so selbstverstaendlich sind, aber fuer viele auf der Welt ein unerreichbarer Luxus bleiben wird.

Du stehst unter die Dusche und es kommt warmes! Wasser. – Viele haben nicht mal fliessend Wasser im Haus oder der Naehe.
Es gibt einen Supermarkt und da kriegst du alles, was dein Herz begehrt. – Auch wenn es einen Supermarkt gaebe, Geld um das Lebensnotwendige zu kaufen ist trotzdem nicht vorhanden.
Du weisst immer, dass Du die naechste Nacht in einem bequemen, sauberen Bett verbringen wirst. – Viele die wir auf der Reise getroffen haben, haben gar kein Bett, einige nicht mal ein Dach ueber dem Kopf!
Du laeufst auf der Strasse, es kommt eine Pfuetze und du kannst sicher sein es ist vom Regen und nicht von woanders. 😯

Uns in Europa geborenen geht es doch eigentlich sehr gut. Wieso sind wir nicht mal halb so gluecklich wie viele Leute die wir unterwegs getroffen haben und aergern und beklagen uns ueber Lappalien?
Wir wollen uns dies immer wieder vor Augen fuehren und mehr versuchen uns an Kleinem zu freuen statt uns ueber Kleinigkeiten aufzuregen.

Natuerlich sind wir auch froh, dass uns gewisse Fragen in der naechsten Zeit nicht mehr so oft durch den Kopf schiessen, wie
– oh je, wo ist die naechste Toilette? (wenn man mal wieder dringend muss)
– soll das Papier nun in den Kuebel oder in die Schuessel? (auf der Toilette)
– wo finden wir etwas zu Essen, welches unser sensibler Europamagen vertraegt?
– wo kriegen wir wieder Geld?
– wo und in welcher Aufteilung soll ich das eben besorgte Geld verstecken?
– wie kommen wir am Besten von A nach B?
– und, und, und…

Wir werden es auch geniessen, unser Kopfkissen zu haben, welches keinen steiffen Nacken gibt, in Bettwaesche zu liegen, welche mehr als einmal pro Jahr Wasser sieht, nicht staendig auf den Boden schauen zu muessen um nicht in Hundekacke zu treten und sich als Gringo wehren zu muessen dass man nicht uebers Ohr gehauen wird oder benachteiligt wird! Wir sind ja so verwoehnt und schaetzen gar nicht mehr so richtig, was wir haben.

Aber die Erlebnisse und Begegnungen unserer Reise moechten wir auf keinen Fall missen und die kann uns auch niemand mehr nehmen. Sie werden uns im Alltag immer belgeiten und als kleine Anekdoten wieder in Erinnerung kommen und uns hoffentlich im Alltag immer wieder daran erinnern, wie gut wir es eigentlich haben.

Wir moechten uns bei Euch fuer Eure Treue zu unserer Homepage bedanken, dass Ihr uns auf unserem Weg begleitet habt und uns ab und zu auch mit heimatlichen Gruessen und Neuigkeiten beglueckten.

Diese Homepage wird noch etwas weiterlaufen, wir werden noch eine neue Rubrik mit Informationen aufschalten (fuer andere Reisende und vielleicht gehoerst Du ja auch bald dazu?)

und Euch natuerlich auch die Koordinaten der Welcomeback-Party bald hier preisgeben.
Auch den Diavortrag koennt ihr nicht verpassen, wenn ihr ab und zu hier wieder reinschaut.
->Bleibt also am Ball…nicht nur mit der Nati sondern auch bei uns πŸ™‚ πŸ˜€ πŸ˜†

Wir sehen uns.


30. Mai 2006

…und nun ab nach Hause

Auf der Busfahrt nach Lima genossen wir nochmals die wuestenaehnliche Landschaft, wussten wir doch, dass wir in ein paar Tagen wieder in uns bestens vertrauten gruenen Umgebungen herumkurven werden.

Auch fuer Katja war diese letzte laengere Busfahrt nicht so schlimm, da sie ja wusste, dass sie bald im Flieger sitzen wird wo auch sie wieder lesen kann. Dass dann alles anders kam als wir dachten, wussten wir zu dieser Zeit noch nicht…

Etwas bedrueckt fuhren wir auf dieser Reise nochmals an Slumsiedlungen vorbei. Diese Leute haben nichts, die meisten nicht mal ein Dach ueber dem Kopf sondern nur ein Bastwaendchen um sich etwas abzuschirmen.

Zuerst begutachteten wir den Stadtteil Miraflores mit modernen Gebaeuden und Shoppingkomplexen. Seit Santiago hatten wir keinen so modernen Stadtteil mehr gesehen. Ueberall Kinos, internationale Restaurants und Shoppingstrassen. Der Bau an der Klippe, ein Aushaengeschild von Lima, Larcomar war ein schoener Abstecher vom hektischen Verkehr in Lima.


Larcomar…


…in solch einem Gebaeude zu Hausen muss ein warer Genuss sein.

Einen etwas kleineren Genuss goennten wir uns aber fuer die letzte Nacht unserer Weltreise. Wir hatten im Sheraton Lima Hotel & Casino reserviert.


Sheraton Hotel & Casino Lima (ok, zugegeben, von aussen macht es einen etwas schaebigen Eindruck, doch innen…)

Natuerlich konnten wir dies dem Taxifahrer nicht schon am schaebigen, lokalen Busbahnhof, wo wir mit dem letzten Lotterbus ankamen, unter die Nase reiben. So fragten wir etwas diskreter nach dem Preis ins Zentrum, denn das Sheraton liegt mitten im Zentrum. Als er uns einen vernueftigen Preis nannte, stiegen wir ein und nach kurzer Fahrt nannten wir ihm die Adresse. Dem Fahrer fiel fast der Kiefer aufs Steuerrad. Er fragte waehrend der kurzen Fahrt noch zweimal nach, ob wir dort eine Reservation haben. Der Portier kam uns schon entgegen und das einzige mal liessen wir uns unser Gepaeck abnehmen und dann spaeter aufs Zimmer bringen, das war bereits ein recht komisches Gefuehl. Als wir dann unser Zimmer sahen wussten wir, dass wir diesen letzten Tag und die Nacht in vollen Zuegen geniessen koennen.


im Atrium blieb uns fast der Atem weg!


unser Zimmer

Katja musste natuerlich ziemlich schnell das Kingsize Bett testen…


…und beim fuenften Testlauf schaffte es dann auch Stephan, im richtigen Augenblick abzulichten.

