weltreis.ch

26. März 2006

Blick in die Sterne

Valparaiso, dieser Name verspricht doch Einiges. Wirklich das Paradies ist es nicht, aber doch sehr Sehenswert. Mit dem Bus sind wir in knapp 2 Stunden von Santiago nach Valparaiso gefahren.

Schon kurz nach dem Hostelbezug bei einer netten Familie zog es uns auf die Strasse, um die vielen Gaesschen und vorallem Funiculairs anzuschauen. Valparaiso erstreckt sich ueber einen Huegelzug und schlaengelt sich diesen Huegeln empor.

Vor 100 Jahren erlebte diese Stadt einen richtigen Funiculaire-Boom. Diese billigen Aufzuege werden auch im Zeitalter der Autos noch ganz rege benutzt und sie machen das Stadtbild ganz interessant.

Das daneben gelegene Viña del Mar ist die erste Strandferien Adresse fuer die Staedter aus Santiago. Dort hat es einen Strand mit Hotelbauten wie in Mallorca und das Wasser ist nichts fuer Warmduscher, zu welchen wir inzwischen nicht mehr gehoeren:-) . Dieses Staedchen ist etwas neuer und hat deshalb auch keinen richtigen Charme. Bekannt ist es auch fuer die vielen Gruenflaechen mitten in der Stadt, deshalb auch der Name „Ciudad de Jardin“, und tatsaechlich kann man dort etwas von den Abgasen Abschied nehmen.


Vina del Mar, la ciudad de jardin

Im groessten Park der Stadt liegt ein riesiges, neu angelegtes Amphitheater, waehrend einer Woche pro Jahr zieht hier dieses die ganze Aufmerksamkeit von Chile auf sich.

Hier findet jeweils im Februar ein Musikwettbewerb wie bei uns der Concours Eurovision statt und die ganze „Cervelatprominenz“, oder hier wohl eher „Empanadaprominenz“, tummelt sich herum.

Aber auch neben den Funiculaire hat es sehr schoene alte Gebaeude in Valparaiso, welche etwas an Zuerich oder auch Wien erinnern.


Denkmalschutz auf chilenisch 😉

Und meistens beim einfach so durch die Strassen schlendern erlebt man die verruecktesten Dinge. Hier wieder mal eine Anekdote: Wir geniessen gerade die Architekur der Gebaeude und Katja laeuft wiedermal ohne Blick nach rechts oder links ueber die Strasse. Stephan ruft Ihr nach, „Achtung da kommt ein Auto von rechts!“ Katja denkt sich, der wird mich schon sehen… schaut aber trotzdem nach rechts. Und da sehen wir es Beide zur gleichen Zeit, da kommt zwar ein Auto, aber ohne Fahrer! Beim zweiten Blick schauen wir uns Beide an lassen den Blick dorthin schweifen, wo es den Huegel herunterollen wuerde. Direkt auf eine Kreuzung zu. Koennen wir zu zweit ein solches rollendes Auto bremsen ohne uns zu verletzen? Wie lange koennen wir es halten, denn der Besitzer scheint nicht in der Naehe? Was passiert wenn wir es einfach rollen lassen, ist da jemand im Weg? Doch dann sehen wir beide, dass auf dem Hintersitz im Auto ein Baby im Kindersitz sitzt und alle Fragen sind verflogen. Wir versuchen die beiden Tueren links und rechts zu oeffnen, alles abgeschlossen! Stephan packt zuerst an und stemmt sich gegen das Auto, und kann es schon beachtlich stoppen, Katja packt auf der anderen Seite an und zusammen bringen wir das Auto in der Schraege zum Stillstand. Zuerst schreit Katja, in gebrochenem Spanisch (sie hat ebenfalls die Sprache vergessen mit diesem Adrenalinkick) nach dem Besitzer, niemand regt sich. Danach schreit sie: “ Esta una guagua (das chilenische Wort fuer Baby) en el coche!“ Und sofort sprintet ein alter Mann um die Besitzerin des Autos zu suchen. Mittlerweile haben sich noch 3 junge Maenner zu uns gesellt, um uns beim Auto halten zu helfen. Die Besitzerin kommt gemuetlich aus dem Laden, schliesst die Tuere des Autos auf, sagt kurz „gracias“, schlaegt die Tuere zu und startet den Motor. Da bleiben uns die Maeuler offen… Der alte Mann versucht ihr zwar noch, den ernst der Lage zu erklaeren, sie scheint aber kein grosses Musikgehoer zu haben. Wir wenden uns ab und unterhalten uns in der Folge noch lange ueber das Erlebte. Ist Wahnsinn, was einem in Sekundenschnelle so alles durch den Kopf schiesst und wir hatten beide etwa die gleichen Gedanken. Nach einer guten halben Stunde hatten wir uns vom Schrecken erholt, waren aber ganz zufrieden mit unserer Reaktion.


ein richtiger Trolleybus


Valparaiso by night


und auch hier wieder eine farbenfrohe suedamerikanische Strasse 🙂

Nach ein paar angenehmen Tagen in Valparaiso fahren wir weiter nordwaerts nach La Serena. Dieses Staedchen hat viele ein- bis zweigeschossige Gebaeude und ist wie jede Stadt auch von den Spaniern mit einem schachbrettartigen Strassennetz aufgebaut worden. Zudem hat jede Stadt einen Plaza des Armas fuer das gesellige Zusammensein. Die Ausfuehrung in La Serena ist unserer Meinung nach ganz gut gelungen. Und diese Plazas werden auch immer ganz rege benuetzt.