Leider war es zu kalt zum Baden, aber die Liegstuehle mussten trotzdem getestet werden πŸ˜‰

Und sogar eine Schweizer Fahne wehte uns entgegen, das liess unsere Herzen hoeher schlagen.

Doch wir wollten auch an unserem 304-ten Tag auf unserer Reise noch etwas mehr von der Stadt sehen und noch einige Einkaeufe erledigen, so zwangen wir uns, das Zimmer nochmals zu verlassen. Wir spazierten zum Plaza San Martin und weiter die Fussgaengerpassage zum Plaza de Armas


Die Fussgaengerzone


die Hauptpost mit wunderschoener offener Gallerie


das Regierungsgebaeude


die Kathedrale


eine wandelnde Ballontruppel

Das Kloster San Francisco wollten wir uns nicht entgehen lassen da es als sehenswert eingestuft wurde. Wir schnappten eine der letzten Fuehrungen und tauchten nochmals in die Welt eines Klosters ein.

Die Bibliothek entfuehrte uns etwas in die Welt von Harry Potter

Die Innenhoefe sind mit schoenen, farbenfrohen Kacheln dekoriert, wie etwa in Sevilla. Sie wurden auch von dort importiert.

Am Schluss besuchten wir die beruehmten Katakomben dieses Klosters, eine knochige Angelegenheit. Viele Grabgruben mit sortierten Knochen. In der einen waren nur Schaedel, in der naechsten hunderte von Oberschenkelknochen und das bis zum Abwinken. Am Schluss der Tour das Highlite eine runde Grube mit einem „Kunstwerk“ (wir konnten uns dafuer nicht sehr begeistern).

Dann machten wir uns noch etwas auf um die letzen Souvenire zu kaufen


obwohl es sehr viel Kitsch hatte


wurden wir doch noch fuendig

Das Nachtessen genossen wir dann im Sheraton und nachdem Stephan, der sich fuers Buffetnachtessen entschieden hatte, zum drittenmal Hauptspeise holte, fielen wir doch etwas auf. Wir hatten eigentlich eher gedacht, dass wir wegen unseren Backpackerkleidern auffielen, obwohl, wir hatten unsere einzige Bluse/Hemd fuer diesen Aufenthalt gespart, doch gegen die Amis mit ihren Jogginghosen und Baseballmuetzen und die Japanerin mit den Pijamahosen hatten wir keine Chance πŸ˜‰

Danach genossen wir noch weitere Service wie das Internet und natuerlich das Fernseher bevor wir im Supersizebett nochmals trauemend unsere Reise durchlebten.

Das Fruehstueck am naechsten morgen war wieder sensationell und wir brauchten unsere Zeit, uns durch fast das ganze Angebot zu kaempfen. Da wir fuer diesen Tag nicht mehr viel fuer Sehenswuerdigkeiten uebrig hatten (Lima hat auch nicht so viel Sehenswertes) nahmen wir endgueltig Abschied von Lima, Peru und somit von ganz Suedamerika

und liessen uns von einem Hotelchauffeur zum Flughafen fahren. Unsere einzige angenehme Taxifahrt in Lima in diesem verrueckten Verkehr. Wir waren viel zu frueh dort und verbrachten unsere zeit nochmals etwas mit shopping, Langweilig wurde es uns nicht…
Als wir 50 Minuten vor Abflug zum Gate kamen (laut Ticket stand wir muessten 1,5 Stunden vorher dort sein, doch wir nahmen diese Zeitangabe auf suedamerikanische Art auf) war dann auch schon reges Treiben. Immer wieder wurden spanische Nachnamen runtergelesen, welche sich am Schalter melden mussten.
Fuenf Minuten vor Einsteigezeit wurde uns dann recht mulmig zumute, als zuerst Katjas, kurz darauf auch Stephans Name aufgerufen wurde. Katja packte die zwei Tickets und machte sich auf zum Schalter. Im Kopf schmiedete sie sich einige Argumente zusammen, wieso wir unbedingt auf diesen Flug muessen.
5 Minuten spaeter stand sie mit zwei neuen Tickets da, wir wurden upgegradet in die Businessclass. Wir konnten unser Glueck zu Beginn gar nicht recht fassen und begreiffen. Unser laengster Flug auf der gesamten Reise, 11.5 Stunden und wir durften den Komfort der Businessclass geniessen!
Die Sitze waren so bequem und mit so viel Beinfreiheit, es gab etliche Knoepfe zum rumdruecken, Fernseher fuer jeden, mit DVD, Internet usw.


der Sitz…


…und die Bedienung dazu

Das Essen war fantastisch, die Weinauswahl der Hammer (wir mussten natuerlich alles versuchen) und geschlafen haben wir wie die Herrgoetter… kein Wunder, in dieser Lage.

Mehr als die Haelfte des Fluges haben wir verschlafen (wenn man denn schon mal schlafen kann, dann muss man es ja auch ausnuetzen πŸ˜‰ ). Zwischendurch kurz aufgewacht, sich an der Nachtbar verkoestigt und wieder ab in die Klappe.

Als wir dann erwachten vom feinen Brotgeruch waren wir bereits ueber Lissabon.


Lissabon

Der letzte Flug von Madrid nach Zuerich war dann eine kurze Angelegenheit. Obwohl es Katja vor Nervositaet ewig vorkam und Stephan der Platz diesmal extrem eng schien ;-), doch die alte MD-87 hat uns sicher zurueck in die Schweiz gebracht und was uns dort erwartete war besser als wir uns je traeumen liessen. Ein sehr herzlicher, emotionaler Empfang hiess uns in der Heimat wieder willkommen. πŸ™‚
Vielen herzlichen Dank fuer den MEGA Empfang πŸ™‚ πŸ˜› πŸ˜†


27. Mai 2006

Galapagos fuer die Armen…

Der naechste Stop machten wir in Pisco, bekannt fuer den peruanischen Pisco Sauer. Doch daneben in Paracas dem Nationalpark (der einzige Nationalpark in Peru welcher Land und Meer miteinschliesst) und vorallem auf den Islas Ballestas eine fantastische Tierwelt zu betrachten. Wir buchten uns gleich wieder eine Bootstour und fuhren am nachsten Morgen aufs Meer hinaus. Schon bald zeigten sich uns die ersten Delfine. Da es aber nur mit der Spiegelreflexkamera wirklich ab und zu ein Glueckserlebnis von einem Schnappschuss gab, legte Katja die Digicam bald weg und genoss das Getummel der Delfine einfach so.

Schon bald kreuzten wir ein altes Schiff, welche Vorboten spielten, was wir auf den ausgelagerten Inseln erwarten duerfen.

Nach einer kuerzeren Schussfahrt in ruhigen Gewaesser wurden wir nochmals an eine Zeichnung gefuehrt, welche im Sand erstellt wurde. „El Candelabro“, auch hier weiss man nicht, wer sie erstellt hat und die Historiker streiten sich um die richtige Theorie, wir staunten nur und versuchten das geheimnistraechtige Objekt ins Bild zu fassen. Als dann alle der chinesischen Reisegruppe ihr obligates Bild mit sich und dem Candelabro gemacht hatten (die sind schlimmer als die Japaner!) ging es weiter zu den Islas Ballestas.


el candelabro

Schon von weitem kann man die Voegel sehen und auch hoeren. Es gibt ca. 10 verschiedene Arten auf diesen felsigen, verklueffteten, wunderschoenen Inseln und obwohl es eigentlich kein Naturschutzgebiet ist, wird es von der Regierung geschuetzt und mit zwei Arbeitern (welche auf den Inseln wohnen) werden die Voegel beobachtet.

Frueher war die Vogelscheisse ein Exportprodukt und konnte als Duenger verkauft werden. Dafuer wurde er mehrmals jaehrlich von den Inseln abgekarazt und da es soviele Voegel gab, war die Schicht mit einer Dicke von 20 Zentimeter betraechtlich. Heute wird nur noch alle 5 Jahre „gereinigt“ erstens weil die Inseln unter Staatsschutz stehen und zweitens, weil die Erfindung des synthetischen Duenger den Export verschwinden liess, heute wird nur noch in Peru intern diese Art von Duenger verwendet.

Neben Voegeln gab es aber auch noch andere Genossen, welche uns in den Bann zogen. Da waren erstmal die Seeloewen, welche ebenfalls lautstark um unsere Aufmerksamkeit buhlten und dann etwas versteckt die kleinen Humboltpinguine. Und zu unserer Freude zeigte uns der Fuehrer sogar ein paar Junge, die waren noch viel niedlicher.


Humboltpinguine


…und noch ein herangezoomtes Pinguinli, extra fuer d’Laila πŸ™‚

Auch die Landschaft um die verschiedenen Inseln waren herrlich. Viele der Inseln sind unterspuehlt oder haben kleine Loecher und an den Felswaenden konnten wir auch riesige Seesterne, Meeressonnen (sehen eigentlich auch aus wie Seesterne, aber haben mehr Arme und sehen deshalb aus wie sonnen) und …krabben beobachten. Bevor es dann zurueckging, fuhren wir Richtung Greatbeach, ein sehr langer Strand voller Seeloewen.

Auf dem Weg dorthin wurden wir nochmals Zeuge eines unglaublichen Naturschauspiels. Als wir unter der einen Klippe einer Insel durchfuhren sahen wir Millionen von Kormoranen ins Meer hinausfliegen, alle in dieselbe Richtung! Und es kamen immer mehr nach, woher der nachschub kam war uns etwas raetselhaft. Es scheint, als waere die gesamte Flaeche dieser Insel voller Kormorane. Und alle laufen bis in die selbe Richtung in Gaensemarsch bis zu dieser Klippe und starten dann ihren Flug. Wenn du nach oben in den Himmel guckts ist dann alles voller schwarzer Punkte und bis in weite Ferne kannst du den Strom mitverfolgen. Einfach fantastisch.


die Fliegerstaffel von den Islas Ballestas πŸ˜‰

Der Fuehrer erzaehlt uns, dass es vor dem „El Nino“ ueber 20 Millionen Voegel auf diesen Inseln gab. Doch da das Plakton durch die extreme Wassererwaermung abstarben, migrierten die Fische in kuehlere Gewaesser oder starben und somit hatten auch die Voegel, welche in der Nahrungskette eine Stufe weiteroben folgen, keine Nahrung mehr und migrierten oder verendeten. Nach dem „El Nino“, welcher hier fast 10 Monate anhielt, wurden noch knapp 2 Mio. Voegel gezaehlt. Mittlerweile hat sich der bestand wieder etwas erholt, aber 20 Mio werden es warscheinlich nie mehr werden.

Danach fuhr uns unser Boot zurueck nach Paracas, wo der zweite Teil der Tour folgte. Zuerst wurden wir auch hier von wunderschoenen Pelikanen begruesst.

Dann fuhren wir weiter in den Nationalpark Paracas. Hauptsaechlich besteht dieser Park aus Wueste, Kuestenlandschaft, Unterwasserwelt und einem Museum, um den Leuten den groessten Feind der Tierwelt bewusst zu machen, den Menschen. Es ist sehr wichtig, dies immer wieder zu erwaehnen und zu veranschaulichen, dass schon ein kleiner Zigarettenstummel das Ende durch versticken fuer einen Fisch oder Pinguin bedeuten kann oder das aufschrecken von Jungtieren, durch zu Nahes beobachten, das Tier zu frueh aus das Nest verlaesst und verhungert, da es selber noch nicht ueberlebensfaehig ist.
Beim Aussichtsturm, um von weitem die Flamingos zu beobachten, wurden wir dann leider gerade Zeuge des Feindes der Tiere. Ein reicher Motorbootsbesitzer nahm fuer sich das Recht in Anspruch, die Tiere naeher zu sehen als alle anderen und verscheuchte so alle Flamingos aus dem seichten Gewaesser. Sie flogen weiter weg und waren von Auge kaum mehr sichtbar vom Turm her πŸ™
Die Kueste hier ist auch sehenswert. An einem Ort hat das Meer den Fels so ausgewaschen, dass ein Bogen entstanden ist. Weil die Decke mit seiner Woelbung darin an eine Kirche erinnert wird diese Felsformation „la catedral“ genannt.