Von La Serena wollten wir einen Abstecher ins Valle del Elqui machen. Ein Tal das beruehmt ist fuer seine Pisco Herstellung (Pisco Sour ist ein Nationalgetraenk) und die Observatorien von Chile. Vor unserer Abfahrt wollten wir zuerst noch eine etwas guenstigere Unterkunft fuer die Rueckkehr nach La Serena suchen, und da wurden wir wieder mal Augenzeugen von etwas Unglaublichem. Eine alte Dame, warscheinlich eine Obdachlose, hat sich gerade neben dem Trottoir direkt vor unserer Augen den Rock gehoben, streckte uns den Hintern entgegen und entledigte sich ihrem Verdauten. Manchmal kann es einem auch ganz unerwartet erwischen und umso geschockter ist man danach…
Obwohl der Himmel ganz bedeckt war und wir uns nicht vorstellen konnten, dass dies in Vicuña, nur eine Busstunde entfernt besser sein sollte, liefen wir mit unserem Kram zum Busbahnhof und liessen uns nach Vicuna fahren. Bereits nach 10 Minten Fahrt klarte der Himmel auf und wir hatten wieder Hoffnung fuer unseren Observatoriumsbesuch. Die Busfahrt ins Tal war sehr schoen. Die Rebfelder heben sich in sattem gruen von der kargen Landschaft ab und mit den dazwischen spiressenden grossen Kakteen (wie in Mexico) gibt es ein sehr schoenes Bild.


Vicuña, Torre de reloj

Nachdem wir eine Bleibe gefunden hatten kraxelten wir auch schon wieder zum ersten Aussichtspunkt hoch, von wo wir den Blick ueber das Tal und auf den Huegeln zu den Observatorien schweifen lassen konnten.

Ein „Aufstieg“ der sich gelohnt hat. Wir erwarteten eine laengere Wanderung, da in unserem Fuehrer stand, man soll genuegend Snacks und Wasser mitnehmen, doch in 30 Minuten waren wir schon oben und der Satz von wegen Verpflegung stand wohl nur da, weil es auf dem Huegel keinen Kiosk gab 😉 Vor dem Tourstart ins Observatorium staerkten wir uns in dem angegliederten Restaurant des Unterkunft mit einer Casuela (Suppe mit Kartoffelstuecken, Stueck Fleisch und Gemuese) und einem Teller Poulet mir Reis. Das hat vielleicht gut geschmeckt und dann fuer sagenhafte 2.50CHF pro Person und das in Chile!
Als wir nach dem Essen noch kurz auf unser Zimmer wollten, stellte sich heraus, dass Katjas Uebersetzungsarbeit heute versagt hatte. Sie wurde von der Gastgeberin eingefuehrt, dass wir fuers Zimmer nur einen Schluessel fuers Vorhaengeschloss haben, nicht aber fuer das richtige Tuerschloss. Der zweite Schluessel sei nur fuer den Haupteingang. Infolge eines Missverstaendnisses schloss Stephan auch die Zimmertuere. So hatten wir uns ausgeschlossen! Katja erklaerte dies unserer Gastgeberin, sie meinte, das haette sie mir doch erklaert… Dann rief sie ihren Mann und beide kamen zu unserem Zimmer um sich dem Problem anzunehmen. Katja witzelte noch auf der Treppe, das sie nun vielleicht einfach mit einem Taschenmesser das Schloss aufwuergen wuerden. Als sich der Gastgeber mit ruetteln am Fenster versichert hatte, dass wir auch wirklich Schweizer Perfektionsarbeit geleistet hatten (natuerlich haben wir das Fenster fein saeuberlich von innen verschlossen) zueckte die Dame ein 30cm langes Kuechenmesser und ihr Mann machte sich daran die Fensterverriegelung zu knacken. Das ging keine 10 Sekunden! Mit der Bemerkung „Somos bien ladrones“ (Wir sind gute Diebe/Einbrecher) oeffneten sie durch das offene Fenster von innen die Tuere zum Zimmer und zogen von dannen. Soviel zu Sicherheit mit geschlossenen Raeumen…
Danach versammelten wir uns mit anderen Touristen fuer die Tour zum Observatorium Mamalluca. Das ist eines der einzigen, welches nicht fuer Forschungszwecke benoetigt wird und somit in der Nacht besucht werden kann. Bei allen Anderen kann man nur tagsueber hinein und dann die Bilder auf Computer anschauen, was natuerlich lange nicht so eindruecklich ist. Voller Spannung erwarteten wir die Tour und wir wurden nicht enttaeuscht. Ganze drei Stunden ging die Fuehrung. 1 Stunde Theorie und Bilder zu den verschiedenen Formationen am Himmel und die weiteren 2 Stunden verbrachten wir mit Beobachtungen durch verschiedene Teleskope am Nachthimmel.


das computergesteuerte Teleskop

Die Hoehepunkte aus unserer Sicht waren die Beobachtungen der Planeten Mars (der etwas roetliche) Saturn mit seinem Schweif und Jupiter mit seinen Monden. Einfach sensationell! ! !
In der Umgebung von Vicuna befinden sich soviele Observatorien, da sie dort gut 300 Tage Sonnenschein im Jahresdurchschnitt haben.
Am naechsten Tag kaempften wir uns relativ frueh aus den Federn, da es hiess, bei der Piscofabrik seien die Touren morgends weniger stark besucht wie nachmittags. So waren wir die Ersten und erhielten eine Privatfuehrung.

Wir hatten schon viel von dem Piscokult gehoert, und dachten uns, das uns das warscheinlich nicht so schmecken wuerde. Jedenfalls hatten wir Glueck und die Ernte hat vor wenigen Tagen begonnen, sodass wir den ganzen Prozess beobachten konnten. Eigentlich laeuft es nicht viel anders ab als bei der Weinherstellung und wir waren vorallem auf das Ergebnis im Deugustierraum gespannt. Und zu unserer Verblueffung, fanden wir alle 4 Arten von Pisco sehr gut. Pisco sour war etwas ganz Spezielles und mit nichts zu vergleichen, davon kauften wir uns gleich eine kleine Flasche. Die anderen Braende schmeckten entweder wie Portwein oder Baileys.