Dort konnten wir auch noch Fischer beobachten, welche die teuren Seabass und Rockbass unter sehr gefaehrlichen Bedingungen fangen. Die meisten Klettern die steilen Klippen hinunter und halten sich an den unteren Kliffen auf, wo sich die Wellen brechen. Einer bevorzugte die Distanz, ob dieser jedoch viel fing und wie lange seine Angelschnur war wissen wir nicht.

Nach einem kurzen Abstecher zur Red Beach, welcher die Farbe durch die Oxidation des eisenhaltigen Gesteins erhaelt, ging es dann ab ins Restaurant.

Als wir dann unseren herrlichen Fisch im Restaurant verspiesen hatten ;-), natuerlich einen Seabass, verbrachten wir die restliche Zeit damit, den Pelikanen und Fischern zuzusehen. Es war gerade die Zeit, in der die Fischer zurueckkamen. Und die Pelikane wissen genau, dass es dann ab und zu Resten fuer sie gibt. Jedes Boot wurde somit in den Hafen begleitet oder dort schon erwartet.

Am naechsten Morgen machten wir uns auf nach Lima, der Endstation unserer Reise…


24. Mai 2006

Nazca und die geheimnisvollen Linien

Fuer den heutigen Tag hatten wir ein kompaktes Programm. Im Hostel kriegten wir ein Superangebot und konnten somit die interessantesten Sehenswuerdigkeiten in und um Nazca an einem Tag besichtigen. Schon frueh morgens ging es los zum Flughafen. Katja war etwas mulmig zumute, erstens, da sie doch noch nie in solch einem kleinen Flieger sass, zweitens weil sie nicht wusste, ob sie den peruanischen Flugkuenstlern vertrauen soll und drittens, da sie bereits in eingen Berichten von der Flugart gehoert hat, welche die Piloten anwenden, um jedem Touristen die Zeichungen in gleichem Masse zu zeigen (fast wie auf einer Achterbahn). So nahm sie wie normalerweise fuer Bus- und Schifffahrten zur Vorbereitung auch fuer diesen Trip Reisetabletten, damit es ihr sicher nicht schlecht wird und sie die Nazca-Linien gar nicht geniessen kann. Stephan kriegte den Co-Pilot Sitz und Katja sass gleich dahinter neben einem anderen Touristen. Als der Tower uns die Starterlaubnis gab, flitzten wir ueber die Startpiste und mit nur 100 km/h stiegen wir in den Himmel.

Schon kurz nach dem Abheben zeigt uns der Pilot die erste Figur auf der rechten Seite, die Trapezoide (oder Landebahnen nach Erich von Daeniken). Nach einem heftigen Seitenwechsel konnte auch die linke Seite die Figur bestaunen. Ungefaehr 100 Meter ueber Boden ging es dann im Minutentakt so weiter. Faszinierend diese Zeichnungen, denn vom Boden aus sind sie ueberhaupt nicht zu erkennen. Der Flug war wirklich eine Art Achterbahn… rechts – links- bisschen gerade aus rechts- links usw….. πŸ™„


der Astronaut begruesste uns


dann kam ein Trapezoid, „Erich von Daenikens“ ausserirdische Landebahn (dieser Schweizer ist leider hier sehr unbeliebt, da er den Nazcenos das erstellen dieser beruehmten Zeichnungen widerlegen will)


der Affe


und der Kolibri

Nach gut 40 Minuten war dieses Abenteuer dann auch schon wieder vorbei. Es hat mega Spass gemacht mit solch einem kleinen Sportflugzeug zu fliegen. Dank der Reisetablette konnte auch Katja diesen Flug in vollen Zuegen geniessen.


und dann der spektakulaere Landeanflug, huch, das da unten ist doch unsere Piste, und wir sind noch soooooooo hoooooch πŸ˜•

Kaum waren wir im Hostel zurueck ging es mit der naechsten Tour weiter. Wir fuhren zu den beruehmten Chanchilla Graeber. In dieser kargen Wuestenlandschaft wurde ein Friedhof der PraeInkas gefunden.
Den Mumien wurden zuerst die Innereien entfernt, dann wurden sie einbalsamiert, zuoberst mit einer Schicht Aji (Chilischoten), damit sie vor Tieren und Insekten verschont blieben. Danach wurden sie in phoetaler Position in gutes Textilgewebe eingepackt und zugebunden. Die phoetale Position war fuer die Inkarnation in einer anderen Welt, sowie auch die Grabbeigaben Toepfe und Schmuck. Alles gut fuer die Wiedergeburt vorbereitet. Die meisten Graeber in Chanchilla sind von reichen und einflussreichen Leuten, bei welchen die rechteckige Grabform verwendet wurde. Die aermeren Leute haben kreisfoermige Graeber. In all diesen rechteckigen Graebern sind (oder waeren wenn die Grabraeuber nicht alles zerstoeren wuerden) die Mumien sehr gut erhalten. Manchmal bis auf die Haare ist alles noch sehr gut zu erkennen.


mit noch weiteren dieser Bilder moechten wir Euch nicht den Appetit verderben…

Leider wurden die meisten Graeber von Grabraeubern, welche sich sofort saemtlichen Kostbarkeiten wie Schmuck, Vasen, Gold und Textilien bemaechtigten, gepluendert. Noch heute graben die skrupellosen Raeuber jede Nacht nach versteckten Wertsachen und da der Stadtregierung das Geld fuer Nachtbewachung fehlt, haben diese Grabraeuber leider sehr leichtes Spiel. Das Resultat davon sieht so aus…

… eine Schande ! Auf dem Rueckweg schauten wir noch kurz bei einer Toepferei vorbei, welche die zerstoerten Tongegenstaende wieder auffrischt und auch neue Toepfe und Behaeltnisse nach alter Art herstellt. Noch heute werden dafuer die Techniken angewandt wie vor 500 Jahren, zur Zeit der Inkas.
Der Ofen, in welchem die Gegenstaende gebrannt werden ist ein Erdloch ausgekleidet mit Steinen. Zuunterst kommt eine Schicht Holz, dann Steine, die Toepfe und zugedeckt werden sie mit 20 kg Holz, welches ebenfalls angezuendet wird und alle zwei Stunden erneuert werden muss. Darauf wieder Steine. Nach 16 bis 18 Stunden ist der Brennvorgang vollendet.


die fertigen Produkte duerfen sich sehen lassen!