Nach dem prozentigen Einstieg in den Tag wollten wir noch etwas weiter ins Tal hinein fahren. So liefen wir abermals zum Busbahnhof und jeder wollte uns in seinen Bus lotsen, doch wir wussten immer genau wo wir hinwollten und liefen zielstrebig zum Ziel. Wieder genossen wir die schoene Aussicht des Tales bis wir im verschlafenen Bergdorf von Pisco del Elqui ankamen.

Dort genossen wir ein Mittagessen an einem lauschigen Plaetzchen und besuchten das „Museum“ der Piscoherstellung, eine Freilichtausstellung einiger alter Maschinen, die wir jedoch sehr schnell gesehen hatten.

so stiegen wir wieder in den Bus und verliessen das Dorf talabwaerts.

In Vicuna holten wir unser Reisegepaeck in der Unterkunft und wurden dann am Busbahnhof gleich wieder erkannt. Der eine Agent ,welcher uns heute schon dreimal ein Ticket nach La Serena verkaufen wollte, kam nun endlich zum Zug und strahlte danach ueber beide Backen 🙂
Zurueck in La Serena war dann auch hier das Wetter besser und wir genossen es wieder, etwas durch die Strassen zu schlendern.
Zusaetlich war auch hier wieder ein administratives Zentrum um vor unserer laengeren Tour in den Norden die Waesche wieder mal zu waschen und das Internet auf Vordermann zu bringen. Natuerlich kann es nicht anders sein, wenn man endlich wieder mal eine Waschmaschine findet, dass sie dann mitten im Waschen kaputt geht. Nachdem unsere Waesche mehr als eine Stunde im Wasser lag und nichts mehr geschah, entschloss sich Katja fuer die harte Methode, zog den Stecker aus und beendete den Waschvorgang. So werden wir in den naechsten Tagen wohl etwas mehr stinken, doch das verschafft uns vielleicht im Bus etwas mehr Platz ;-).

Nach zwei mehr oder weniger administrativen Tagen goennten wir uns einen Luxus fuer die fas 18 stuendige Fahrt von La Serena nach Iquique. Wir buchten die hoehere Klasse im Bus, genannt Salon Cama. Der Sitz ist bis 65 Grad in die horizontale zu verstellen und es gibt pro Reihe nur 3 Sitze, somit sind die Sitze viel breiter als normal.


unsere Luxuskarosse

So konnten wir die Marathonfahrt (mittlerweile nennen wir solche laengeren Busfahrten „Fuedliwehtage“) gelassen angehen und die Landschaft nochmals so richtig geniessen.

Sorry, dass schon wieder ein Bericht folgt, aber ihr habt ja eh nichts zu tun beim „schaffen“… 😉 und so sind wir nun wieder voll aktuell vor unserer speziellen Tour von Iquique nach Arica (ganz im Norden von Chile).
und was wir so alles auf uns nehmen, um Euch auf unserer Homepage auf dem aktuellen Stand zu halten! 😉

Und hier noch etwas Spezielles zum Schmunzeln. In Chile wird bei jeder Aufforderung immer gleich der Artikel des Gesetzes oder der Verordnung mit angegeben. Unglaublich, was hier alles in Verordnungen und Gesetzen Platz findet. Diese Buecher muessen Tonnen wiegen…


Das Radio darf in moderater Lautstaerke eingestellt sein, solange sich kein Passagier beklagt (Bild aus einem Lokalbus) 🙂


23. März 2006

Heimatklaenge in Chile

Nach den zwei Wochen in Concepcion wo wir eine super Zeit mit vielen lieben Menschen verbringen durften, sind wir weiter noerdlich nach Rancagua gefahren. Da uns leider niemand ein Zugbillet verkaufen wollte, an manchen Tagen klappt das einfach nicht :-(, machten wir diese Strecke wieder mit dem Bus. In Rancagua hatten wir uns mit Stefanie verabredet. Wir wurden sehr herzlich von Steffi und Ihrer Familie empfangen, obwohl wir uns in der Schweiz nur durch eine Volleyballkollegin von Katja mal kurz gesehen hatten. Zudem tischten sie uns ein wunderbares Essen auf. Waehrend dem Essen lernten wir uns zuerst mal etwas kennen. Und auch hier stimmte die Chemie sofort. Die beiden Kinder haben wir sowieso sofort ins Herz geschlossen und die Froehlichkeit und Herzlichkeit von Stefanie und Jorge liess uns gleich wieder heimisch fuehlen. 🙂


Katja und Joelle


Jorge, Josias, Joelle, Stefanie

Nach einem gemuetlichen Nachmittage machten wir uns auf um im Zentrum etwas zu schlendern.


Fussgaengerpassage


Iglesia Catedral

Am Abend trennten wir uns und wir bezogen unser Hotelzimmer und genossen wieder einmal einen Fernseher, sogar mit Satellitenempfang, zu haben…

Der nachste Tag war ein spezieller auf unserer Reise – Katjas Geburtstag! Wir trafen uns wieder mit Stefanie und Ihrer Familie und fuhren mit Ihnen durch die Berge zum Hotel Termas de Cauquenes. Dieses Hotel war frueher wohl mal ein Kloster und wird heute durch einen ausgewanderten Schweizer betrieben. Wie die Aussicht ist auch das Essen genial. Zudem kann man in den Thermen den Koerper etwas entspannen. Die Einrichtung ist noch im alten Styl gehalten worden. Durch eine grosse Halle kann man in die Badezimmer mit Holzbadewannen huepfen.


Thermen

Eigentlich wollte Katja zuerst nicht verraten, dass sie Geburtstag hat, doch als sie sich dann doch entschloss, die Katze aus dem Sack zu lassen, organisierte Stefanie als Ueberraschung innert Kuerze Kerzen auf den Kuchen von Katja mit fast genug Kerzli drauf 😉

Aus dem Essraum hoerten wir doch tatsaechlich Lieder aus unserer Heimat, es wurde gejodelt. Wir warfen ein Auge in den Saal und fanden gegen 25 Maenner am jodeln. Das ging durch March und Bein. Hatten wir doch zuhause nie viel mit solcher Musik anfangen koennen, gefiel uns diese Darbietung hier ganz gut . Es stellte sich heraus, dass dieser Maennerchor soeben aus Edmonton, Kanada angereist war und aus ausgewanderten Schweizer bestand, welche dem Wirt ein Staendchen sangen.