Danach besuchten wir noch die Goldschuerfer der Region. Die Arbeiter sind selbstaendig und verbringen meist ca. 4 Tage bis eine Woche in den Minen. Danach bringen sie das gefoerderte Gestein in die Verarbeitungsanlage, welche ihnen von den Anlagebesitzern zur Verfuegung gestellt werden. Dort wird das Gestein zuerst fein gmahlen, dann mit Wasser und Quecksilber vermischt und mit grossen Steinen gemalen. Das Quecksilber verbindet sich dann mit dem feinen Goldstaub. Danach wird dieses Gemisch (Goldamalgam) gewaschen und erhitzt, damit wird das Gold vom Quecksilber getrennt (Quecksilber entweicht durch die Luft) und das reine Gold kann nun verarbeitet werden. Vom gewonnen Gold, muessen die Minenarbeiter 70%! an den Anlagenbesitzer abgeben, nur 30% koennen sie selber behalten. Ein sehr grosses Problem besteht auch darin, da durch die Wasserarmut hier das mit Quecksilber verwendete Wasser etliche Male wiederverwendet wird und natuerlich wie ueberall, am Schluss im Grundwasser endet!


ein Goldgraeber bei der Vermischung des Quecksilbers mit dem Goldstaub im Wasser


die gesamte Anlage, manchmal ist sie vollstaendig belegt

Nach einem kurzen Mittagessen kam noch unsere dritte gebuchte Tour an diesem Tag an die Reihe πŸ™‚ Wir fuhren wiederum mit Jesus, unserem Guide, zu den Aequadukten.


Er konnte erzaehlen ohne Luft zu holen und ist selber so fasziniert von der Geschichte von Nazca, dass man ihm stundenlang zuhoeren koennte. Er ist ein 100% Nazceno, wie er uns immer wieder versichert und vorlebt πŸ˜‰


und sein Fahrzeug, auch ein Unikat

Auf der Fahrt zu den Aquaedukten zeigte er uns noch eine zerstoertes Dorf der Ureinwohner, doch dies war so schlecht erhalten, dass nicht einmal mehr die Ansaetze eines Hauses zu erkennen war und daher auch kein Foto wert. Danach gab es noch einen laengeren Besuch bei „The Needle“ einer weiteren beruehmten Nazcafigur, welche man von einem ca. 10 Meter hohen Huegel sehen kann, von der Ebene jedoch nicht zu erkennen war. Damit wollte uns Jesus die Theorie von Maria Reiche veranschaulichen, welche ueberzeugt ist, dass all diese Figuren hier von den nazcenos selber geschaffen wurden. Sie meint, die Leute haetten einen tragbaren 10Meter hohen hoelzernen Turm gebaut, denn aus dieser Hoehe ist auch die groesste Figur zu erkennen (dies zur Widerlegung von „von Daenikens“ Theorie, welcher sagt, das muessten Ausserirdische gewesen sein, da sie in dieser Zeit die einzigen waren, welche fliegen konnten und somit auch die Einzigen waren, welche die Figuren in ihrer Groesse erkennen konnten.
Doch welche Theorie die richtige ist, weiss niemand.


the needle

Danach gings weiter zu den Aequadukte, ebenfalls von den PraeInkas erbaut, diese waren sehr eindruecklich. Nazca liegt in der Wueste und somit haben sie ein grosses Wasserproblem. Daher bauten sich die Vorfahren Wasserkanaele. Doch diese fassten unterirdischen Wasser von den Bergen oben, keine offenen Quellen (dies der grosse Unterschied zu den roemischen Aquaedukten), von den Anden herunter bis nach Nazca. Seither wurde das Land durch mehrere Erdbeben erschuettert, doch die genial konstruierten Aequadukte blieben von der Zerstoerung verschont. Durch das Aufeinanderschichten von Bollensteinen wurde gerade eine Erdbebensicherung eingebaut πŸ™‚


die Tuere des Kanals


um die Geschwindigkeit des Wassers zu verlangsamen, bauten sie etliche Kurven in den Kanal

Da Zwischendurch ein Huegel im Weg war, bauten sie kleine Tunnels und zwar nur mit einer Querschnittsgroesse, dass das Wasser beim Hoechststand knapp unter die Holzdecke reichte (ansonsten waere die Decke morsch geworden und irgendwann eingestuerzt). Zudem wurden ca. alle 20 Meter eine Oeffnung (Fenster genannt) in verschiedenen Formen (Spiralen oder Kreise) konstruiert, damit der Kanal bei Niedrigwasser gereinigt und kontrolliert werden konnte und die dadurch angesogene Luft das Stroemen des Wasser unterstuetzt.


das Innere von einem „Fenster“ zum naechsten

Dann ging auch dieser sehr intensive Tag mit 3 Touren zu Ende, ist ganz schoen anstrengend sich so lange zu konzentrieren πŸ™„

Ein weiteres Sujet, welches momentan wieder ganz extrem ins Auge springt und wir mal ins Bild fassen wollten sind die vielen bemalten Waende, welche uns auch staendig auf den Busfahrten begleiteten. Am naechsten Sonntag ist in Peru die zweite Runde der Praesidentenwahl und fast alle Waende werden dafuer mit Parolen der Kandidaten bemalt. An einigen Waenden kann man sogar noch die Parolen vom Wahlkampf 1990 (Fujimori) entdecken.

Was uns auf unserer Fahrt nach Pisco dann auch sehr erstaunte waren die vielen Baumwollhuegel an den Strassenhaendlern, es war gerade Erntezeit. Und in dieser Region ist neben Tourismus, Aji (Chilischoten), Gold, Kupfer auch Baumwolle ein Exportgut.


so sehen die Baumwollknospen vor der Bluete aus


20. Mai 2006

Ob die Inkas auch so geschwitzt haben?