CH-Maennerchor Edmonton

Auf einem kleinen Spaziergang fanden wir ein Plaetzchen wo sich die kleinen und grossen Kinder etwas Vergnuegen konnten 🙂

Nach einem wunderschoenen Tag in den Bergen der Anden nahmen wir nach dem Nachtessen Abschied von unseren neuen Freunden, welche wir sehr ins Herz geschlossen haben. An dieser Stelle nochmals „merci vielmol“ fuer die schoenen zwei Tage, die wir mit Euch verbringen durften und wir hoffen Euch in der Schweiz wieder zu sehen.

In Rancagua konnten wir die Bahntickets direkt am Bahnschalter kaufen und fuhren somit mit dem Zug nach Santiago. Das Zugfahren in Chile ist eine ganz angenehme Sache, nur leider gibt es fast keine Bahnstrecken… In Santiago de Chile erwischten wir wieder einmal eine sackstarke Unterkunft. Seit gut 3 Monaten ist dieses hospedaje „La Chimba“ eine kleine Oase in der laermigen Stadt und vorallem ganz gut im Restaurant und Barviertel gelegen. Da nicht nur wir diese Unterkunft der Hammer fanden wollten die Gaeste gar nicht so schnell wieder abreisen und so kriegten wir zu unserem Vergnuegen ein upgrade zu einem Doppelzimmer fuer den Preis eines Dorms 🙂


La Chimba

Santiago de Chile hat viele sehenswerte alte Gebaeude, sehenswaerte Seitengaesschen und vorallem wunderschoene, hohe Gebirge im Hintergrund. Jedoch nimmt einem der Smog oder Dunst etwas die Klarsicht auf die Bergkette…


Santiago de Chile


Barrio Bellavista


Das Innere der Hauptpost


Neu neben Alt

In den ersten Studienwochen werden in Chile die Studienanfaenger von den Aelteren mit einer grossen Buerde beladen. Ihnen werden die Kleider, welche sie gerade tragen verschnitten, bemalt, geteert oder mit Fischbruehe uebergossen und die Schulbuecher geklaut. Diese kriegen sie wieder, wenn sie mit ihren zerfetzten Kleider auf der Strasse genuegend Geld gesammelt haben. Doch das ist inzwischen ein recht schwieriges Unterfangen geworden, da so viele Studenten betteln und man nicht jeden Tag 20-25 Mechones helfen kann.


Mechones

Nach ein paar wunderschoenen Tagen in Santiago verlassen wir die chilenische Hauptstadt in Richtung Valparaiso, ein historisches Staedchen am Meer.
Bis zum naechsten Bericht und haltet die Ohren steiff, der Fruehling kommt bald 🙂 …


19. März 2006

Estudiar y subir un volcano

Der Abschied von den Osterinseln fiel uns schwer, doch nun wartet das Festland von Suedamerika und die Anden auf uns, darauf haben wir uns ja auch schon lange gefreut. Nach einer Nacht in Santiago machten wir und gleich auf den Weg nach Concepcion, wo Stephans Bruder einen Kollegen hat. Bernd lebt mit seiner Familie bereits ueber ein Jahr in Chile ist aber von Deutschland aus entsandt worden fuer ein Projekt um den Mangel ueber Satelliteninformationen aus dem suedlichen Erdteil zu stopfen.


www.TIGO.cl Geodesisches Observatorium


Bernd und Olgas Zuhause

Wir wurden von Ihnen sehr warm empfangen, obwohl sie das Haus schon mit einer anderen Schweizer Familie (Lars und Cornelia mit Simon und Yannick) eigentlich voll hatten. Wir verbrachten noch drei Tage zu zehnt in ihrem Haus und durften am Geburtstag des Nachbarsjungen (Iscandar) teilnehmen. Eine chilenische Kinderparty ist nicht zu vergleichen mit der in der Schweiz. In Chile werden auch viele Erwachsene eingeladen und es wird gemuetlich gegrillt und gegessen.


Geburtstagskind Iscandar

Am Schluss gab es noch ein Fussballspiel fuer die Jungs.

Am Samstag ging es dann mit Olga zum Markt. Das hatten wir seit Asien nicht mehr.

An einem Tag entfuehrte uns Bernd in eine Kuestenregion mit einem schoenen Straend. Auf dem Weg dahin kam ploetzlich Nebel auf, was uns zuerst etwas surreal vorkam, denn wir waren doch nicht in der Schweiz. Doch auch dieses Wetter hat seine interessanten Seiten. Auf dem Meer draussen sahen wir ein „Geisterschiff“ und als wir geduldig am Strand auf besseres Wetter warteten bot sich uns ein wunderschoener Anblick, als die Sonne langsam die ausgelagerte Insel aus dem Nebel hob.


Das „Geisterschiff“


Die Insel erhebt sich aus dem Nebel


Super Strand, einfach das Wasser war zu kalt :-/, obwohl, die harten Maenner liessen sich ein Bad nicht nehmen

Die Jungs konnten sich mit dem Sand beschaeftigen waehrend die aelteren Semester sich einfach unterhielten und um die Kleinen kuemmerten.


Yannick und Roman


Roman (Sohn von Bernd und Olga)


Bernd mit Vera


Olga mit Vera


Familienidylle Bernd, Olga und Vera

Nach den eher gemuetlicheren Tagen wollten wir uns dann auch dem Spanisch widmen. Gluecklicherweise hat Bernd eine Nachbarin, Katharina, welche ebenfalls aus Deutschland kommt und in Concepcion eine Schule aufgebaut hat. Nebenbei gibt sie auch Spanischunterricht. Das war fuer uns ganz toll, wir konnten zu zweit jeden Tag tiefer in die spanische Sprache eintauchen.