Mir haend jo gseit, mir gaend Gas! πŸ™‚

Zuerst hatten wir geplant, den Inkatrail zu laufen. 4 Tage lang. Dieser war jedoch ausgebucht. Dann wollten wir eine alternative Route unter die Fuesse nehmen, den Lares Trek ebenfalls bis zum Machu Picchu, doch nach einigen Eintageswanderungen in der letzten Zeit, wurde uns bewusst, wie stark unsere Muskulatur in den letzten fast 10 Monaten geschwunden ist, und es keinen Sinn machte, diesen Trek zu versuchen, es waere eine reine Qual geworden. So liessen wir den Verstand walten und entschlossen uns, mit dem Zug nach Aguas Caliente (auf Deutsch: warmes Wasser πŸ˜‰ ) zu fahren und nur eine zwei Tagestour zum Machu Picchu zu unternehmen.
Im Nachhinein muessen wir sagen, sind wir sehr froh haben wir diese Entscheidung getroffen, denn die meisten die wir nach 4 Tagen Inka Trail sahen, konnten kaum mehr gehen und den schlussendlichen Besuch in der Staette Machu Picchu (ebenfalls mit vielen Aufstiegen und Abstiegen und vorallem Treppen) konnten sie gar nicht mehr richtig geniessen. Da bist Du endlich am Ziel, kannst nicht mal den offiziellen Inkatraileingang nehmen (denn dieser ist wegen stetigen Steinrutschen gesperrt worden) und jede Treppe um den Machu Picchu zu erkunden ist mit unglaublichen Qualen verbunden.


Treppe in Machu Picchu, die koennen nach dem Inkatrail zur Hoelle werden…

Wir stiegen somit fruehmorgends um 6 Uhr nach einer sehr kurzen Nacht in den Backpacker Zug, welcher uns in 4 Stunden nach Aguas Calientes bringen sollte. Die Reise war sehr kurzweilig und die Landschaft wunderschoen. Bereits der Aufstieg im Zick Zack, um den extremen Hoehenunterschied zwischen dem Tal, indem Cusco liegt und den Bergen, welche ins Tal des Urubamba fuehren zu ueberwaeltigen, bescherte uns herrliche Blicke ueber die Stadt Cusco.


Cusco mit den ersten Sonnenstrahlen


unser Zug nach Aguas Caliente

und vorbei an herrlichen Landschaften…


… und anderen Inka-ruinen

Bei Kilometer 82 stiegen dann die Gruppen fuer den Inkatrail aus. Ein weiterer Stopp gab es noch kurz vor Aguas Caliente, fuer weitere Gruppen, welche nur den letzten Teil des Inkatrails liefen, dann kam das chaotische, ins Tal gequetschte, mit Hotels und Hostels ueberhaeufte Aguas Caliente.

Wir bezogen unsere Unterkunft und informierten uns dann, ob es moeglich sei den Putucusi „Huegel“ hinauf zu wandern, denn wir hatten in unserem Fuehrer gelesen, dass man von dort einen herrlichen Blick auf den Machu Picchu hat. Er meinte, dies sei gut moeglich, aber wir sollen noch vor dem Mittagessen gehen, mit vollem Magen sei es nicht so angenehm. Wir rechneten aus, dass dies vor 2 Uhr noch zu schaffen sein muesste, denn er sagte, fuer den Aufstieg habe man ca. 45 Minuten.
So machten wir uns bereit und liefen los. Zuerst geht es ca. 5 Minuten auf den Gleisen bevor wir den Weg rechts ansteigen sahen.


Der „scheinheilige“ Anfang auf den Gleisen

Zuerst ging es wie in der Schweiz ueber Stock und Stein etwas hoch, wieder runter, alles im Wald. Dann kam die erste Ueberraschung. Wir standen vor einer Holzleiter mit feuchten Pfaehlen als Querbalken und einem Drahtseil (dies auch nicht bei allen Leitern!). Die erste ging ja noch. Die zweite war dann ca. 20m lang und fast senkrecht an eine Felswand gebaut.


Stephan am kraxeln, da hat er noch Einiges vor sich! So was haben wir noch nie gesehen ! ! !

Stephan schaetzte die Neigung auf zwischen 80-85%! Mitten drin hatte es dann zur Erschwerung noch einen Baum, der auf die Leiter gekippt war und durch den man sich in dieser Steigung durchschlaengeln musste, ein Wahnsinn, aber wir haben auch diese Huerde hinter uns gebracht. Als wir dann oben an der Leiter standen und nach unten schauten (nicht empfehlenswert!) sahen wir nur die naechsten 15 Tritte, der Rest verschwand in der Tiefe…

Im weiteren Verlauf stiessen wir noch auf 3 weitere Leitern, einen Felsvorsprung, welcher man nur mit Hilfe eines Drahtseiles, an dem mach sich hochziehen musste, ueberwinden konnte und Bruecken mit Pfaehlen, welche schon halb morsch waren. Nach diesem Gratisadventuretrip hatten wir die ersten 300 Hoehenmeter in ca. 15 Minuten hinter uns gebracht. Und wir wollten gar nicht daran denken, was fuer ein Gefuehl das dann erst sein sollte, die Leitern wieder nach unten zu klettern. Danach waren nicht mehr Leitern angesagt, sondern unsere heissgeliebten Treppen. Als sich der Wald lichtete sahen wir auf Aguas Caliente und ins andere Tal hinunter, doch von Machu Picchu war nichts zu sehen. hinter uns in den Gipfeln der uns umrundenden Bergen hingen bereits die Wolken. Wir konnten nur hoffen, dass es nicht zu regnen beginnt, denn das wuerde dann noch glitschiger und sehr gefaehrlich werden…


auch die Treppen waren sehr steil

Wir kaempften uns immer weiter die Treppen und die Pfade hoch, doch der Gipfel wollte einfach nicht naeher kommen. Die Sonne verschwand zeitweise schon hinter den Wolken und da Katja immer in kuerzeren Abstaenden Pausen brauchte schickte sie Stephan schon mal voraus, in der Hoffnung, er schaffe es noch, ein Bild von Machu Picchu in der Sonne zu schiessen. Nach quaelenden 70 respektive 75 Minuten (wer war wohl langsamer 😎 ) Aufstieg hatten wir die 480m Hoehendifferenz ueberwunden (ihr koennt Euch nun selber ausrechnen wie steil das sein musste um in so kurzer Zeit diesen Hoehenunterschied zu bewaeltigen). Zwischendurch kroch Katja fast auf allen Vieren durch die Buesche die Treppen hoch. Doch der Blick, der sich uns bot liess uns unsere Qualen schnell vergessen. Vor uns in seiner vollen Pracht „Machu Picchu“ ganz fuer uns alleine (und bis zum Gipfel siehst du ihn nie).