Katharinas gegruendete Schule www.mozartschuleconcepcion.cl


Spanischunterricht im Garten

Um das Gelernte zu verdauen, planten wir noch einen Kurztrip etwas weiter in den Sueden nach Pucon.
Das erste Busticket mussten wir leider verfallen lassen, da Katja an diesemTag die Eintagesgrippe erwischte. Seit der Rueckkehr der Familien von Bernd und Lars aus dem Sueden hat es Jeden und Jede einmal erwischt mit dieser Grippe, aber immer nur einen Tag. So konnten wir dann mit einem Tag Verspaetung doch noch nach Pucon fahren. Das Wetter war nur noch fuer den folgenden TAg gut vorausgesagt und so entschlossen wir uns, gleich eine Tour auf den Villarica, einen aktiven Vulkan zu buchen. Nachdem wir Bergschuhe, Kleidung, Helm, Muetze, Handschuhe, Gamaschen, Steigeisen und Pickel im Rucksack in Empfang genommen hatten hatten wir noch etwas Zeit das Staedtchen Pucon zu geniessen. Ein charmantes Touristenoertchen inmitten von Bergen und am Fusse des wunderschoenen Vulkan namens Villarica.


der raeuchelnde Villarica


das Touristenoertchen Pucon


von ueberall zu sehen…


… und eindruecklich, wie er aus der Umgebung ragt

Am Abend versuchten wir, uns etwas frueher aufs Ohr zu legen, da wir die Tour von morgends um 4 Uhr gebucht hatten, doch da wir ein Zimmer gleich neben der Eingangstuere und dem Aufenthaltsraum hatten, war das Einschlafen keine einfache Sache. Doch der Wecker riess uns ohne Mitleid morgends um 3 Uhr aus dem Schlaf. Wir brachten Beide keinen Bissen herunter, obwohl sie uns sagten, wir sollten etwas Kleines essen. Wir kramten unsere sieben Sachen zusammen und setzten uns schlaftrunken in den Zubringerbus. Die ersten 200 Hoehenmeter wurden wir gefahren. Dann hiess es aussteigen, Stirnlampe, Gamaschen und Kleider richtig montieren und von 1’400m auf 2’820m hochkraxeln. Eigentlich haette es hier noch einen Sessellift der einem die naechsten 400 Hoehenmeter ebenfalls abnimmt, aber der laeuft morgends um fuenf Uhr eben noch nicht, der wird nur fuer die 7 Uhr Tour eingestellt :-(.
So trotteten wir in Einerkolonne im Schein unserer Stirnlampen unter wunderschoenem Sternenhimmel los. Die Spitze des Vulkans konnte man gut sehen, da ein Woelkchen, welches durch die Lava rosarot aus dem Kraterinnern beschienen wurde, auf der Spitze tronte. Beim Aufstieg im Dunkeln war nur das Knirschen des Kiessandes unter den Schuhen und das dumpfe einstecken des Eispickels von allen zu hoeren, man fuehlte sich wie in einer Expedition. Wir erinnerten uns beide an den Film von SFDRS bei dem Eveline Binsack mit einem Fernsehteam die Eigernordwand bezwang, die Atmosphaere war etwa die Selbe. Nach einer Stunde hatten wir die 400 Hoehenmeter der Sesselbahn ueberwunden. Unser Fuehrer meinte dann, denn anstrengensten Teil haetten wir nun hinter uns, denn der Untergrund war aehnlich wir auf einer Sandduene, zwei Schritte hoch einen zurueckrutschen. Nach einer ersten Pause, bei der wir einen Riegel verdrueckten und uns fragten, was wir wohl am Besten von den Kleidern in den Rucksack verstauen und was wir lieber draussen lassen, ging es weiter. Es war recht schwierig sich richtig zu kleiden, denn die Aussentemperatur war zwischen 0 und 5 Grad, doch wenn man am Laufen ist, hat man schnell zu warm…
Schon bald begann es zu tagen und jede Minute aenderte sich die Umgebung, wunderschoene Stimmungen beim Aufstieg. Um halb sieben hiess es dann, die Steigeisen zu montieren, da wir das Schneefeld erreicht hatten. Unsere beiden Fuehrer schnuerten diese Allen an die Schuhe, das brauchte seine Zeit.


Morgenstimmung


Steigeisenmontage

Nach einer kurzen Einfuehrung, wie man mit diesen Dingern laufen sollte und wie man den Eispickel halten muss, damit man sich bei einem ev. Ausrutscher vor dem unkontrollierten in die Tiefe rutschen ohne Knochenbruch retten kann, ging es weiter. Anfangs war es uns schon etwas mulmig zu Mute, doch wir gewohenten uns schnell an die neue Ausruestung und man kam damit sehr viel schneller vorwaerts als nur mit Bergschuhen.
Ab und zu gab es auch Photostopps, wir haetten jedoch gerne alle 5 Minuten gestoppt, denn das Panorama das sich waehrend dem Sonnenaufgang bot war traumhaft!

Leider machte sich bei Stephan eine komische Muedigkeit und Schlappheit bemerkbar, welche ihm immer mehr die Kraefte fuer den Aufstieg stahl. Unsere Vermutung, dass es heute an ihm war, die Eintagesgrippe zu bekommen (er war der Einzige, der sie noch nicht hatte), bestaetigte sich dann auch nach unserer Rueckkehr vom Vulkan. Aber da er ein harter Kerl ist, kaempfte er sich, trotz Grippe, bis auf die Spitze hoch. Eine unglaubliche Leistung!


Stephans Aufstieg in die Sonne


Unser Fuehrer vor dem wunderbaren Panorama

Oben angekommen waren wir froh, dass wir so darauf gepocht hatten, Gasmasken zu bekommen, denn der Schwefelgestank am Kraterrand haelt einem sonst sehr schnell davon ab, laenger in das innere des Vulkanes zu gucken. Stephan war leider so erschoepft, dass er den Vulkan und den wunderbaren Ausblick, der sich von da oben bietet nicht wirklich geniessen konnte, er war einfach nur ausgepumpt.


ein zweiter aktiver Vulkan rauchte die Umgebung ein


Das Kraterinnere


der wunderbare Rundblick


unser „Expeditionsteam“ vor der herrlichen Kulisse


Stephan liegt vor Erschoepfung flach 🙁

Katja verbrachte ganz lange am Kraterrand und sah einmal Lava aufpritzen, leider war der heutige Tag nicht so spektakulaer, manchmal spritzt die Lava fast bis unter den Kraterrand. Doch nur schon der blubbernden Lava zuzuhoeren war so faszinierend und einmalig.

Leider hiess es viel zu frueh schon wieder den Rueckweg anzutreten.
Die ersten Meter Abstieg durch den Schnee mussten wir zu Fuss zuruecklegen. Doch schon bald durften wir unsere „Rutschhosen“ anziehen und die vorgeformten Schneerutschen hinunterrutschen. Das machte riesigen Spass und ging auch viel schneller als Laufen 🙂


Abstieg durch das Schneefeld


ein Blick zuerueck, die 7 Uhr Touren quaelen sich hinauf


eine tolle Rutschpartie, da kann auch Stephan wieder etwas lachen…

Als wir am Ende des Schneefeldes angelangt waren, mussten wir die letzten Hoehenmeter nochmals zu Fuss hinter uns bringen. Doch was beim Aufstieg eher hinderlich und anstrengend war, entpuppte sich nun als Vereinfachung, da man nun richtiggehend in die Tiefe springen konnte und der tiefe Kies bremste einen automatisch. Das kam uns sehr entgegen, denn zusaetzlich zur Grippe und Schwaeche von Stephan schmerzten ihn auch noch die Schienbeinentzuendung (ja, ja, wir werden nur noch aelter 😉 ).


ein letzter Blick zurueck

Zurueck in Pucon gaben wir die Ausruestung zurueck und liefen dann zur Unterkunft. Nach einer ausgiebigen Dusche legte sich Stephan hin und das Fieber schoss nur so in die Hoehe. Mit Medizin und vorallem viel Tee pflegte ihn Katja. Erstaunlich, dass man seinen Koerper so beeinflussen kann und Stephan das Fieber unterdruecken konnte, bis wir zurueck waren. Aber dann heizte er gewaltig ein. Katja konnte richtig gehend im oberen Kajuetenbett spuehren wie er von unten heizte. Nach ueber 15 Stunden Schlaf, hatte auch Stephan die Grippe ueberwunden, aber fuer eine weitere Wanderung reichte die Energie noch nicht. So schlenderten wir gemuetlich nochmals das Staedtchen ab und genossen abends ein gutes warmes Essen in einer Schweizer Baeckerei :-).
Tags darauf hiess es zurueck nach Concepcion zu fahren, um unser Spanisch weiter zu bringen.
Die naechsten Paar Tage lernten wir nochmals fleissig Spanisch mit Katharina, arbeiteten etwas an der Homepage und genossen unser neues Zuhause bei Bernd und Olga. An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank, dass Ihr uns ein Zuhause gegeben habt, das tat richtig gut nach solanger Zeit auf Achse!
Eigentlich wollte uns Bernd noch viel mehr schoene Orte in Concepcion zeigen, doch wir hatten auch den Drang Richtung Norden zu Reisen, um wenigstens den Norden von Chile noch ausgiebig zu bereisen, fuer den Sueden kommen wir zu einer besseren Jahreszeit (momentan kommt der Winter) wieder. Concepcion war fuer uns somit kein Sehenswuerdikeitenhoehepunkt, aber wir haben dort auf der menschlichen Basis sehr viele gute Bekanntschaften geschlossen. An dieser Stelle nochmals an Alle ein herzliches Dankeschoen fuer den ueberaus warmen und offenen Empfang! 🙂

Eindruecke von Concepcion:


Stephan, Iscandar (hoffentlich schreibt man das so), Josef, Roman, Andrea und Bernd (die Nachbarsfamilie)


Olga und Vera


bei Katharina(unsere Spanischlehrerin) und ihrem Mann Gonzalo zu Hause


18. März 2006

Loesung der Umfrage 12

Die anscheinend einfache Umfrage „Welches ist der hoechste Berg der Anden?“ wurde beinahe von allen richtig beantwortet.
66.6 % der Stimmen fielen auf den in Argentinien liegenden Aconcagua welcher mit 6’959 M.u.M. sogar der hochste Berg Amerikas ist.
Cotopaxi ist mit 5’897 Metern der zweithoechste Berg von Ecuador und einer der hoechsten aktiven Vulkane der Erde.
Ojos del Salado liegt auf der Grenze von Chile und Argentinien und ist mit 6’897 M.u.M. der weltweit hoechste aktive Vulkan !
Der Nevado Coropuna ist ein erloschener Vulkan und liegt in Peru und ist mit 6’425 Metern auch ganz hoch.
Nevado Huascaran liegt ebenfalls in Peru und ist mit 6’768 Metern ein ganz normaler Berg.