Wir legten uns auf einen Stein und ruhten uns mit gefesseltem Blick auf diese Staette aus. Danach waren einige Photos angesagt, bei denen wir sehr viel Spass hatten, denn es war eine grosse Herausforderung, den Machu Picchu nicht zu verdecken und trotzdem uns beide aufs Bild zu kriegen. Hier das erste gelungene Bild nach ca. 5 Versuchen :-).


wie ihr seht, hat es auch Katja noch geschafft ihn bei Sonne zu sehen, ja ok, zugegeben, etwas abgekaempft sehen wir schon aus (vorallem Katja mit der roten Schuessel 😳 ), aber wir moechten Euch mal sehen nach diesem Aufstieg…

Nach einer Weile wurde die Ruhe leider durch 4 Argentinier gestoert, welche den Aufstieg ebenfalls geschafft hatten. So unvorbereitet kommen warscheinlich nicht viele auf diesen Berg. Sie hatten kein Wasser dabei und mussten sich von uns welches borgen,da sie ebenfalls extrem geschwitzt hatten und der eine hatte doch tatsaechlich nur Flip Flops! an. Wie der wohl den Abstieg schaffen wird, fragten wir uns!
Da erstens die Ruhe mit dem Ankommen der Argentiniern verflogen war und wir auch fuers Mittagessen rechtzeitig zurueck sein wollten (nach so einem Ausflug braucht man einfach was richtiges zwischen die Zaehne) verabschiedeten wir uns nach fast einer Stunde von diesem herrlichen Panorama und traten den Abstieg an. Dabei waren wir verstaendlicherweise viel schneller, jedenfalls bis zu den Leitern.


Katja beim Abstieg


die Tritte verschwinden in der Tiefe, den Kerl unten verliess der Mut beim Anblick

Dort nahmen wir die Sache sehr gemuetlich, um ja keinen Fehltritt zu risikieren, denn dies haette fatal enden koennen.
Auf unserem Abstieg hatte es mehr „Wanderverkehr“ als beim Aufstieg und ehrlich gesagt waren wir froh, dass wir schon oben waren.


ja, da oben waren wir!


auf dem Rueckweg sahen wir dann noch, was mit den bei uns ausgedienten VW-Buessli geschieht

Zurueck im Hostel strechten wir dann zuerst etwas, wir wollten ja morgen noch fit sein fuer den Machu Picchu selbst. Danach schlugen wir uns die Magen voll mit dem Angebotenen (der Hit war es nicht, aber wenn man hungrig ist,geht fast alles runter).
Nach einer ausgiebigen Dusche waren wir um 3 Uhr so auf dem Hund (wir hatten ja die letzte Nacht recht wenig geschlafen), dass wir uns fuer 2 Stunden hinlegten und schliefen. Danach erkundeten wir noch kurz Aguas Caliente (viel zu sehen gibt’s hier ja nicht) und da das Baden in den heissen Quellen immer noch keine Option fuer uns war, warteten wir dann sehnlichst aufs Nachtessen. Dieses war dann sehr fein und wir liessen es und gut gehen. Schon bald lagen wir wieder in der Horizontalen, denn am Folgetag wollten wir den ersten Bus um 6uhr mogends rauf zum Machu Picchu nehmen.
Es wurde dann zwar nicht der erste Bus, aber wir standen um 6.45 Uhr vor den Toren der Inkastaette. Leider liess der Guide mit dem Rest der Tourgruppe noch laenger auf sich warten, doch wir schafften es trotzdem noch vor den grossen Massen hinein und den Sonnenaufgang und der anschliessend aufsteigende Nebel ergaben eine sehr mystische Stimmung.


In the mist….


…und bei herrlichem Sonnenschein, Morgenstund hat wirklich Gold im Mund πŸ™‚

Die Fuehrung dauerte gute 2 Stunden. Die wichtigsten Anlagen und Symbole wurden uns erklaert.
Unter anderem, dass diese Staette noch so gut erhalten ist, weil sie erstens voellig ueberwuchert war und von den Spaniern auch geheim gehalten wurde. Mit der Zeit wussten nur noch einige wenige Quechuas, dass es Machu Picchu (von Quechua uebersetzt „alter Berg“) gibt. Nach langer Zeit, in welcher der Machu Picchu fast in Vergessenheit geraten waere, entdeckte 1911 der Amerikaner Hiram Bingham wieder entdeckt.
Insgesamt gab es in der Bluetezeit des Inkareichs 12 Millionen Inkas, es wird geschaetzt, dass hier ca. 700 Inkas gelebt haben. Aber der Sinn und Zweck dieser Staette ist bis heute umstritten. Fuer den Machu Picchu war Quellwasser und unterirdische Quellen sehr wichtig, denn das Wasser des Urubamba war viel zu weit unten. Die Daecher bestanden aus einer Art Holzbalken und einer Art Stroh, doch diese kann man heute nur im Nachbau betrachten, denn die urspruenglichen wurden durch Wind und Wetter zerstoert, die Inkas haben die Daecher fast taeglich gepflegt und ausgebessert.


Wasserkanaele


Tempel der Sonne, das einzige runde Gebaeude in Machu Picchu

Danach waren wir frei und konnten selber ueber unsere Zeit verfuegen. Wir entschlossen uns, zuerst die Treppen zum bereuehmten Aussichtspunkt hoch zu steigen um das beruehmte Photo vor den Touristenstroemen zu schiessen. Mit und ohne Touristen πŸ˜‰

Dort verweilten wir sehr lange und liessen unserer Blicke immer wieder ueber das Unfassbare schweifen. In diesen Hoehen, in diesen bewaldeten Huegeln eine solch grosse Staette zu bauen, einfach unglaublich und wunderschoen!


die Inkas waren wirkliche Terassenkuenstler, um jedes Fleckchen bebauen und bepflanzen zu koennen

Eigentlich hatten wir vor, auch heute einen Berg, den auf der anderen Seite des Machu Picchu, zu erklimmen, doch nach diesem Klettern gestern war uns die Motivation etwas abhanden gekommen. Doch wir rissen uns zusammen und liefen dann trotzdem los, wir waren neugierig, welcher Blick der bessere Sein wuerde. Der Aufstieg auf den Huayna Picchu (uebersetzt aus Quechua „junger Berg“) war lange nicht so steil und streng wie der Putucusi gestern, forderte uns jedoch auch einige Schweisstropfen ab. Nach 35 Minuten waren wir bereits oben. Doch der Blick war weniger spektakulaer wie der gestern. Erstens waren wir nun viel hoeher und der Winkel war seitlich. Doch vielleicht hat es auch noch damit zu tun, dass wir die Staette gestern zum ersten mal live sahen…


Aussicht von Huayna Picchu nach Machu Picchu, wieder so weit weg!