Wir freuen uns auf die Teilnahme der naechsten Umfrage 🙂


10. März 2006

Rapa Nui- So wuerden wir unser Schiff taufen, wenn wir eins haetten ;-)

Nach dem Abenteuer Franzoesisch Polynesien, welches fuer das Backpackerleben nicht ganz einfach war, waren wir gespannt auf die naechste Insel, die Osterinsel. Wie Nepal war das eine Destination, die wir unbedingt auf unserer Reise besuchen wollten. Von der Ernaehrung her stellte dieser Stopp zwar keine wesentliche Aenderung zu Neuseeland und Tahiti dar, doch ansonsten war es vollstaendig verschieden von den letzten zwei Vulkaninseln. Alle haben vulkanischen Ursprung, ansonsten sind sie sehr verschieden voneinander. Ausser vielleicht, dass die ersten Entdecker der Osterinseln von Polynesien kamen und somit einige „Staemme“ der Rapa Nuis den Polynesiern sehr aehnlich sehen.
Die Ankunftstage auf der Insel war sehr streng, in den ersten 3 Tagen zogen wir 2 mal um, bis wir unsere perfekte Bleibe gefunden hatten.

Auf diesem Zeltplatz wurde uns wieder mal bewusst, wie schoen wir es zu Hause haben, wenn wir uns in unserer eigenen Wohnung befinden. Denn unsere Gastfamilie auf dem Zeltplat teilte sogar ihr Wohnzimmer, Kueche und Dusche mit allen Zeltplatzbewohnern und schliefen im heissesten und schlechtesten Raum aller!
Aber wir haben diese Familie richtig ins Herz geschlossen, wir hatten schon lange nicht mehr so herzliche Gastgeber.


Marta, Roger und Mihinoa

Wir hatten uns ja gewuenscht, dass wir Glueck haben und einen Teil des Festivals miterleben duerfen. Und gleich am Ankunftstag waren bereits Kanurennen angesagt.

Obwohl auch dies interessant war, war es das Einzige, welches am wenigsten traditionellen Charakter hatte und so verliessen wir den Schauplatz bald, um uns noch einen allgemeinen Ueberblich ueber Hanga Roa (das einzige richtige Dorf auf der Insel) zu verschaffen. Natuerlich durften die ersten Fotos von Moais nicht fehlen.


Moai im Sonnenuntergang.

Leider ist es auch auf den Osterinseln so, dass die urspruengliche Sprache, das Rapa Nui vergessen geht. Nur noch die aelteren koennen fliessend und perfekt Rapa Nui untereinander sprechen. Umso schoener finden wir es, dass waehrend des ganzen Festivals die offizielle Sprache Rapa Nui ist. So kann sie trotztdem noch weitergegeben werden.
Waehrend unseres ganzen Aufenthalts wurden unsere Tage durch das Festival gepraegt. Wir legten die Inselbesichtigungen udn Wanderungen so aus, dass wir alle Aktivitaeten des Festivals miterleben konnten.
Das gab dann eine recht strenge Zeit, denn fast jeden Tag war was los, aber es hat sich 100% gelohnt.
Waehrend des Tanzfestivals wurde unser Sitzleder aber arg getestet. Von viertel nach neun an sassen wir auf einem runden Baumstamm. Um zehn Uhr ging der Wettbewerb los, doch zuerst gab es fast 3 Stunden spezielle Tanzwettkaempfe, die fuer uns nicht allzusehr an Tanzen erinnerten sondern mehr an Vortraege, udn da alles in Rapa Nui war, verstanden wir kein Wort. Und auch der Tattoowettbewerb haette interessant sein koennen, wenn man was verstanden haette. Um halb zwei (!!) kamen wir dann aber auf unsere Kosten und die grossen, farbenfrohen Tanzgruppen zeigten ihr koennen. Wunderschoen.


Tattoo

Das ganze Festival dreht sich darum, dass zwei Kanditatinnen mit Ihren Mitstreitern um die Gunst der Jury kaempfen und am Schluss des Festivals wir eine der Beiden fuer ein Jahr zur Miss Tapati (Name des Festivals) gekroent. Jede der beiden Kanditatinnen stammt aus einem Teil von Hanga Roa. Eigentlich eine aus Hanga Roa und eine aus Moe’Roa. In Moe’Roa befinden sich mehr die eingewanderten Inselbewohner (suedamerikanischen Ursprungs) mit mehr Umschwung ums Haus und meist auch etwas reicher, in Hanga Roa eher die „Polynesier“. So besteht das Festival aus einem Dorfkampf, aber so friedlich, da koennte noch einige Gruempibesucher was lernen ;-).
Hier einige Bilder der verschiedenen Wettkaempfe, die wir beobachten konnten, und wir koennen Euch sagen, einige Disziplinen sind so hart, wir trauten unseren Augen kaum.


Schilfbootpaddeln


Bananenmarathon


diese Speere werden aus spitzigen Steinen selber gebastelt, wie frueher

An einem Tag des Festivals, gibt es einen Umzug durch die Strassen, bei dem auch die Touristen teilnehmen koennen. Wir haben uns an diesem Tag aufgeteilt, Katja uebernahm die „Wertschriftenbewachung“ und Photoarbeit, Stephan stuerzte sich ins „Kostuem“ des Umzugs, um moeglichst viele Punkte fuer die Kanditatin zu ergattern (d.h. je weniger man anhat, desto mehr Punkte gibt es;-) ).

Waehrend dieses Tages hatten wir somit ein weiteres Mal die Moeglichkeit, beim Drumherum tiefer die Gepflogenheiten der Inselbewohner kennen zu lernen. Und vorallem ihre ungewohnten Kochkuenste zu bestaunen und vorallem zu geniessen 🙂 (aendlich wieder mol oeppis raechts und warms!)

Katja aergerte sich zuerst darueber, warum die nun mitten in den Festvorbereitungen einen Dreckhaufen wegschaufeln muessen, dass koennte doch auch bis morgen warten…

Ach so, da ist ja Essen darunter versteckt, das seit Stunden gegart hat…


unsere „Teller“, mmmhhhhhh, das war ein Leckerbissen

Natuerlich wird es dann auch hier mit den Zeitangaben nicht so genau genommen. Nach mehr als 3 stuendiger Wartezeit (um 17 Uhr sollten der Umzug kommen, um 20.15 Uhr war es dann so weit) wurden dann die beiden Kandidatinnen auf ihren Wagen und allen Begleitern mit Musik und Tanz durch die Strassen gefahren. Ein riesiges Fest, dass auf dem Fussballplatz mit weiteren Taenzen und Darbietungen den Ausklang erst spaet in der Nacht fand.