Schon bald traten wir wieder den Rueckweg an und erforschten noch die letzten Winkel, welche wir mit der Tour nicht besucht hatten.

Da wir gerade so im Laufen waren, entschlossen wir uns, von Machu Picchu hinunter zu laufen. Der Fuehrer meinte, in 20 Minuten sein man unten, das sollten wir heute doch noch schaffen.
Die folgenden 40 Minuten! Treppensteigen wurden jedoch immer mehr zur Qual. Der Abstieg war 520 Hoehenmeter und als wir unten waren, mussten wir noch ca. 10 Minuten nach Aguas Caliente laufen (insgesamt erfuhren wir dann, dass es 8km waren). Zwischendurch wuenschten wir uns wirklich, wir haetten uns fuer die Busvariante entschieden, aber eben, wenn man mal begonnen hat, will man es auch zu Ende fuehren. Das frustrierendste an der ganzen Sache war dann noch, dass uns kleine einheimische Jungs sprintend ueberholten. Die machten ein Wettrennen mit den Bussen, welche dei 13 Haarnadelkurven hinunter krochen und die meisten Jungs waren doch tatsaechlich schneller unten als die Busse (d.h. in 20 Minuten).
Nach diesem Marsch hiess es wieder dehnen, damit wir am naechsten Tag auch noch laufen konnten :roll:.
Todmuede aber zufrieden mit uns und dem gesamten Ausflug stiegen wir dann um 16 Uhr wieder in den Zug Richtung Cusco. Dank dem, dass wir uns fuer diese Variante entschieden hatten, konnten wir den Machu Picchu in vollen Zuegen geniessen und andere Wanderungen machen, um ihn von verschiedenen Seiten zu betrachten. Diese Energie haette uns nach dem Inkatrail sicher gefehlt!
Waehrend der vierstuendigen Fahrt war es ab und zu ein rechter Kampf wach zu bleiben, doch die Zugbesatzung fuehrte noch eine Modeschau mit Alpacakleidungsstuecken durch um den Umsatz zu foerdern


Alpacawolle- Modeschau

Da unsere Gegenueber unterwegs ausgestiegen waren, boten wir dem Zugmechaniker an, sich zu uns zu setzten. Zuerst getraute er sich nicht recht, denn er darf eigentlich nur sitzen, wenn es freie Plaete hat, aber er gesellte sich dann trotzdem zu uns und wir hatten eine sehr interessante Unterhaltung mit ihm, wobei wir wieder viel ueber Peru, das System und Land und Leute erfuhren. So ging es dann ploetzlich schnell bis wir Cusco bei Nacht von oben erblickten. Ein herrlicher Anblick mit dem beleuchteten Plaza des Armas.
Muede und erschoepft fielen wir in unserer Unterkunft nach einer warmen Dusche in die Federn.

Vor uns nach dem Ausflug zum Machu Picchu hatten wir noch etwas Zeit in Cusco. Die Stadt waere eigentlich ebenfalls schoen, doch fuer unseren Geschmack viel zu touristisch. An jeder Ecke wirst Du fuer Touren oder Essen angequatscht und kannst das Rundherum gar nicht recht geniessen.


Der obligate „Plaza des Armas“ uebrigens in allen Staedten in Peru ist beim Plaza des Armas immer Einbahn


Gallerie am Plaza des Armas, oben sind alles Restaurants eingenistet

Ganz Cusco (oder Cuzco) ist auf den Grundmauern der Inkas gebaut.


Hier wurde nach unserer Sicht aber etwas nachgebessert

Es gibt enge Gaesschen, wo gerade mal ein Auto durchpasst,

und Du als Fussgaenger ja nicht das Gleichgewicht auf dem schmalen Fusssteig verlieren darfst, denn Peruaner kennen kein Schritttempo


Eigentlich waer es hier wunderschoen, wenn nicht all die Anwerber waeren…

Und fast bei jeder Nische wo Du reinschaust hat es geschuetzte Innenhoefe

Um Cusco von oben zu betrachten, hiess es wieder mal Treppen steigen


Blick von der Iglesia de San Cristobal auf die Stadt und Plaza des Armas

Die Baumaterialien sind in Cusco wie fast ueberall in Bolivien und Peru dieselben. Entweder werden aus Dreck und getrocknetem Gras Bloecke geformt und an der Sonne getrocknet. Dies ist das sogenannte Adobe, oder der Verputzt besteht aus diesem Material, wie ihr hier im Bild bestens sehen koennt, ob das wirklich isoliert, wir haben Zweifel daran, aber das ist das guenstigste Baumaterial welches sie hier zur Verfuegung haben und meistens auch das Einzige.

Leider gibt es auch negative Seiten, welche einem in die Nase steigen. Vorallem seit wir in Peru sind, haben wir das Gefuehl, dass einfach ueberall Druck abgelassen wird, wo es gerade noetig ist. An unserem ersten Tag haben wir gerade miterlebt, wie dieser Kanal neben der Treppe von Opa uns Grosskind als Pissoir benutzt wurde – mitten in der Stadt!


zum oeffentlichen Pissoir umfunktioniert

Natuerlich wollten wir in Peru auch mal noch das „Nationalgetraenk“ versuchen. Chicha (tschitscha ausgesprochen). Dies ist ein Maisbier. Man kann es fermentiert haben oder im Vorstadium. Wir entschieden uns fuer Chicha Mora


sieht lecker aus, nicht? Es hat uns jedenfalls geschmeckt πŸ™‚

Wir werden wohl die Fruechte in den schweizer Geschaeften nicht mehr wiedererkennen, da es alles Miniaturen sind


Papayas so gross wie Melonen!

Nach wenigen Tagen nahmen wir Abschied von Cusco, wir wollten an der Kueste ja noch einige Staedte und Doerfer besuchen.


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