Irgendwann fanden Stephan und ich uns im Getuemmel dann wieder und er nahm zuerst mal ein Bad im Meer, um wenigstens das Groebste seiner Bemalung loszuwerden. Sehr erfolgreich war er damit nicht, auch nach dreimaligem Einseifen unter der Dusche nicht. Und noch Tage danach fand ich immer wieder Stellen, an denen noch Spuren seines Kostuems zu finden waren :-). Doch der Tag war ein voller Erfolg.
Nach einem Freitag, an dem alle Punkte gezaehlt werden, wird am Samstag, am Abschlusstag des Festivals dann im Finale die neue Koenigin gekroent. Natuerlich ist auch an diesem Abend nochmals Gesang, Tanz und Feststimmung angesagt. Dass wir sowas miterleben durften, ist einfach der Hammer.


Die Kroenung der neuen Koenigin

Natuerlich, wie bereits oben erwaehnt, erkundeten wir die Insel auch sonst noch. Zu Fuss, per Jeep und per Taxi.

Auf unserer Wanderung hatten wir natuerlich wieder mal Wetterpech. Schon kurz nach dem Start wurden wir das erste Mal nass, und da das Impragiermittel von Australien seinen Zweck nicht zum Geringsten erfuellte und unsere Regenjacken nun in Kuerze durchnaesst werden, liefen wir zu einem Baum zurueck, den wir auf dem Weg gesehen hatten, um nicht schon nach einer halben Stunde voellig durchnaesst zu sein.
Auch waehrend den restlichen 6-7 Stunden schluepften wir unzaehlige Male in und wieder aus den Regenjacken. Trotzdem konnten wir einige schoene Photos schiessen.

An einem Tag liessen wir uns mit dem Taxi zum kulturellen Mittelpunkt des frueheren Lebens auf Rapa Nui, zum Dorf Orongo fahren.
Dort fanden alle Zeremonien und Wettkaempfe statt, um die Vorherrschaft fuer das naechste Regierungsjahr unter den verschiedenen Sippen zu bestimmen.
Von dem 410m hohe gelegenen Dorf mussten die jungen tapferen Maenner eine steile Klippe hinunter spurten, mit einem Schilfboot zu der entfernten Vogelinsel rauspaddeln (das war sehr gefaehrlich, wegen Haien, der Brandung und der Stroemung) und wer das erste Vogelei unversehrt dem versammelten Volk auf dem Huegel praesentierte, sicherte sich und seiner Sippe die Vorherrschaft auf der Insel fuer das naechste Jahr.


Zu dieser Insel mussten sie paddeln und alles wieder zurueck und die Klippe wieder hoch nach Orongo


Das Dorf Orongo


Das Dorf Orongo liegt auf dem Kraterrand des Vulkans Rano Kau, ganz im Westen der Insel

Und hier noch eine Sammlung von verschiedenen Staetten von Moaisammlungen

Rano Raraku

In Rano Raraku war der Herstellungsort aller Moais. Dort wurden sie zuerst auf den Felsen gezeichnet, dann herausgemeisselt. Wie sie dann schlussendlich zu den vielen Standorten auf der Insel kamen, welche viele Kilometer von diesem Vulkanberg entfernt sind, sind sich die Wissenschafter immer noch nicht einig, deshalb lassen wir dieses Thema. Klar ist nur, dass fuer den Transport fast die ganze Insel abgeholzt wurde (Palmen). Viele der Moais fanden jedoch ihren Weg nie zum Endziel. Entweder sie liegen irgendo auf dem Weg zum Ziel am „Strassenrand“ oder blieben ganz einfach an ihrem Herstellungsort, am Fusse des Rano Raraku und wurden dort Opfer der Erosion. Doch das gibt dem Ort einen sehr mystischen Charakter.

Insgesamt gibt es auf der Insel 887 Moais, die durchschnittlich 4,05m hoch und 12,5t schwer sind. Der groesste von Ihnen war 21,6m hoch und 160-180t schwer. In spaeteren Jahren wurden diese Moais auch noch mit Hueten oder mit der dazumal ueblichen Haarpracht versehen. Diese haben eine andere Farbe (roetlich) und kommen von einem anderen Vulkankrater und wurden direkt an den Bestimmungsort des Moais transportiert und dort auf den bereits stehenden Moai gehievt. Auch ueber diese Technik ist man sich jedoch nicht einig, denn auch die Huete haben je nach Groesse mehrere Tonnen gewogen!


Ahus Tongariki


Ahu Akivi (die einzigen die aufs Meer raus schauen)

Abschliessen bleibt noch zu sagen, dass als die Insel entdeckt wurde, alle Moais umgestuerzt waren. Denn diese Moais waren die Schutzgoetter der verschiedenen Sippen. Die Sippen bekaempften sich immer heftig und um die Moral des Gegners schon vor dem Kampf zu brechen, wurden in einem ersten Akt immer die Moais umgestuerzt.
Diejenigen, welche heute wieder stehen, wurden von vielen verschiedenen Wissenschaftlern und teilweise von der Regierung wieder „geflickt“ und aufgerichtet.
Viele dieser interessanten Informationen haben wir im kleinsten uns bekannten Museum „Museo Antropologico Sebastian Englert“ in Hanga Roa erhalten. Dieser Besuch und der Film „Rapa Nui“ geben einen sehr guten Einblick in das Leben und die Geschichte der Osterinsel und wir koennen sie jedem Besucher von Rapa Nui waermstens empfehlen.
Diese 9 Tage waren sensationell. Jeder der von Suedamerika nach Neuseeland oder Australien uebersetzt und die Osterinsel nicht besucht, begeht in unseren Augen eine Suende ;-).


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